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Devisen : „Loonie“ dürfte gegenüber dem Euro weiter aufwerten

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Der Chart zeigt das Verhältnis des Euro zum kanadischen Dollar; die abfallende Kurve steht für die jüngste Aufwertung des „Loonie” Bild:

Seit Anfang Juni hat der kanadische Dollar gegenüber dem Euro stark aufgewertet. Und er hat gute Chancen, weiter nach oben zu laufen. Die Notenbank will bald die Leitzinsen erhöhen. Dadurch vergrößert sich der Zinsvorsprung.

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          Das Kursbild beeindruckt: Die Kurve des Verhältnisses des Euro zum kanadischen Dollar ist in den jüngsten Wochen steil abwärts gelaufen. Der „Loonie“ zeigt Stärke und hat um knapp sieben Prozent aufgewertet. Waren im Mai noch mehr als 1,62 kanadische Dollar für einen Euro zu bezahlen, so sind es aktuell etwa 1,47. Da die kanadische Währung zuvörderst gegen den amerikanischen Dollar gehandelt wird und ebenfalls deutlich zugelegt hat, ist das Plus zum Euro eine Folge davon.

          Auf den ersten Blick mag die Stärke gegenüber der Weltleitwährung verwundern. Schließlich hat die amerikanische Notenbank den Leitzinssatz auf 3,25 Prozent erhöht und den Zinsvorsprung zu Kanada auf 0,75 Prozentpunkte vergrößert. Und dies wird bis auf weiteres so bleiben. Am Dienstag bestätigte die Bank of Canada den Leitzins bei 2,50 Prozent. Gleichwohl zeigt sich der „Loonie“ zum „Greenback“ auch am Mittwoch robust und pendelt um seinen Vortagskurs bei 1,20 kanadische Dollar.

          Ein wesentlicher Grund dürfte die Absicht der Notenbank sein, den Leitzins anzuheben. Und zwar früher als bisher gedacht: Die Währungshüter wollen die geldpolitischen Stimulanzien noch in diesem Herbst verringern, wie Analysten prognostizieren. Bisher hatten sie mitgeteilt, eine Anhebung sei „im Laufe der Zeit“ erforderlich, nun ist von kurzfristig die Rede.

          Preisauftrieb verlangsamt - Arbeitslosenquote niedrig

          Der „Loonie“ hat die Zinsphantasie für sich und zudem die Ölpreis-Rally. Kanada zählt zu den zehn wichtigsten Ölförderländern weltweit und produziert etwa die gleiche Menge des zähflüssigen „schwarzen Goldes“ wie Kuweit. „Der Petro-Loonie wird bis 2015 die stärkste Währung innerhalb der G8-Staaten und Chinas sein“, prognostiziert Carl Weinberg einig, der Chefvolkswirt der unabhängigen Analysegesellschaft High Frequency Economics in New York.

          Zudem läuft die nationale Wirtschaft gut. Das Bruttoinlandsprodukt ist im April mit 0,4 Prozent stärker als erwartet gewachsen, wobei Zuwächse auf breiter Front erzielt worden sind, wie die Deka-Bank anmerkt. Und: „Die Arbeitslosenquote steht auf 6,7 Prozent, so niedrig wie seit fünf Jahren nicht mehr. In einer Umfrage der Bank von Kanada äußerten zahlreiche Unternehmen Schwierigkeiten bei der Bedienung der Nachfrage nach ihren Produkten, ein Hinweis auf mögliche Inflationsgefahren“, so die F.A.Z.

          Bisher ist der Preisauftrieb aber übersichtlich: Der auf sechs Monate hochgerechnete gleitende Sechsmonatsdurchschnitt der Kerninflationsrate ist im Mai auf 1,4 Prozent gefallen. Im April und März hatte er noch bei 2,1 Prozent gelegen. Durch die Aufwertung des „Loonie“ sind Importe billiger geworden, was den Preisauftrieb günstig beeinflußt. Das Inflationsziel der Notenbank beträgt ein bis drei Prozent.

          Einige Gründe für anhaltende „Loonie“-Stärke

          Die Volkswirte der Deka-Bank sehen die Inflation im nächsten Jahr auf rund zwei Prozent steigen. Mithin läge diese immer noch komfortabel im Zielkorridor. Analysten vonm Scotia Capital in Kanada erwarten zudem laut Bloomberg News die Aussage der Notenbank, daß die Wirtschaft stärker wachse als gedacht.

          Wenn der Ölpreis hoch bleibt und die Nachfrage wie von der Internationalen Energie-Agentur prognostiziert 2006 allgemein zunehmen wird, dürfte eine Menge Kapital nach Kanada fließen. „Die Währungsreserven der Bank von Kanada werden anschwellen, und der kanadische Dollar wird unter erheblichen Aufwertungsdruck geraten“, prophezeit Weinberg in der F.A.Z. Die Deka-Bank sieht noch einen anderen Grund für anhaltende Stärke des „Loonie“: „Die für einen Abbau des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits notwendige Abwertung des Dollar impliziert eine weitere Aufwertung des kanadischen Dollar.“

          Aus charttechnischer Sicht müßte die nordamerikanische Devise ihr Jahreshoch von 1,4584 kanadische Dollar übertreffen, um sich weiteres Kurspotential zu erarbeiten. Zuletzt hatte der „Loonie“ die technische Hürde bei 1,50 genommen. Die nächste Widerstandszone lauert erst bei etwa 1,448.

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