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Devisen : Der Rand ist noch nicht aus dem Schneider

  • Aktualisiert am

Ungewisse Entwicklung in Südafrika Bild: dpa

Der Südafrikanische Rand hat sich von seinen Tiefständen etwas erholt, aber eine Trendwende ist trotz Zinserhöhung noch nicht in Sicht.

          2 Min.

          Mit einem Verlust von 44 Prozent kam die Südafrikanische Währung im Verhältnis zum Dollar im vergangenen Jahr kräftig unter die Räder. Der Wertverfall schien immer dynamischer zu werden, bevor er Ende des Jahres 2001 abrupt stoppte und sich von 13,48 Rand pro Dollar sogar wieder um zwölf Prozent erholte. Auf diesem Niveau um zwölf Rand scheint sich die Währung nun zumindest vorerst halten zu können.

          Die Südafrikanische Regierung scheint diese „Stabilisierungsanzeichen“ nutzen und mit einer Zinserhöhung um einen Prozentpunkt auf 10,5 Prozent am 15. Januar unterstützen zu wollen. Sie trifft aber damit nicht unbedingt auf Gegenliebe im Markt. Die Bank- und Einzelhandelsaktien gerieten massiv unter Druck, der Rand verlor 2,2 Prozent und die Rendite der im Jahr 2005 fälligen Staatsanleihe mit einem Kupon von zwölf Prozent stieg um 81 Basispunkte auf 11,26 Prozent, nach dem sie sich von knapp 13 Prozent im Dezember wieder erholt hatte.

          Iraj Abedian, Chefvolkswirt der Standard Chartered Bank, kommentiert die Entscheidung so: „Es ist ein Schock für das System, niemand hat diesen Schritt erwartet. Der Markt war von unveränderten Zinsen ausgegangen.“

          Zinserhöhung gefährdet das Wachstum

          Er glaubt nicht, dass die Zinserhöhung tatsächlich etwas bewirken wird. Diese wirke nur dann gegen steigende Preise, wenn die Preissteigerung auf hohen Konsum zurück zu führen ist, nicht jedoch auf eine schwächer werdende Währung. Die massive Abwertung verteuert die Importe und gefährdet das Inflationsziel von drei bis sechs Prozent für das Jahr 2002.

          „Schon die Abwertung hat das Vertrauen in die Wirtschaft unterminiert, die Zinserhöhung wird diesen Effekt noch verstärken“, sagt Abedian. „Die Zinsen zu erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen und dabei die Risiken für das Wachstum zu ignorieren - das ist ein sehr gefährlich“, sagt Colen Garrow von Brait Securities. Nach seiner Meinung könnte das den Rand weiter unter Druck bringen, da die Marktteilnehmer vor allem auf das Wachstum schauen. Denn das könnte auf Grund steigender Zinsen weiter zurück gehen. Es war schon vom Jahr 2001 auf 2001 von 3,1 Prozent auf 2,6 gefallen.

          Sollte der Markt die Zinserhöhung tatsächlich als Versuch werten, die Währung zu stabilisieren, dann könnte der Schuss nach hinten losgehen. Denn der Markt will Wirtschaftswachstum sehen und nicht steigende Zinsen. Auch politische Turbulenzen im Nachbarland Zimbabwe oder die denkbare Einführung von Kapitalverkehrskontrollen könnten die Währung weiterhin belasten.

          Hoffnung auf Stablisierung ist trügerisch

          Kurzfristig dürften die Marktteilnehmer allerdings auf Basis der starken Kursverluste der Währung im vergangenen Jahr mit spekulativen Verkaufen eher vorsichtig agieren. Sollten die Exportunternehmen dazu gebracht werden, die Dollarerlöse regelmäßiger und schneller als bisher zu repatriieren, so könnte das den Rand zusätzlich etwas stabilisieren. Sollte auch die Weltwirtschaft wieder etwas mehr Dynamik entfalten und zu steigenden Rohstoffpreisen führen, wäre das ebenfalls positiv für die Währung.

          Nichts desto trotz bleibt ein gewissen Maß an Skepsis. Zu unberechenbar erscheint die Südafrikanische Politik zu sein. Privatisierungsvorhaben werden nicht oder nur zögerlich umgesetzt, die politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Simbabwe halten an und im Hintergrund schwebt weiterhin die Argentinienkrise. So sehen die Analysten der RZB aus Wien nach der technischen Erholung der vergangenen Tage immer noch eine leichte Abwertungstendenz beim Rand.

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