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Devisen : Kanadischer Dollar auf Allzeittief gegen den Dollar

  • Aktualisiert am

Kanada Dollar beim „E-Test”? Bild: dpa-Bildfunk

Nicht nur der Euro neigt gegen den US-Dollar zur Schwäche. Sondern auch der Kanadische Dollar. Am Montag hat er ein neues Allzeittief erreicht.

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          Wie oft konnte man Klagen darüber hören, wie stark der Euro gegen den Dollar an Wert verloren hat. Aber im Vergleich mit der Vergangenheit der Mark sind die Kursverluste noch relativ bescheiden. Und nicht nur das. Wirft man einen Blick auf die unmittelbaren Nachbarn der USA, sieht die Situation viel dramatischer aus.

          So hat der kanadische Dollar mittlerweile gegen den amerikanischen Dollar ein Allzeittief erreicht. Knapp 1,62 Kanadische Dollar musste man am Morgen für einen US-Dollar hinblättern. Soviel wie bisher noch nie.

          Schwache Wirtschaft und zögerliche Notenbank belasten

          In diesem Verhältnis spielen ähnliche Argumente eine Rolle, wie sie auch mit Bezug auf den Euro immer wieder zu hören sind. So habe die kanadische Notenbank zu spät und zu zögerlich mit Zinssenkungen auf den Wirtschaftsabschwung reagiert. In der vergangenen Woche hat sie den Leitzins um ein weiteres Viertel nach unten genommen auf nunmehr zwei Prozent. Die vergleichbare Rate in den USA liegt bei 1,75 Prozent.

          Jeff Rubin, Chefökonom von CIBC, geht davon aus, dass sich die Währung weiter abschwächen wird. Wegen der schwach bleibenden Wirtschaft erwartet er weitere Zinssenkungen um insgesamt 50 Basispunkte. Die jetzigen Kursverluste dürften unter anderem auf solche Zahlen zurückzuführen sein, wie die extrem hohe Arbeitslosigkeit. Chief-Economist David Rosenberg von Merrill Lynch in Toronto erwartet beispielsweise eine Arbeitslosenrate von acht Prozent in den kommenden Tagen.

          Vor allem die Rezession in den USA habe die Nachfrage nach kanadischen Gütern abflauen lassen und damit auch die nach der kanadischen Währung, um diese zu kaufen. „Die Währungsschwäche ist vor allem auf die unterschiedliche Wachstumsdynamik zurückzuführen“, sagt Rosenberg. In dieser angeschlagenen Situation benötige der Markt einen Katalysator, um wieder stabiler zu werden. Jemand müsse eine Linie im Sand ziehen, ergänzt er. Folglich kommen immer mehr Gerüchte über eine mögliche Intervention auf.

          Intervention war in der Vergangenheit wirkungslos

          Allerdings hat die Notenbank im Jahr 1998 4,6 Milliarden Reserven eingesetzt, ohne eine Wirkung zu erzielen. Damals hätte erst eine Zinserhöhung geholfen - und die sei in der jetzigen Verfassung der Wirtschaft unwahrscheinlich. Sollte allerdings die Währung weiter fallen, werde der kanadische Notenbankchef David Dodge wohl langsam gezwungen sein, zumindest verbal Farbe zu bekennen, denkt Devisenhändler Steve Butler von Scotia Capital in Toronto.

          Die Analysten von UBS Warburg stehen eher positiv zur Währung. Sie gehen davon aus, dass die jetzigen „Extremwerte“ in einem dünnem Markt von so genannten Stops im Zusammenhang mit exotischen Optionen hervorgerufen worden sein könnten. Auf Grund positiver US-Daten sollte die Nachfrage nach kanadischen und australischen Gütern und Rohstoffen wieder anziehen und die Währungen wieder nach oben bringen. Allerdings stehen sie positiver zum Australischen Dollar als zum Kanadischen, da dort die Fundamentalentwicklung wesentlich besser sei als in Kanada.

          Im Verhältnis zum Euro konnte der Kanadische Dollar lange Zeit von der Stärke des US-Dollar profitieren, zumindest bis Ende des Jahres 2000. Danach schlug sich aber auch hier die Schwäche des Kanadischen Dollars durch, zuletzt musste ein Kanadier 1,4280 Kanada-Dollar für einen Euro bezahlen, im Juli 2001 waren es noch weniger als 1,30 Dollar.

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