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Devisen : Kanadischer Dollar dürfte nach Zinsschritt robust bleiben

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Der Chart zeigt die Entwicklung des Euro gegenüber dem kanadischen Dollar. Bild:

Der kanadische Dollar hat seit Ende Juni gegenüber dem Euro deutlich an Boden gutgemacht. Die Zinserhöhung dürfte den „Loonie“, der im August den langfristigen Abwärtstrend gegen den Euro durchbrochen hat, weiter stützen.

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          Die Volkswirte der Deka Bank haben es ebensowenig erwartet wie Analyst Jason Daw von der Investmentbank Merrill Lynch in New York, der in der Vergangenheit als Ökonom für die Bank of Canada gearbeitet hatte. Es galt an den Devisenmärkten als ausgemacht, daß die kanadische Notenbank diesen Mittwoch den Leitzins anheben werde. Und genauso ist es gekommen: Die Bank of Kanada ist einen kleinen Zinsschritt nach oben gelaufen. Der kanadische Leitzinssatz steht nun bei 2,25 Prozent, wo er schon im März dieses Jahres stand, nachdem die Notenbank seinerzeit zum zweiten Male binnen weniger Monate die Rate gesenkt hatte.

          Mithin weist Kanada nun einen Zinsvorsprung von 0,5 Prozentpunkten vor Amerika und von 0,25 Prozentpunkten vor Euroland auf. Der Zinsschritt ist vor dem Hintergrund einer stramm wachsenden Wirtschaft, einer über der Zielmarke liegenden Gesamtinflationsrate sowie der Tatsache erfolgt, daß die Wirtschaft des Landes an der Kapazitätsgrenze produziert.

          Der Währung Kanadas stärkt die Zinserhöhung im Vergleich zum Euro und dem amerikanischen Dollar den Rücken. Zwar liegt der kanadische Dollar auf die vergangenen zwölf Monate berechnet mit etwa 3,5 Prozent im Hintertreffen - doch hat er der europäischen Gemeinschaftswährung allein seit Ende Juni gut 7,8 Prozent abgenommen. Aus charttechnischer Sicht ist der Ausbruch aus dem seit 2001 geltenden Abwärtstrend wichtig, der dem „Loonie“ Ende August gelungen ist.

          Kanada hat Amerika beim Wachstum überholt

          Analysten singen Hohelieder auf die Wirtschaft und die Währung Kanadas: „Die kanadische Wirtschaft wächst mit solider Geschwindigkeit, insbesondere aufgrund des geradezu explodierenden Exports. Die Kapazitätsauslastung steigt, und damit erhöht sich der Preisdruck“, sagte Carl Weinberg von High Frequency Economics in New York der F.A.Z. Weinberg rechnete wie viele seiner Kollegen mit einer Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent. „Der Exportzuwachs ist spektakulär, vor allem deshalb, weil der kanadische Dollar in den vergangenen Monaten Stärke gewonnen hat“, so Weinberg.

          In der Tat hat der „Loonie“ seit dem Frühjahr deutlich zugelegt, insbesondere gegenüber dem amerikanischen Dollar. Mußten Mitte Mai dieses Jahres noch fast 1,40 kanadische Dollar für einen Dollar bezahlt werden, so reichen derzeit rund 1,29 kanadische Dollar aus. Und die Tagestendenz ist ebenfalls freundlich, nachdem Aussagen der amerikanischen Notenbank Fed zum Fortgang der Konjunktur in den Vereinigten Staaten als eher enttäuschend interpretiert worden sind, weil sie verhalten ausgefallen seien; Fed-Chef Alan Greenspan sieht die Wirtschaft Amerikas nach der jüngsten „Delle“ wieder in Fahrt kommen und will bei moderaten Zinserhöhungen bleiben.

          Kanadas Wirtschaft hat die des großen Nachbarn im Süden im zweiten Quartal erstmals seit Ende März 2003 wieder überflügelt. Sie ist mit 4,3 Prozent gewachsen und hat vor allem von der starken Nachfrage aus Amerika nach Autos und Holz profitiert. Die Binnenkonjunktur ist dagegen im Lande der „Mounties“ weniger kräftig. Die Gesamtinflation ist nach Einschätzung der Bank of Canada vor allem wegen der zwischenzeitlich stark gestiegenen Ölpreise geklettert und hat die Zielmarke von zwei Prozent übertroffen, während die Kerninflation mit 1,9 Prozent unterhalb derselben geblieben ist. Im Juli hat sich der Preisauftrieb jedoch wieder abgeschwächt, wie die Deka-Bank anmerkt.

          Zinserhöhungen in Amerika haben „Loonie“ nicht beeindruckt

          Zwar sieht die Bank of Canada drei wesentliche Risiken für die eigene Wirtschaft: die weitere Nachfrage aus Amerika, die Entwicklung der Ölpreise und die Unsicherheit über die Lücke zwischen Nachfrage und Kapazität der Industrie. Sollte sich die amerikanische Wirtschaft entgegen der Einschätzung der Fed nicht aufschwingen und der Ölpreis weiter fest zeigen, könnte ein langsameres Wachstum die Folge sein. In diesem Fall dürfte sich die kanadische Notenbank mit weiteren Zinserhöhungen zurückhalten, zumal sie dieses Jahr die Leitsätze zurückgenommen hatte, um den Anstieg des „Loonie“ zu zügeln und die Exportwirtschaft zu begünstigen.

          Aktuell hat die Bank of Canada aber zuvörderst die Inflation im Blick, und die Deutlichkeit des Bemühens, den Preisauftreib einzudämmen, hat die Anleihemärkte auf dem falschen Fuß erwischt, weshalb die Renditen deutlich anstiegen. Die Deka-Bank rechnet mit Blick auf die Risiken für dieses Jahr nicht mit einer weiteren Zinssenkung, erst 2005 werde die Bank of Canada den Leitsatz weiter anheben. „Dies wird der erste einer ganzen Reihe von Zinsschritten der Bank von Kanada sein“, so Sal Guatieri, Ökonom der Bank of Montreal. Mitte 2006 werde der Leitzins 4,5 Prozent betragen, erwartet Guatieri.

          Der Zinsvorsprung, die Stärke der Wirtschaft und die charttechnische Verfassung sprechen auch angesichts des Zinsstillstands in Euroland für einen weiter robusten kanadischen Dollar. Zumal diesem auch die beiden Zinserhöhungen in Amerika in diesem Jahr nicht geschadet haben.

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