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Devisen : Forint knabbert zum Euro am Aufwertungstrend

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt die Entwicklung des Forint gegen den Euro in den vergangenen Jahren Bild:

Der ungarische Forint steht wieder einmal leicht unter Druck, hat aber den Aufwertungstrend noch nicht gebrochen. Die schwache Wirtschafts- und Finanzpolitik und Zinssenkungsphantasie sprechen eigentlich gegen die Währung.

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          In den letzten Monaten des vergangenen Jahres gab es an den Devisenmärkten wieder einmal leicht identifizierbare Trends. Sie verstärkten sich im dünnen Feiertagshandel zum Teil zunächst noch, da manche Marktteilnehmer offensichtlich die Gelegenheit wahrnahmen, den leicht zu bewegenden Markt auch tatsächlich zu bewegen.

          Da nun die Feiertage vorbei und immer mehr Marktteilnehmer nach dem Urlaub wieder an den Arbeitsplatz zurückgekehrt sind, kommt es zu zum Teil deutlichen Gegenbewegungen. Sie mögen zunächst technisch bedingt sein, möglicherweise zeichnen sich allerdings auch schon Ansätze neuer Entwicklungen ab.

          Forint kurzfristig wieder einmal leicht in der Defensive...

          Beispielsweise im Verhältnis des ungarischen Forints zum Euro und zum Dollar. Er steht kurzfristig unter Druck. Dabei hatte die Währung des neuen EU-Staates gegen den Dollar Ende des Jahres 2000 einen Aufwertungstrend etabliert, der von 317,56 Forint je Dollar bis auf ein Tief von 180,126 Forint je Dollar im Dezember des vergangenen Jahres führte. Das Bild gegen den Euro sieht weniger eindeutig aus, denn hier gab es im Jahr 2003 einige Turbulenzen. Der Forint wertete gegen die Einheitswährung in zwei Schritten zum Teil deutlich ab bis auf 272,755 Forint je Euro im Dezember des Jahres 2003. Danach konnte die Währung allerdings wieder einen Aufwertungstrend etablieren, der bis auf 243,51 Forint führte.

          Der Chart zeigt die Entwicklung des Forint gegen den Dollar in den vergangenen Jahren

          Hintergrund für die langfristige Entwicklung gegen die amerikanische Währung war einerseits die Dollarschwäche. Auf der anderen Seite spielten sicherlich auch die EU-Konvergenz und die dadurch ausgelösten Kapitalströme aus dem Ausland nach Ungarn eine Rolle. Vor allem letztere dürften den Forint im vergangenen Jahr beflügelt haben. Denn in Ungarn lassen sich im Vergleich mit dem internationalen Umfeld noch sehr hohe Renditen mit zinstragenden Papieren erzielen.

          Fundamental spricht nicht sehr viel für die Währung. Denn das Land tut sich zumindest bisher schwer damit, eine solide Wirtschafts- und Finanzpolitik zu machen. Eine solche wiederum ist die Voraussetzung dafür, daß das Land sich irgendwann auch dem Euro anschließen könnte. Das wäre aus zwei Aspekten erstrebenswert. Denn erstens würde sich diese Weise die Investitionssicherheit im Land verbessern, da nachteilige Wechselkurseffekte und damit verbundene Kosten nicht mehr berücksichtigt werden müßten. Auf der anderen Seite würden sich sehr wahrscheinlich die Zinsen nach unten anpassen. Tiefere Zinsen könnten die Wirtschaft stimulieren.

          Schwache Wirtschafts- und Finanzpolitik - Zinssenkungsphantasie

          Darauf scheint die Regierung unter Premierminister Ferenc Gyurcsany großen Wert zu legen. Denn er hat ein Gesetz verabschieden lassen, das das zinsbestimmende Gremium der Zentralbank vergrößert. Es wird vermutet, das Ziel bestehe darin, das Gremium so zu ändern, daß es eher zu Zinssenkungen tendiert als in der Vergangenheit. Zumindest sollte die Diskussion über die Ernennung der neuen Mitglieder dazu führen, daß entsprechende Argumente stärker wahrgenommen würden.

          Hintergrund ist die Tatsache, daß die bisher unabhängige Zentralbank in den vergangenen Jahren unter anderem auf Grund der relativ unsoliden Wirtschafts- und Finanzpolitik des Landes restriktiv. Das stößt nicht nur in Ungarn, sondern auch in vielen anderen verkrusteten Staaten - beispielweise Deutschland - bei Politikern auf Widerstand. Denn statt die längst überfälligen und dringend notwendigen, aber unpopulären Strukturreformen anzugehen, versuchen sie eher den populistischen Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und die Geldpresse anzuwerfen.

          Dabei schwächelt das Wachstum und hat die Zentralbank schon im Dezember dazu gebracht, den Leitzins von zehn auf 9,5 Prozent zu senken. Und das, obwohl das Land ein im Trend zunehmendes Haushaltsdefizit verbucht und auch das Leistungsbilanzdefizit im Trend vergrößert. Alles zusammen spricht an und für sich gegen den Forint. Mit den aktuellen Kursverlusten knabbert die Währung zumindest gegen den euro am mittelfristigen Aufwertungstrend. Sollte er in Verbindung mit anhaltenden Zinssenkungsspekulationen brechen, könnte es wieder einmal zu einem Kursrutsch kommen.

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