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Devisen : Euro fällt auf Elf-Monats-Tief

  • Aktualisiert am

Bulle und Bär Bild: dapd

Die Schuldenkrise drückt weiter auf die Stimmung der Anleger. Die Aktienkurse geben nach. Der Euro sinkt unter die Marke von 1,30 Dollar und ist damit so billig wie seit elf Monaten nicht mehr.

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          Das Management der Euro-Krise sorgt weiterhin für reichlich Frust unter den Dax -Anlegern. "Die europäischen Institutionen betonen immer wieder nachdrücklich, was sie nicht gewillt sind, zu tun. Den Markt belastet dabei die Tatsache, wie wenig sie zu riskieren bereit sind", sagte Kit Juckes, Chef-Devisenanalyst der Societe Generale. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich am Mittwoch erneut gegen die Anhebung der Haftungsobergrenze des dauerhaften Euro-Rettungsschirms ESM aus. Am Vortag hatte sie mit ähnlichen Aussagen bereits die Märkte auf Talfahrt geschickt. Der Dax fiel am Mittwoch um 1,5 Prozent auf 5686 Zähler, der EuroStoxx rutschte um 1,9 Prozent ab. Der Euro war mit bis zu 1,2964 Dollar so billig wie seit elf Monaten nicht mehr.

          Nervös stimmt die Investoren zudem, dass S&P wegen der anhaltenden Schuldenkrise erneut vor einer Herabstufung von Staaten und Banken in Europa gewarnt hat. Auf der Liste für ein potenzielles Downgrade stünden inzwischen 25 staatliche Schuldner und 42 Banken aus Europa, teilte die US-Ratingagentur mit. "Die Krisen-Situation in Europa legt sich wie ein dunkler Mantel über die ganze Welt", sagte Thomas Lam, Volkswirt bei OSK-DMG in Singapur.

          Unsicherheit treibt Anleger in Bundesanleihen

          Gefragt waren einmal mehr die gern als sicherer Hafen angesteuerten Bundesanleihen. Die Kurse stiegen, entsprechend fielen die Renditen auf bis zu 1,950 Prozent nach 2,029 Prozent im Schlussgeschäft vom Dienstag. "Niemand weiß, wie schlimm die nächsten Monate werden, da suchen die Anleger nach einem Fels in der Brandung", sagte ein Händler. Entsprechend interessierten sich auch mehr Investoren für die Emission zweijähriger Bundesanleihen als bei der vorangegangenen Auktion. Gleichzeitig ging die Durchschnittsrendite zurück.

          Italien musste Anlegern für seine fünfjährigen Bonds zwar mit 6,47 Prozent rekordhohe Zinsen anbieten. Das hoch verschuldete Land konnte aber das gesamte angepeilte Volumen von drei Milliarden Euro platzieren. "Die Renditen liegen weiterhin auf sehr hohen Niveaus, aber immerhin hat es diesmal nicht einen solch sprunghaften Anstieg wie bei den vorangegangen Auktionen gegeben", sagte ING-Analyst Alessandro Giansanti. "Vielleicht ist das der Anfang einer Stabilisierung der Zinsen." Bei den zehnjährigen Anleihen Italiens war davon allerdings noch nichts zu spüren: Die Rendite näherte sich mit bis zu 7,217 Prozent wieder den Anfang November erreichten Rekordmarke von 7,5 Prozent.

          Chinesische Strafzölle drücken Autobauer

          Am deutschen Aktienmarkt standen vor allem die Autowerte im Rampenlicht. Die Ankündigung chinesischer Strafzölle auf in Amerika gebaute Autos drückte die Papiere ins Minus. BMW, Volkswagen und Daimler verloren.  Der europäische Branchenindex verbuchte von allen Sektorindizes die größten Verluste und rutschte um rund 3 Prozent ab. Dem chinesischen Handelsministerium zufolge werden für Fahrzeuge der großen US-Hersteller General Motors, Ford und Chrysler sowie für ausländische Produzenten mit Werken in den USA Zusatzabgaben in Höhe von zwei bis 21,5 Prozent fällig.

          Im Blick hatten die Investoren auch die Versicherer, nachdem die Rating-Agentur Fitch die Bonität von Generali und einigen italienischen Mitbewerbern gesenkt hatte. Generali verloren an der Mailänder Börse drei Prozent. Konkurrent Allianz aus dem deutschen Leitindex büßte rund 1 Prozent ein.

          Als eine der wenigen Dax-Werte im Plus hielten sich die Aktien der Commerzbank mit einem Aufschlag von rund 6 Prozent. Händlern zufolge gaben die Pläne zur Reaktivierung des deutschen Bankenrettungsfonds SoFFin den Papieren Auftrieb. Der entscheidende Punkt des Gesetzentwurfes sei die Tatsache, dass Banken künftig Staatsanleihen in eine Bad Bank unter dem Dach des SoFFin auslagern könnten, sagte ein Börsianer. In der ersten Auflage des SoFFin von 2008 bis 2010 war das nur für toxische Wertpapiere möglich.

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