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Devisen : „Loonie“ stößt bei Aufstieg gegenüber dem Euro auf Widerstand

  • Aktualisiert am

Arbeitet sich an Marke von 1,40 ab: „Loonie” Bild:

Die Bank of Canada hat die Zinsschraube wieder fester gezogen. Darauf sind Anleihen des Landes unter Druck geraten. Der starken nationalen Währung, dem „Loonie“, hat der Zinsschritt indes keinen weiteren Schub verpaßt.

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          Der kanadische Dollar zählt in diesem Jahr zu den stärksten Währungen. Dem Euro hat der „Loonie“ seit Jahresbeginn fast neun Prozent abgenommen und dem amerikanischen Pendant rund zwei Prozent. Laut Bloomberg liegen 14 von 16 wesentlichen Währungen gegenüber der nordamerikanischen Devise im Hintertreffen.

          Verantwortlich für die Aufwertungstendenz des „Loonie“ sind zum einen die gestiegenen Rohstoffpreise; Kanada zählt zu den zehn wichtigsten Ölförderländern sowie zu den wesentlichen Goldproduzenten. Die nationale Wirtschaft arbeitet nach Einschätzung der Bank of Canada auf Vollauslastung, und die Arbeitslosenquote ist lag mit 6,7 Prozent im September am 30-Jahrestief, wie Bloomberg News anmerkt. Gleichzeitig zieht die Inflation in stärkerem Maße an als den Währungshütern lieb ist. Deshalb hat die Bank of Canada am Dienstag den Leitzinssatz innerhalb von sechs Wochen zum zweiten Male angehoben, und zwar um 25 Basispunkte auf drei Prozent.

          Citigroup: Leitzinsen bis März bei 3,75 Prozent

          Mit dem Zinsschritt hat die Notenbank die Zinslücke zu den Vereinigten Staaten wieder auf 75 Basispunkte verringert. Und beim Pendeln zwischen 75 und 100 Basispunkten dürfte es in den nächsten Monaten auch bleiben. Denn sowohl die amerikanische Notenbank Fed als auch die Bank of Canada haben durchblicken lassen, die Zinsschraube schrittweise fester zu ziehen.

          Bild: FAZ.NET

          Der Grund ist der Preisauftrieb, der besonders durch die gestiegenen Energiekosten verursacht wird. „Am Anleihemarkt sind kanadische Papiere im Lichte der ausdrücklichen Aussage der Bank, die Leitzinsen weiter zu erhöhen, verkauft worden“, sagte Carl Gomez von TD Securities zu Bloomberg. „Der Markt nimmt das sehr ernst“, fügte er hinzu.

          Die Stellungnahme der Bank of Canada habe die Aussicht auf weitere Zinsschritte nach oben stärker hervorgehoben als erwartet, so Eric Darwell von der Citigroup Global Markets. Nach der Prognose des Instituts werden die Währungshüter im März den Leitzinssatz auf 3,75 Prozent anheben. Die Dekabank prognostiziert etwas zurückhaltender. Sie rechnet mit einem Anstieg um 50 Basispunkte auf 3,5 Prozent. Begründung: Die Bank of Canada gehe davon aus, daß es mehrere Quartale dauern werde, bis sich die Zinserhöhungen inflationsdämpfend bemerkbar machen werden. Zudem haben die Währungshüter auf das Risiko einer sich abschwächenden Weltwirtschaft verwiesen.

          „Gute Entwicklung gegenüber europäischen Währungen“

          Vor diesem Hintergrund geht Citigroup-Stratege Darwell von einer anhaltend guten Entwicklung des „Loonie“ gegenüber europäischen Währungen, während seine Prognose zum Verhältnis von „Loonie“ und amerikanischem Dollar verhaltener ausfällt, da auch die Fed die Leitzinsen weiter erhöhen will und sich der Zinsvorsprung nicht verkleinern dürfte.

          Da der „Loonie“ wie der Euro vor allem gegen den Dollar gehandelt wird, ist die Aufwertung zur europäischen Gemeinschaftswährung auch und gerade eine Folge des Verhältnisses der jeweiligen Währungen untereinander. Der kanadische Dollar hat gegenüber dem Euro stärker aufgewertet als die amerikanische Devise, weil er gegenüber dem „Greenback“ die Nase vorne hat. Der Dollar hat gegenüber dem Euro weniger stark aufgewertet als die kanadische Devise, weshalb die Abwertung des Euro gegenüber dem „Loonie“ stärker ausfällt als jene zum Dollar.

          Aus charttechnischer Sicht kommt es für die kanadische Währung darauf an, den starken Widerstand bei 1,39 „Loonies“ je Euro zu überwinden. Derzeit arbeitet er sich an dieser Marke ab; sein Sechsmonatshoch steht bei 1,3899 und datiert vom 3. Oktober. Derzeit kostet ein Euro 1,4051 kanadische Dollar.

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