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Devisen : „Loonie“ scheint in ruhigere Bahnen einschwenken zu wollen

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt die Parität Kanadischer Dollar/Euro. Bild:

Die Bank of Canada hat die Leitzinsen nicht angetastet. Aber der Ton hat sich geändert: Weil die starke Aufwertung der Landeswährung Export und Inflation dämpft, könnte der nächste Zinsschritt abwärts gehen. Zu Lasten des „Loonie“.

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          Zur Wochenmitte sind die Kurse kanadischer Staatsanleihen gestiegen, während die Landeswährung gegenüber dem amerikanischen Dollar den Rückwärtsgang einlegte. Auch am Donnerstag liegt der kanadische Dollar gegenüber der amerikanischen Devise und dem Euro leicht im Hintertreffen. Der „Loonie“ leidet akut unter der jüngsten Stellungnahme der Bank of Canada, die sich mit Blick auf die Konjunktur bei weitem nicht mehr so zuversichtlich äußert wie noch im Herbst, als sie die Leizinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben hatte.

          Am Dienstag hat die Bank of Canada den Leitzinssatz wie im Dezember bei 2,5 Prozent belassen. Während im Vormonat die meisten Volkswirte einen Zinsschritt nach oben erwartet hatten, rechneten nun alle 32 von Bloomberg News befragten Experten mit dem, was die Währungshüter getan haben.

          Den einen oder anderen hat aber offenbar der geänderte Ton der Stellungnahme überrascht. Hatten die Notenbanker zuletzt stets auf die stimulierende Wirkung niedriger Leitzinsen und die Notwendigkeit verwiesen, den Preisauftrieb im Zaum zu halten, so ließen sie nun durchblicken, auf Sicht die Leitzinsen nicht zu erhöhen. Die Gründ:e Die Kerninflation liegt mit derzeit etwa 1,7 Prozent unter dem Zielwert von zwei Prozent, und der Export steht wegen der Aufwertung des „Loonie“, der dem Dollar binnen Jahresfrist 13 Prozent abgenommen hat, unter Druck.

          „Loonie“ ein Ventil für Dollar-Abwertung

          „Die Bank erwartet nun, daß die Wirtschaft in diesem Jahr etwas deutlicher unter der höchstmöglichen Auslastung laufen wird als bisher angenommen“, ließen die Notenbanker verlauten. Sie verwiesen vor allem auf die Aufwertung des „Loonie“. Die kanadische Währung hat zum einen vom noch bestehenden Zinsvorsprung des nördlichen Nachbars der Vereinigten Staaten profitiert und zum anderen von der Schwäche des Dollars, den vor allem das Leistungsbilanz- und das Haushaltsdefizit drücken.

          „Da die Chinesen ihre Währung an den Dollar gekoppelt haben und die Japaner eine deutliche Aufwertung des Yen verhindern, bleiben dem Dollar nur der Euro sowie der australische, der neuseeländische und der kanadische Dollar als Ventile, zum abzuwerten“, heißt es bei den Volkswirten der Deka-Bank. Diese hatten schon im Herbst auf die Aufwertungstendenzen des „Loonie“ und die daraus folgenden Schwierigkeiten für die Landeswirtschaft hingewiesen und gemeint: „Man fragt sich, ob man der Einschätzung der kanadischen Notenbank wirklich noch trauen kann. Denn sie fährt einen Schlingerkurs.“

          Für die absehbare Zukunft rechnen die Volkswirte des Frankfurter Instituts nicht mit einer Leitzinsänderung in Ottawa. Und falls es doch zu einem solchen Schritt kommen sollte, dann führte er wohl abwärts, meinen sie. Entsprechend äußerte sich Reid Farrill, Devisenstratege bei CIBC World Markets Inc. in Toronto. Denn die Binnenkonjunktur laufe zwar gut. Kanada habe den Zuwachs an Arbeitsplätzen, den der große Bruder im Süden gerne hätte: Das monatliche Plus entspreche den 250.000 Stellen, die als Maß der Dinge für Amerika gelte. Der Einzelhandel verdiene deshalb gut. Und die Hausbau-Zuwachsrate betrug im vergangenen Jahr 6,7 Prozent, der höchste Wert sei 1987, so Bloomberg. Aber: Der Export, der 40 Prozent der Wirtschaftsleistung Kanadas ausmacht, ist in vier der fünf Monate bis November gesunken. Für Daten für November werden nächste Woche veröffentlicht.

          Preisfrage: Was machen die Vereinigten Staaten und der Dollar?

          Wohin der „Loonie“ laufen wird, dürfte vor diesem Hintergrund auch und gerade von den Vereinigten Staaten abhängen. Wenn, wie die Regierung verlautbart, das Haushalts- und das Leistungsbilanzdefizit über vermehrte Einsparungen und Etatdisziplin verringert werden, könnte der Dollar aufwerten. (Allerdings läßt sich das Leistungsbilanzdefizit auch über eine Abwertung abbauen, da im Zuge dessen Importe teurer würden und nachlassen dürften.) Zweitens könnte eine weitere Leitzinserhöhung in Amerika um 0,25 Prozent dem kanadischen Dollar helfen, da ein solcher Schritt der amerikanischen Notenbank den Zinsvorsprung Kanadas zunichte machte und den Dollar tendenziell stärken dürfte.

          Derweil hält sich der „Loonie“ noch in der Aufwertungstendenz gegenüber dem Dollar. Er kratzt allerdings an der entsprechenden Trendlinie und dürfte diese wohl überschreiten, da er offenbar in eine Seitwärtsbewegung übergegangen ist, nachdem er ein merkliches Auf und Ab hingelegt hatte. Parallel zu den Kursverlusten der europäischen Gemeinschaftswährung zum Dollar hat der „Loonie“ sich seit Ende Dezember gegenüber dem Euro verbessert. Und auf Jahressicht liegt der kanadische Dollar gegenüber dem Euro noch knapp im Plus.

          Aber: Im Vergleich zum Euro ist er schon Ende November auf dem positiven Trend gelaufen. Nun bewegt er sich mit einem Kurs von 1,61 „Loonies“ je Euro (das sind 0,6195 Euro je kanadischem Dollar) ziemlich in der Mitte der Handelsspanne der vergangenen sechs Monate. Da dem kanadischen Dollar die Kursphantasie abgeht, dürfte er den Aufwertungstrend auf Sicht kaum wieder erreichen.

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