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Devisen : Britische Notenbanker werden zahm

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Bewegung kündigt sich beim Pfund an Bild: AP Photo/Max Nash

Mit einem schwächeren Pfund rechnet die Schweizer Bank Sarasin. Denn bei der Bank of England habe man zuletzt mildere Töne angestimmt.

          Seit nunmehr einem halben Jahr pendelt das Britische Pfund in einer engen Range zwischen 0,6050 und 0,6360 Pfund je Euro. Allerdings wird die Schwankungsbreite zunehmend enger, was einen bevorstehenden Ausbruch nicht unwahrscheinlich macht.

          Nach Einschätzung der Schweizer Bank Sarasin dürfte sich das Pfund abschwächen. Denn in der Notenbank habe man überraschend zahme Töne angeschlagen. Dies deutet darauf hin, dass die Briten bereit sind, einen leichteren Außenwert ihrer Währung in Kauf zu nehmen.

          Notenbank im Dilemma

          Die britische Geldpolitik steht vor dem Problem, dass vom robusten Dienstleistungssektor Inflationsgefahren ausgehen und somit ein restriktiver Kurs angebracht ist. Dies hat die Zentralbanker davon abgehalten, die Zinsen noch weiter zu senken. Das verarbeitende Gewerbe leidet dagegen unter der weltweiten Rezession und dem robusten Britischen Pfund, eine expansive Geldpolitik zur Überbrückung der Konjunkturflaute wäre hier wünschenswert.

          „Die Notenbank dürfte das Dilemma kurzfristig durch ein schwächeres Pfund gegenüber dem Euro lösen“, meint Analyst Jan Amrit Poser vom Bankhaus Sarasin. Der Devisenexperte Poser sieht den Euro somit bereits im zweiten Quartal von derzeit 0,6105 Britischen Pfund auf 0,63 Pfund steigen. Durch ein schwächeres Pfund wäre zunächst dem Verarbeitenden Gewerbe geholfen, das dadurch wieder wettbewerbsfähiger werde. Zugleich dürfte die sehr starke heimische Nachfrage, die Inflationsgefahren birgt, einen Dämpfer erhalten.

          Beitritt zur Währungsunion entscheidend

          Die Lücke zwischen dem robusten Konsum und schwachen Produktion dürfte sich damit in den nächsten Monaten schließen. Die Gefahr ist natürlich, dass die heimische Nachfrage abgewürgt wird, ohne dass sich die Industrieproduktion erhöht und statt dessen eine steigende Arbeitslosigkeit den Konsum dämpft. „Wir aber denken, dass die weltweite Konjunkturerholung die Exporte stärkt, während eine rückläufige Nachfrage Inflationsgefahren abbaut. Unterstützt dürfte diese Bewegung durch ein schwächeres Pfund werden“, meint Analyst Poser.

          Mittelfristig dürfte die Entwicklung des Pfundes dagegen vom Beitritt zur Währungsunion abhängen. Hier gehen die Beobachter davon aus, dass Großbritannien zu Wechselkursen von 0,65 bis 0,68 Pfund je Euro sich der kontinentaleuropäischen Einheitswährung anschließen wird. Ein Referendum könnte bereits im Mai 2003 auf der Agenda stehen. Daher rechnet die Bank Sarasin auch damit, dass das Britische Pfund in einem Jahr bei 68 Pence je Euro notiert.

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