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Devisen : Irak-Dinar ist ein riskantes Spekulationsobjekt

  • -Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Spekulanten lieben das Risiko, wenn ein entsprechender Erlös winkt. „Oberzocker“ setzen auf den irakischen Dinar. Viele machen sich aber Illusionen und kennen die Risiken nicht, denkt David DeRosa von Bloomberg News.

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          Der irakische Dinar ist für manche Anleger die heißeste Spekulationsmöglichkeit, die es derzeit gibt. Sie setzen darauf, daß die irakische Währung bald deutlich mehr wert ist als der aktuell mit 1.460 Dinar je Dollar. Diese Annahme beruht jedoch auf einem falschen Verständnis der Bedeutung des historischen offiziellen Wechselkurses.

          Die irakische Zentralbank setzt den Kurs einmal täglich fest. Manche Investoren glauben offenbar, daß die irakische Zentralbank den Dinar wieder auf das alte Kursniveau bringt. In diesem Fall würde jeder, der Dinar zum Zentralbankkurs von 1.460 Dinar je Dollar kauft, ein Vermögen machen. Der historische Wechselkurs ist aber schlicht und einfach bedeutungslos für den Wert der irakischen Währung heute oder in der Zukunft.

          Wertentwicklung des irakischen Geldes äußerst risikobehaftet

          Bis zum Ausbruch des Kriegs zwischen Iran und Irak 1980 lag der offizielle Wert des irakischen Dinar bei 3,32 Dollar je Dinar. Zuletzt geändert wurde die Bewertung 1982, als der Dinar fünf Prozent auf 3,22 Dollar je Dinar abgewertet wurde. Auf dem Schwarzmarkt wurde der Dinar jedoch zu deutlich niedrigeren Kursen gehandelt.

          Generell ist ein Kursanstieg des Dinar mit vielen Unsicherheiten behaftet: wird die irakische Regierung gestürzt, verliert die Währung ihren Wert: Keine Regierung, kein Dinar. Und auch wenn die derzeitige Regierung an der Macht bleibt, kann der Kurs des Dinar abstürzen, wenn die Zentralbank sich nicht an ihren Anti-Inflationskurs hält. Zahlreiche neue Regierungen haben ihr Heil in der Inflation gesucht, um den Haushalt in den Griff zu bekommen. Inflation oder gar Hyperinflation sind Gefahren, die der Anleger nicht außer Acht lassen sollte.

          Dabei sollte besonders beachtet werden, daß hinter dem Dinar lediglich die Zentralbank steht. Die Währung ist nicht durch Goldreserven oder eine Einrichtung wie das Currency Board in Hongkong gesichert, das die Währung durch Käufe und Verkäufe stützt. Nur die Zusicherung der Zentralbank, sich vernünftig zu verhalten, stützt den Dinar.

          Wer jetzt immer noch an irakischen Dinar interessiert ist, sollte sich fragen, welchen Zinssatz er für ein Darlehen an die irakische Regierung verlangen würde. 20 Prozent? 50 Prozent? Der Zinssatz muß das Risiko des Sturzes der neuen Regierung ebenso abdecken wie die Gefahr einer Hyperinflation. Aber die Spekulanten, die jetzt auf den Dinar setzen, kaufen Bargeld, also Dinar-Noten. Und Banknoten bringen keine Zinsen. Die Investoren geben also der irakischen Zentralbank einen zinslosen Kredit.

          Über das Internet werden Leichtgläubige geködert

          Erscheint der Dinar plötzlich nicht mehr als das große Schnäppchen? Und es gibt noch ein weiteres und gewichtigeres Problem. In Bagdad lassen sich Dinar-Banknoten leicht erwerben. Eine Zeitlang war die einzige Möglichkeit, Dinar zu kaufen, in den Irak oder ein Nachbarland zu fahren und Dinar auf der Straße einzutauschen. So etwas wie einen Interbankenmarkt gibt es nicht. Die meisten großen Banken haben keine Devisenhändler, die einen Dinarkurs stellen.

          Für Anleger tut sich eine neue Dinar-Quelle auf: das Internet. Zahlreiche Unternehmen werben auf ihren Webseiten für Investments in Dinar. Der Tenor der Anzeigen ist: Jetzt da der Diktator Saddam Hussein nicht mehr regiert, ist ein Investment im Irak eine großartige Chance. Und wenn man den Irak als Investmentziel mag, warum nicht mit dem Kauf von irakischen Dinar anfangen?

          Jeder Investor sollte seinen gesunden Menschenverstand einschalten, bevor er über das Internet irgendeine fremde Währung bestellt, ganz zu schweigen von irakischen Dinar. Einige dieser Internetfirmen dürften reell sein. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, daß einige andere nur auf Betrug aus sind - daher der dringende Rat an Investoren, äußerst vorsichtig zu sein.

          Das hat nichts mit einer pessimistischen Bewertung des Dinar zu tun. Wenn die irakische Wirtschaft wächst und gedeiht, wie die Vereinigten Staaten und ihre Koalitionspartner hoffen, stehen die Chancen gut, daß der Kurs der Währung steigt, aber er wird sicherlich nicht wieder in die Nähe von drei Dollar je Dinar kommen.

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