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Devisen : Carry Trades gegenwärtig auf dem Rückzug

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Bild: FAZ.NET

Lange Zeit ist nur darüber fabuliert worden, die so genannten Carry Trades seien zu strapaziert geworden und harrten einer Korrektur, nun scheint sich im Rahmen der laufenden Korrektur an den Börsen zumindest in Ansätzen abzuzeichnen.

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          Lange Zeit ist nur darüber geredet und fabuliert worden, die so genannten Carry Trades seien zu strapaziert geworden und harrten einer Korrektur, nun scheint sich im Rahmen der laufenden Korrektur an den Börsen zumindest in Ansätzen abzuzeichnen.

          So haben die Tiefszinswährungen Yen und Schweizer Franken in den vergangenen 14 Tagen gegen den an sich schon relativ starken Euro um zwei und um ein Prozent aufgewertet und auf diese Weise zumindest einen Teil der vorhergehenden Schwäche wettgemacht. Die Schwäche war nicht etwa aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche der relevanten Staaten entstanden, sondern sie resultierte in erster Linie aus den internationalen Zinsdifferenzen.

          Carry Trades griffen immer weiter um sich ...

          Diese verführten immer mehr Anleger dazu, sich in den Regionen mit tiefen Zinsen zu verschulden, um die aufgenommenen Mittel in höher verzinslichen Märkten oder gar an den boomenden Börsen weltweit zu investieren. Diese Strategie geht so lange auf, so lange die Märkte nach oben laufen, die Zinsdifferenzen bestehen bleiben und so lange vor allem auch die Währungen sich nicht in die falsche Richtung bewegen.

          In Zeiten der extrem gering gewordenen Volatilitäten waren solche Strategien deswegen reizvoll, da sie von Risikomodellen nicht aufgrund dieser Tatsache nicht als riskant gewertet wurden. Das dürfte sich nun allerdings geändert haben, sind doch die Volatilitäten inzwischen deutlich angestiegen. Der VDax New, er misst die impliziten Volatilitäten, die von den Händlern bei der Bewertung von Aktien- und Indexoptionen an der Eurex verwendet werden, liegt am Donnerstag bei 21,7 Prozent und damit satte 60 Prozent über dem Niveau der vergangenen Woche. Der VIX, der Chicago Board Options Exchange SPX Volatility Index, legte in den vergangenen Tagen um bis zu 82 Prozent zu von zehn Prozent noch in der vergangenen Woche auf bis zu 18,3 Prozent am Mittwoch. Gleichzeitig haben auch die Volatilitäten an den Währungsmärkten zu genommen.

          Zusammen genommen dürfte das einige Marktteilnehmer über den so genannten Value-at-risk-Mechanismus, der die Risikoposition unter anderem über die Volatilitäten bewertet, dazu zwingen, entsprechende Positionen zu reduzieren. Die dadurch ausgelösten Transaktionen können für weitere Turbulenzen sorgen und zu einem erhöhten „Volatilitätssockel“ führen. In diesem Sinne kann sich die Korrektur unter Umständen noch eine Weile hinziehen.

          ... scheinen nun allerdings wenigstens temporär „zurückgedreht“ zu werden

          Solche Phänomene wirken sich auch auf die Währungsseite aus. Während sich die niedrig verzinslichen Währungen von den jüngsten Schwächen erholten, gerieten die höher verzinslichen Währungen und jene der Schwellenländer in die Defensive. So hat der südafrikanische Rand in den vergangenen 14 Tagen gegen den Euro rund drei Prozent an Wert verloren, der brasilianische Real gab ebenfalls rund drei Prozent nach, gefolgt von der türkischen Lira, dem mexikanischen, dem kolumbianischen und dem chilenischen Peso und nicht zuletzt dem kanadischen und dem Neuseeland-Dollar. Das zeigt, dass hier tatsächlich eine gewisse Bereinigung stattzufinden scheint.

          Wie lange diese Tendenz anhalten kann, wird sich noch zeigen müssen. Sollten die Anleger ihren Optimismus wieder zurückholen und risikofreudiger werden, kann die Neigung zu entsprechenden Strategien rasch wieder aufleben und die kurzfristigen Trends ad absurdum führen. Sollte sich der Konjunkturpessimismus mit Blick auf die Vereinigten Staaten, der vor allem vom einer starken Revision des Wachstums im vierten Quartal des vergangenen Jahres nach unten, schwachen Auftragseingängen und einer anhaltenden Krise im Häusermarkt ausgelöst wurde, bestätigen, so hätte das entsprechende Auswirkungen weltweit. Dann dürften auch die Korrekturen noch nicht abgeschlossen. Immerhin sind die asiatischen Währungen - vor allem der Yen gegen den Euro - noch deutlich unterbewertet.

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