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Devisen : „Loonie“ gegenüber dem Euro kaum zu stoppen

  • Aktualisiert am

Kanadischer „Loonie” auf dem Weg zu neuen Bestmarken Bild:

Nur vier andere Währungen laufen seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro besser als der kanadische Dollar. Und dem „Loonie“ winken neue Kurshöhen. Denn Anleger erwarten weitere Zinserhöhungen und hohe Rohstoffpreise.

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          Nur vier andere Währungen laufen seit Ende November 2004 gegenüber dem Euro besser als der kanadische Dollar. Den Spitzenplatz hält die neue türkische Lira mit einem Plus von gut 16 Prozent vor der isländischen Krone mit einem Kursgewinn von fast 15 Prozent, dem chinesischen Yuan, der um etwas mehr als 14 Prozent vorgerückt ist, und dem südkoreanischen Won mit einem Zuwachs von 13,7 Prozent. Der nordamerikanische „Loonie“ verzeichnet bisher ein Plus von 12,7 Prozent - und er gute Chancen, weiter hochzulaufen.

          Die Stärke des „Loonie“ erklärt sich fundamental zum einen mit gestiegenen Rohstoffpreisen. Kanada ist ein bedeutender Exporteur von Öl sowie Metallen, edlen wie unedlen. Auch wenn die Ölpreise in den vergangenen Wochen stagniert haben, tendieren sie erheblich höher als vor einem Jahr: Kostete ein Barrel der leichten amerikanischen Ölsorte WTI vor einem Jahr etwa 50 Dollar, so müssen nun 60 Dollar bezahlt werden. Der Goldpreis ist von rund 455 Dollar je Unze auf fast 498 Dollar gestiegen.

          Zweitens: Die nationale Wirtschaft arbeitet nach Einschätzung der Bank of Canada auf Vollauslastung, und die Arbeitslosenquote ist lag mit 6,7 Prozent im September am 30-Jahrestief. Drittens stellt sich der Preisauftrieb als merklich dar, weswegen die Zentralbank im Oktober den Leitzinssatz auf drei Prozent angehoben hat. Und dabei wird es nach Einschätzung von Volkswirten nicht bleiben. Mithin hat der „Loonie“ auch Zinsphantasie für sich.

          Bild: FAZ.NET

          Dekabank: Leitzinsen im Juli bei vier Prozent

          Zu Wochenbeginn hält sich der kanadische Dollar auf einem Vierwochenhoch zum amerikanischen Dollar, obwohl knapp 0,2 Prozent abgibt. Im genannten Zeitraum hat er sich zum „Greenback“ besser gehalten als der Euro. Ein Ergebnis ist das fortgesetzte Erstarken im Verhältnis zur europäischen Gemeinschaftswährung. Der „Loonie“ zeigt sich trotz eines im Oktober unerwartet stark ausgefallenen Preisrückgangs robust; im abgelaufenen Monat rutschten die kanadischer Verbraucherpreise gegenüber September um 0,5 Prozent, die Jahresrate ging auf 2,6 Prozent nach 3,4 Prozent im Vormonat zurück, was vor allem einem Abwärtstrend bei Öl und Gas geschuldet war.

          Gleichwohl peilt die Zentralbank höhere Zinsen an. Denn die Inflation bewegt sich am oberen Rand des ausgegebenen Korridors von ein bis drei Prozent, wobei die Kerninflationsrate mit 1,7 Prozent stabil geblieben ist. Vergangene Woche sagte Paul Jenkins, stellvertretender Gouverneur der Bank of Canada, die Währungshüter müßten weiter an der Zinsschraube drehen, um den Preisauftrieb in einer auf Vollast fahrenden Wirtschaft im Griff zu halten.

          Analysten wetten deshalb auf merklich höhere Leitzinsen. Nach der Prognose der Citigroup wird die Bank of Canada im März nächsten Jahres den Leitzinssatz auf 3,75 Prozent anheben. Die Dekabank sieht nun für Juli 2006 die entsprechende Rate bei glatt vier Prozent; im Oktober hatte sie für März 3,5 Prozent vorhergesagt.

          Technische Hürden locker genommen

          George Davis sieht noch weitere Kurstreiber: Übernahmen kanadischer Firmen. Als jüngstes Beispiel dient die Absicht des Luxemburger Stahlkonzerns Arcelor, den Konkurrenten Dofasco zu schlucken. Bezahlen müßte Arcelor das Geschäft in „Loonies“, wenn der Konzern den Dofasco-Aktionären deren Anteilsscheine abkauft. Das ist zwar noch nicht ausgemacht. Davis sieht in solchen Möglichkeiten gleichwohl einen den kanadischen Dollar unterstützenden Faktor.

          Aus charttechnischer Sicht befindet sich der „Loonie“ gegenüber dem Euro ohnehin in der Vorderhand, da er die technischen Widerstände bei 1,40 kanadischen Dollar und 1,3735 kanadischen Dollar recht schnell hinter sich gelassen hat. Als nächste Hürde steht die Marke 1,3645, die der „Loonie“ zuletzt am 30. Januar 2002 gesehen hat. Sollte auch diese fallen, wäre aus technischer Sicht sogar der Weg bis 1,33 kanadische Dollar frei.

          Ob er diesen Weg nimmt, dürfte auch und gerade von der Entwicklung der Rohstoffpreise abhängen, für die Analysten zuversichtlich gestimmt sind, und vom Verhältnis zum „Greenback“. Denn der „Loonie“ wird zuerst gegen den amerikanischen Dollar gehandelt. Aus heutiger Sicht sollte kanadische Dollar halten wer sie schon besitzt. Auch Käufe gegen den Euro könnten sich weiter lohnen.

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