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Devisen : Kanadischer Dollar arbeitet am Widerstand zum Euro

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Bild: Bloomberg

Trotz der Erholung des Greenbacks in den vergangenen Wochen befindet er sich gegen den kanadischen Dollar noch im mittelfristigen Abwärtstrend. Gegen den Euro steht der Loonie vor der Überwindung einer wichtigen Widerstandszone.

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          Eine der Währungen, die in den vergangenen drei Jahren eindrucksvoll von der Schwäche des amerikanischen Dollars profitiert hat, ist die des Nachbarlandes Kanada. Waren im Januar des Jahres 2002 noch 1,6151 kanadische Dollar nötig, um einen amerikanischen Dollar erwerben zu können, so waren dazu im November des vergangenen Jahres nur noch 1,1718 kanadische Dollar notwendig.

          Damit hatte die amerikanische Währung bis zu 27 Prozent an Wert verloren gegen das Pendant des nördlichen Nachbars. Das mag wenig erscheinen, hat der Greenback gegen Euro im selben Zeitraum beinahe doppelt so viel verloren. Auf der anderen Seite ist es bedeutend, wenn man zwei Länder betrachtet, die sowohl wirtschaftlich als auch geographisch so eng verflochten sind wie Kanada und die Vereinigten Staaten.

          Kanadischer Dollar erhält wieder fundamentalen Rückenwind

          Seit Ende des vergangenen Jahres konnte sich der amerikanische Dollar zwar gegen die kanadische Währung etwas erholen. Der kurzfristige Trend zeigt nach oben, aber der langfristige Trend zeigt weiterhin nach unten. Gerade in den vergangenen Tagen konnte die kanadische Währung an Boden gut machen, nachdem die Einzelhandelsumsätze mit einem Plus von 1,5 Prozent im Monat April unerwartet stark ausgefallen waren.

          Bild: Bloomberg

          Das führt zur Vermutung, die kanadische Zentralbank werde in absehbarer Zeit den Leitzins erhöhen. Er liegt nach den zwei Zinserhöhungen im September und Oktober des vergangnen Jahres um jeweils 25 Basispunkte unverändert bei 2,5 Prozent und damit mittlerweile 0.5 Prozentpunkte unter dem amerikanischen Leitzins. Gegenüber dem Euro hat die kanadische Währung allerdings einen Zinsvorsprung von einem halben Prozentpunkt.

          Sollte sich die kanadische Konjunktur weiterhin vergleichsweise robust schlagen, dürfte die nächste Zinserhöhung in Kanada nicht mehr sonderlich weit sein. Immerhin hat Notenbankchef David Dodge in den vergangenen Tagen schon angekündigt, der Leitzins werde im Laufe der Zeit anziehen. Dabei hatte er sich unter anderem auf die Wirtschaftsentwicklung im ersten Quartal hingewiesen.

          Zinsphantasie und Rohstoffboom spielen auch eine Rolle

          Gleichzeitig liegt die Inflationsrate im Moment zwar unter der Zielgröße der Zentralbank von zwei Prozent. Aber hier dürfte sich die Entwicklung bei anhaltender wirtschaftlicher Dynamik beleben. Zusammen genommen scheint es wahrscheinlich zu sein, daß die Spekulationen auf eine Zinserhöhung in Kanada zunehmen werden. Das wird sehr wahrscheinlich zu einer steileren Zinskurve führen, die die Währung interessanter macht.

          Sie profitiert zusätzlich vom anhaltenden Boom auf der Rohstoffseite. Denn das Land verfügt über starke Ressourcen und zieht internationale Gelder an. Auf dem aktuellen Niveau lohnt sich sogar langsam die Ausbeutung der reichlich vorhandenen Ölsände und Ölschiefer. Allerdings sind die Risiken bei solchen Investitionen noch groß, da große Summen aufgewendet werden müssen und da die Wirtschaftlichkeit bei einem Rückgang des Ölpreises schnelle wieder in Frage gestellt sein würde.

          Insgesamt scheint die kanadische Währung sowohl gegen den amerikanischen Dollar als auch gegen den Euro vergleichsweise gute Karten zu haben. Vor allem dann, wenn sich die Zinsphantasie in Kanada deutlicher beleben sollte, während sie in den Vereinigten Staaten langsam abflaut oder eher in die andere Richtung tendiert, wie es in Europa aktuell der Fall ist. Charttechnisch befindet sich der Kanada-Dollar gegen den amerikanischen Dollar nach wie vor in einem mittelfristigen Aufwertungstrend. Gegen den Euro knabbert die Währung gerade an einer massiven Widerstandszone bei 1,5 Dollar je Euro. Sollte sie überwunden bzw. unterschritten werden, würde sie sich weiteren Kursspielraum erschließen.

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