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Devisen : Bank of Canada nimmt „Loonie“ Kursphantasie

  • Aktualisiert am

Der Chart zeigt die Parität Euro-Kanadischer Dollar („Loonie”). Bild:

Monatelang wertete der kanadische Dollar gegenüber dem Dollar und dem Euro auf - doch nun sieht es nach einem Trendbruch aus. Zumal die Bank of Canada wider Erwarten den Leitzins nicht erhöht und Kursphantasie zerstört hat.

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          Ein Leitzins- und Renditevorsprung eines Landes nützt in vielen Fällen der nationalen Währung - zumindest solange die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen vorhanden ist. So hat das Pfund im Jahresverlauf gegenüber dem Euro aufgewertet, bevor es den Rückwärtsgang einlegte. Auch der polnische Zloty legte zu, ebenso der kanadische Dollar. Noch im November gewann er gegenüber dem Euro und dem Dollar an Boden - doch seit etwas mehr als einer Woche ist es damit vorbei.

          Am Dienstag hat die Bank of Canada ihrem „Loonie“ zusätzlich einen Dämpfer verpaßt. Die Währungshüter haben nicht an der Zinsschraube gedreht, obwohl Volkswirte in der Regel mit einer Zinserhöhung gerechnet hatten. Im Zuge der jüngsten Kursverluste ist der Kanada-Dollar im Vergleich zum Euro aus dem seit dem Frühsommer aufgebauten Aufwertungstrend gerutscht, und zwar deutlich.

          Gegenüber der amerikanischen Devise ist der positive Trend noch intakt, obwohl sich der „Loonie“ von gut 85 amerikanischen Cents auf 82,2 Cents verbilligt hat; bei einem Fall unter die Marke von 80 Cents wäre das vorteilhafte Chartbild aber passé.

          Abkehr von bisherigen Aussagen...

          Die Bank of Canada hat den Leitinssatz bei 2,5 Prozent belassen. Mithin bleibt der Zinsvorsprung gegenüber dem großen Nachbarn und wesentlichen Handelspartner bei 0,5 Prozentpunkten. Zwar wächst die kanadische Wirtschaft den Erwartungen der Zentralbank entsprechend. Aber die Kerninflation liege unter dem Inflationsziel von zwei Prozent. Und die Aufwertung des „Loonie“ gegenüber Dollar und Euro dämpfe die Exporttätigkeit und damit die realwirtschaftliche Aktivität, begründete die Bank ihren Zinsbeschluß.

          Sie sieht als Hauptrisiko für eine fortgesetzte Aufwertung der eigenen Währung im Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten und dem damit einhergehenden Kursverfall des Greenback. Deshalb will die Bank of Canada die Wechselkursentwicklung genau beobachten, wie sie weiter mitgeteilt hat.

          Noch im Oktober, als sie den Leitzinssatz um 0,25 Prozentpunkte erhöhte, hatte die Bank of Canada mit einem verstärkten Preisauftrieb gerechnet. Die nationale Wirtschaft arbeite an ihrer Kapazitätsgrenze. Deshalb müsse sie den Zinserhöhungszyklus fortschreiben, so die Währungshüter seinerzeit.

          ...sorgt für Kritik von Volkswirten

          Daß der erwartete Zinsschritt ausgeblieben ist, sorgt bei Volkswirten für Stirnrunzeln: „Man fragt sich, ob man der Einschätzung der kanadischen Notenbank wirklich noch trauen kann. Denn sie fährt einen Schlingerkurs“, heißt es in einer aktuellen Kommentar der Deka-Bank. Die Probleme bei der Rückführung des amerikanischen Leistungsbilanzdefizits, der Unwillen der Asiaten, ihre Währungen aufzuwerten, und der daraus folgende Aufwertungsdruck auf den „Loonie“ seien seit längerem bekannt. „Die Stellungnahme der Bank of Canada war wahrscheinlich so zurückhaltend, wie sie nur sein konnte“, meinte Steven Butler, Devisenhändler bei Scotia Capital in Toronto, laut Bloomberg News.

          So hat die Bank of Canada den Zeitplan für weitere mögliche Zinserhöhungen ausgedehnt. „Wir erwarten vor diesem Hintergrund, daß die Notenbank die Zinsen frühestens im zweiten Halbjahr 2005 erhöhen wird“, heißt es bei der Deka-Bank, die keine weitere Aufwertung des „Loonie“ bis dahin erwartet.

          Für diese Sicht der Dinge spricht zum einen die frisch zerstörte Zinsphantasie, zum zweiten die Ankündigung der amerikanischen Notenbank Fed, die Zinsen weiter zu erhöhen. Dadurch schrumpft der Zinsvorsprung Kanadas. Im Zweifelsfall könnte die Bank of Canada sogar niedrigere Zinsen in Betracht ziehen, falls der Greenback trotz höherer Zinsen weiter abwerten und der Preisauftrieb in Kanada sich in Grenzen halten sollte. Diese Möglichkeit spricht wie der kurzfristige Trend für einen tendenziell schwächeren Kanada-Dollar.

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