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Devisen : Australischer Dollar verliert den Flair

  • Aktualisiert am

Kursfeuerwerk beim „Aussie-Dollar” vorbei? Bild: AP

Der Neuseeland-Dollar zeigt sich gegen Euro und Dollar schwach. Nun scheinen auch andere Währungen des „Commodity-Blocks“ zu folgen, insbesondere der australische Dollar. Kann ihn die Nachfrage nach Rohstoffen mittelfristig stützen?

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          Hatten die so genannten „Commodity-Währungen“ in den vergangenen Monaten aufgrund des Rohstoffbooms, aber auch ihres Zinsvorteils in der Gunst der Anleger weit vorne gelegen, so scheint sich das in den vergangenen Tagen geändert zu haben.

          Der Neuseeland-Dollar ist in den vergangenen Tagen deutlich in die Defensive geraten und sieht sowohl gegen den amerikanischen Dollar als auch gegen den Euro angeschlagen aus. Schuld daran dürfte neben der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung und die im Verhältnis zum Sozialprodukt relativ großen außenwirtschaftlichen Defizite des Landes mögliche Zinssenkungen sein, der eine gewisse Zinserhöhungsphantasie in Amerika und Europa gegenübersteht.

          Australischer Dollar gibt gegen Euro und Greenback nach

          Nun scheinen auch die anderen Währungen des „Commodity-Blocks“ zu folgen, insbesondere der australische Dollar. Seit Anfang März zählt er gegen den Euro nach dem Neuseeland-Dollar zu den schwächsten Währungen gegen den Euro, gefolgt vom mexikanischen Peso, den kanadischen Dollar, dem südafrikanischen Rand und nicht zuletzt auch dem brasilianischen Real.

          Hintergrund ist einerseits die Wahrnehmung, daß sich die Zinssituation in Australien aufgrund der verhaltenen Entwicklung im Konsum- und Immobilienbereich in absehbarer Zeit kaum verändern dürfte, während die Raten in Europa, Amerika und auch in anderen Staaten tendenziell eher steigen dürften. Mit einer Rendite von 5,265 Prozent bei Staatsanleihen mit einer zehnjährigen Laufzeit und einer Rendite von 5,61 Prozent bei Staatspapieren mit einer kurzen Laufzeit von drei Monaten scheint der Zinsvorsprung australischer Zinspapiere zwar im internationalen Vergleich zwar immer noch sehr komfortabel und vergleichsweise attraktiv zu sein.

          Allerdings können selbst solche Zinsdifferenzen bei aufkommender Dynamik am Währungsmarkt schnell überkompensiert werden. Was nützt etwa ein Zinsvorsprung von zwei oder gar drei Prozent, wenn der internationale Anleger auf der Währungsseite innerhalb von drei Wochen fünf Prozent verliert? Aus diesem Grund kann sich mit Blick auf die knapper werdende Liquidität im internationalen Rahmen und möglichen Absicherungsstrategien zumindest kurzfristig eine gewisse Eigendynamik gegen den australischen Dollar entwickeln, die sich psychologisch auch mit dem Blick auf die Schwäche des Neuseeland-Dollars ableiten lassen mag.

          Dazu kommen die technisch angeschlagene Situation - Ausbruch aus dem Konsolidierungstrend gegen den amerikanischen Dollar und angegriffener Aufwertungstrend gegen den Euro - und der negative Saldo in der Außenbilanz, der in den vergangenen drei Jahren trotz der starken Nachfrage nach Rohstoffen aus Australien deutlich und im Trend zugenommen hat. Das Leistungsbilanzdefizit belief sich zum Ende des vergangenen Jahres auf 14,447 Milliarden australische Dollar.

          Nachfrage nach Rohstoffen als mittelfristige Stütze?

          Mittel- und langfristig würden Strategen solche Kennzahlen jedoch nicht überbewerten. Denn sie rechnen zumindest bei einem anhaltend freundlichen weltwirtschaftlichen Klima mit vergleichsweise hohen Rohstoffpreisen und mit einer nachhaltigen Nachfrage. Aus diesem Grund betrachten sie den australischen Dollar mittel- und langfristig relativ positiv und halten ihn teilweise sogar für unterbewertet.

          Insgesamt dürfte die weitere Entwicklung des australischen Dollars von den Zinserwartungen in Amerika und Europa und von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Sollten die Zentralbanken in diesen Regionen die Zins- und Liquiditätsschraube weiter anziehen, könnte der australische Dollar kurzfristig weiter korrigieren. Sollte sich gar die weltwirtschaftliche Dynamik etwas abschwächen und zu einer Korrektur an den Rohstoffmärkten führen, könnte das diese Impulse sogar vorübergehend verstärken. Anders sähe es aus, wenn sich die Weltwirtschaft und die Nachfrage nach Rohstoffen robust zeigen würde.

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