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Devisen-Hintergründe : Das bestimmt den Kurs der norwegischen Krone

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Bild: dpa

Die beiden großen Währungen Dollar und Euro sind angeschlagen. Anleger finden auch Gefallen an der norwegischen Krone. Was es bei Investments zu beachten gilt.

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          Nachdem die norwegische Krone in den vergangenen Jahren erheblich aufgewertet hat, tritt sie in diesem Jahr per saldo zum Euro nur auf der Stelle. Der Appetit der Anleger auf Investments in die norwegische Landeswährung ist aber nach wie vor groß. Das zeigt die ausgesprochen rege Nachfrage nach Anleihen, die auf der Krone basieren.

          Wer investiert ist oder über ein Investment nachdenkt, ist neben einer Chance über die Währungsschiene auch einem zusätzlichen Risiko ausgesetzt. Um damit umgehen zu können, ist es wichtig, sich mit den wichtigsten Einflussfaktoren vertraut zu machen, die typischerweise den Wechselkurs der Parität Euro-Krone bestimmen. Zumal die Krone traditionell zu volatilen Ausschlägen neigt.

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          Die Krone gilt als typische Rohstoffwährung

          Nachgegangen ist dieser Frage auch Valentin Hofstätter. Der Analyst von Raiffeisen Research verweist in einer Studie zu dem Thema auf fünf zentrale Kursdeterminanten. Zu den volkswirtschaftlich wichtigsten Einflussfaktoren auf die Krone zählt demnach zu allererst die Entwicklung des Ölpreises. Öl und das damit preislich eng korrelierte Gas ist ein wesentlicher Exportartikel Norwegens. Kommt es - so wie jüngst in der globalen Rezession 2008 - zu einem starken Rückgang des Ölpreises, so resultiert daraus tendenziell ein Abwertungsdruck auf die Krone, erklärt Hofstätter (siehe Grafiken).

          Der Raiffeisen-Analyst begründet diese These mit folgender Gedankenkette: Erhole sich anschließend die globale Wirtschaft wieder, steige auch die Ölnachfrage wieder stärker und der Ölpreis ziehe an, was der Krone tendenziell zu einer Aufwertung verhelfe, da damit die Exporterlöse Norwegens (und damit verbunden die Nachfrage nach Kronen) deutlich steigen würden. Diese Entwicklung sei in der seit 2009 erfolgten Erholung der globalen Konjunktur samt dem damit verbundenen starken Anstieg des Ölpreises gut beobachtbar gewesen. Die Krone sei damit indirekt eine Währung, die einerseits von einer starken globalen Konjunktur profitiere (da dann auch der Ölpreis tendenziell höher ist), die andererseits aber auch anfällig für einen globalen Konjunktureinbruch sei. Eine neuerliche globale Rezession (so wie 2008) würde wahrscheinlich nicht nur den Ölpreis nach unten drücken, sondern auch die Krone gegenüber dem Euro abwerten lassen.

          Als wichtig für die Entwicklung der norwegischen Landeswährung erwies sich zuletzt aber auch immer wieder der Stand bei der EU-Schuldenkrise. Denn wie Hofstätter erklärt, führt die derzeitige Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern bei manchen Anlegern zu einem Vertrauensverlust in den Euro und in weiterer Folge zu einer Veranlagung in alternative Währungen. Davon habe 2011 bis dato insbesondere der Schweizer Franken profitiert. Aber auch die Krone dürfte durch zusätzliche Kapitalzuflüsse aus dem Euroraum zu den Profiteuren dieser Krise zählen. Bei einer weiteren Eskalation der Euro-Schuldenkrise könnte die Krone deshalb zumindest kurzfristig gegenüber dem Euro aufwerten. Bei einer nachhaltigen Entspannung in der Euro-Schuldenkrise könnte es dagegen zu einer Abwertung der Krone zum Euro kommen, mutmaßt Hofstätter.

          Fehlende Markttiefe begünstigt volatile Kursausschläge

          Daneben profitiere die Krone selbstverständlich auch von strukturell unterstützenden Faktoren wie die stabilen Fundamentaldaten Norwegens. Von Vorteil ist hier insbesondere, dass sowohl der Staatshaushalt als auch die Leistungsbilanz kontinuierlich Überschüsse ausweisen (siehe Grafiken). Hinzu komme auch noch ein zugunsten der Krone bestehender Zinsvorteil. In den vergangenen Jahren lag das Zinsniveau in Norwegen jedenfalls deutlich über dem Zinsniveau der Eurozone (siehe Grafiken). Der mit rund 3 Prozent gegenüber 1,5 Prozent im Vergleich zum Euro derzeit höhere 3M-Zinssatz der Krone stützt laut Hofstätter den Wechselkurs der Krone. Weite sich diese Zinsdifferenz weiter aus, wäre das tendenziell vorteilhaft für die Krone. Eine Einengung dieser Zinsdifferenz würde die Krone dagegen eher abwerten lassen. Wobei dieser Effekt aber voraussichtlich von der Entwicklung des Ölpreises überschattet würde, wie Hofstätter einschränkend ergänzt.

          Zu beachten sei aus Anlegersicht zudem auch noch die relativ geringe Größe des Währungsmarktes in der Krone. Wegen der fehlenden Größe sei die Krone potenziell anfällig für heftige Ausschläge, falls sich die Marktmeinung der Investoren rasch ändert. Relativ große Kapitalzuflüsse oder -abflüsse in oder aus der Krone würden beim Wechselkurs der Krone zu recht heftigen Kursbewegungen führen, gibt Hofstätter zu bedenken.

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