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Devisen : Geldzustrom lindert die Dollarschwäche etwas

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Die Tic-Data helfen dem Dollar am Dienstag wieder etwas auf die Beine. Der überraschende starke Geldfluß nach Amerika im November ändert allerdings nichts an den ausufernden Ungleichgewichten.

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          und von offensichtlich wieder auflebenden Nettokapitalströmen nach Amerika geprägt, auf der anderen Seite könnte der enttäuschend ausgefallene Empire State Index und der wieder anziehende Ölpreis dämpfend wirken.

          Während die Wallstreet die enttäuschenden Nachrichten tendenziell ignoriert und nach anfänglichen Kursverlusten freundlich tendiert, konnte sich der Dollar in den vergangenen Stunden sowohl gegen den Euro als auch den Yen deutlich erholen. Lag er am Montag im Tagestief bei 101,68 Yen, so liegt er am Dienstag am späten Nachmittag bei 102,61 Yen. Waren am Montag im Tageshoch 1,3128 Dollar nötig, um einen Euro zu erwerben, so sind es am Dienstag noch 1,2035.

          Überraschend starker Geldstrom nach Amerika im November ...

          Hintergrund sind Spekulationen darauf, daß die Aussicht auf rasch und deutlich steigende Zinsen in Amerika dem Dollar wieder auf die Beine helfen könnten, nachdem er in den vergangenen Jahren unter der Kombination tiefer Zinsen mit massiv auflaufenden makroökonomischen Ungleichgewichten zu leiden hatte.

          Diese Argumentation der unverbesserlichen Dollaroptimisten wird am Dienstag unterstützt durch die so genannten Tic-Data. Sie zeigen an, wie viele amerikanische Wertpapiere von internationalen Anlegern netto erworben werden. Nach vergleichsweise schwachen Zahlen in den Vormonaten lagen die Nettomittelzuflüsse im November bei 81 Milliarden Dollar. Vor allem die amerikanischen Aktien scheinen auf vergleichsweise starkes Interesse gestoßen zu sein. Denn die ausländischen Anleger stockten ihre Bestände im November um 14,5 Milliarden Dollar auf. Das ist etwa das Siebenfache der durchschnittlichen Summe der zwölf Monate davor.

          Der Zufluß von 81 Milliarden Dollar lag deutlich über den Erwartungen. Denn Analysten hatte im Mittel mit einem Betrag von 58,5 Milliarden Dollar gerechnet. Solche Zahlen dürften von Dollaroptimisten aufgegriffen werden. Sie haben schon in der Vergangenheit immer wieder argumentiert, die amerikanischen Defizite - Haushalt und Leistungsbilanz - seien kein Problem, da sie sich auch längerfristig finanzieren ließen. Allerdings konnten solche Argumente nicht verhindern, daß der Dollar vor allem gegen den Euro massiv an Boden verloren hat.

          ... kann die grundlegenden Ungleichgewichte nicht beseitigen

          Angesichts des massiven Kapitalbedarfs Amerikas und der bisher ungebrochenen Tendenz zur Ausweitung der Defizite, rechnet bisher eine große Mehrheit im Markt mit einer weiteren Abwertung des Dollars und dürfte einsprechend positioniert sein. Aus diesem Grund sind auch deutlichere Gegenbewegungen nicht ausgeschlossen. Denn sollten spekulative Marktteilnehmer größeren Stile darauf setzen, könnten sie unter Umständen weitere Dollarkäufe auslösen, wenn bestimmte kritische Marken überschritten werden. Denn viele, die noch auf einen steigenden Yen und Euro setzen, würden dann ihre Positionen drehen und mit den Wölfen heulen.

          Allerdings ist der Dollar trotz sehr wahrscheinlich steigender Zinsen längst nicht aus dem Schneider. Denn die tiefe Sparquote des Landes, die bisher rasch und stark zunehmenden Staatsschulden und auch durch ein hohes Handelsbilanzdefizit sprechen gegen ihn. Es stellt sich auch die Frage, wie die amerikanische Wirtschaft mit steigenden Zinsen zurechtkommen wird. Bisher hatte sie vor allem auch von der Dynamik fallender Zinsen profitiert. Nun dreht sich diese Dynamik um.

          Kurzfristig dürfte es entscheidend sein, ob es dem Greenback gelingt, wichtige charttechnische Hürden zu überwinden. Sollte er beispielsweise unter 1,30 Dollar fallen, folgten die weiteren Unterstützungszonen bei 1,2938 Dollar und dann bei knapp über 1,28 Dollar je Euro. In diesem Fall wäre der Weg wohl frei bis in eine Region von 1,25 Euro je Dollar. Das würde allerdings noch lange nicht heißen, der Dollar könnte langfristig aufwerten. Denn dazu sind in Amerika deutliche Ausgaben nötig und die Aussicht, auf eine Stabilisierung der Handelsbilanz. Beides ist im Moment nicht absehbar.

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