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Devisen : Indische Rupie auf Dreijahreshoch

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Mit einem Kurs von 45,93 Rupien je Dollar erreichte die indische Währung am Donnerstag den höchsten Stand seit drei Jahren. Ursache sind Kapitalzuflüsse und die Aussicht auf eine auflebende Konjunktur.

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          Mit einem Kurs von 45,93 Rupien je Dollar erreichte die indische Währung am Donnerstag den höchsten Stand seit drei Jahren. Damit brauchen Inder etwa 6,5 Prozent weniger ihrer eigenen Währung, um einen Dollar zu erwerben, als noch etwa vor einem Jahr.

          Ursache für diese Entwicklung sind auf der einen Seite Mittelrückführungen indischer Exportunternehmen und indischer Privatleute, die im Ausland arbeiten. Sie setzen auf vergleichsweise attraktive Zinsen im eigenen Land und darauf, daß die indische Wirtschaft im internationalen Vergleich stark wächst, was bei den Unternehmen zu deutlich steigenden Gewinnen führen dürfte. Diese Kombination der Erwartungen lockt aber auch die internationalen Anleger.

          Fonds am Aktien- und Rentenmarkt interessiert

          Fonds sind vor allem auch am indischen Aktienmarkt interessiert. Der Sensex 30 hat allein seit Mai mehr als 30 Prozent zugelegt. Unternehmen wie das Konglomerat Grasim, Tata Motors, Larsen & Toubro, Hindalco Industries, Glaxosmithkline India, Tata Iron, Gujarat AMB und die State Bank of India haben allein im vergangenen halben Jahr zwischen 40 und 71 Prozent an Wert zugelegt. Indische Staatsanleihen haben einen wahren Höhenflug erlebt. So hat die bis in den August des Jahres 2013 laufende Staatsanleihe mit einem Kupon von 12,4 Prozent seit ihrer Emission einen Kursgewinn von 52 Prozent erzielt, die Rendite ist allein auf Sicht eines Jahres von mehr als sieben auf nun 5,55 Prozent gefallen.

          Die jüngste Entwicklung im Währungsbereich wird verstärkt durch die Beobachtung, daß die indische Zentralbank weder verbal noch faktisch interveniert hat. Dabei zieht sie normalerweise die Fäden und versucht, die Kontrolle über den Markt zu behalten. Möglicherweise ist ihr die Aufwertung der Währung recht, da dadurch die Importe - Indien importiert drei Viertel des benötigten Öls - günstiger werden, was hilft, die Inflation zu senken. Ende Juli erreichte die Inflationsrate mit 4,9 Prozent den tiefsten Stand seit einem halben Jahr. Die Importe legten von April bis Juni um satte 29 Prozent zu.

          Günstige Bedingungen für stärkeres Wachstum

          Eine zurückgehende Inflation, fallende Renditen, günstiger werdende Importe und nicht zuletzt günstiges Wetter - starke Monsunregen - dürften nach Expertenansicht das Wachstum deutlich ankurbeln und könnten im laufenden Jahr zu einer Wachstumsrate von 6,5 Prozent führen. „Vor allem der Regen verbessert die Aussichten deutlich,“ sagte ein Manager von Ashok Leyland. Das Unternehmen ist im Fahrzeugbau tätig und möchte seine Produktion um zehn Prozent ausweiten. Indiens Wachstum litt in den vergangenen Jahren vor allem unter einer großen Trockenheit. Extrem tiefe Zinsen - die tiefsten seit drei Jahrzehnten - dürften den Konsum ankurbeln.

          Auf dieser Basis dürfte das Interesse ausländischer Investoren an Indien anhalten und Kapital in das Land strömen lassen. Vor allem auch dann, wenn es seine Wirtschaft weiter liberalisiert. So wurden in jüngster Zeit unter anderem Währungsoptionen auf die Rupie zugelassen. Das ist nicht nur ein positives Zeichen, sondern lokale und internationale Unternehmen können nun auch ganz praktisch die Währungsseite ihrer Aktivitäten absichern. Diese Entwicklung dürfte auch Bedenken zerstreuen, eine stärkere Währung könnte die international orientierten indischen Softwareunternehmen belasten. Denn die Währungsseite dürfte eine ihrer geringsten Sorgen sein, wenn global die Konjunktur anspringen sollte. Insgesamt scheint wenig gegen eine stärkere Rupie zu sprechen.

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