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Devisen : Aussie-Dollar gegen den Greenback auf Zehn-Jahreshoch

  • Aktualisiert am

Bild: RBS, RBA

Lief der australische Dollar in den vergangenen Monaten gegen den amerikanischen Dollar zunächst seitwärts, so ist er nun nach oben ausgebrochen. Zinserhöhungserwartungen geben ihm auch gegen den Euro einen gewissen Rückenwind.

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          Der australische Dollar ist eine hoch verzinsliche Währung und profitiert aus diesem Grund von den bisher trotz aller zwischenzeitlicher Korrekturen immer wieder auflebenden Carry Trades.

          Sie bestehen unter anderem in der Aufnahme von Krediten in niedrig verzinslichen Währungen und der Reinvestition der Gewinne in Märkten mit höheren Renditen. Lassen sich Gelder in der Schweiz oder auch in Japan günstig aufnehmen, so bietet sich Australien als Destination an.

          Australische Währung bietet vergleichweise hohe Zinsen ...

          Denn alleine schon wenn man die Mittel nur kurzfristig verzinslich anlegt, lassen sich dort zum Beispiel im Drei-Monatsbereich Renditen von bis zu 6,6 Prozent erzielen. Auch der Rentenmarkt bietet mit einer Rendite von 5,77 Prozent bei Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren gewisse Zinsvorteile. Selbst die Börse des Landes zählt zu den widerstandsfähigsten weltweit. Der Standard & Poors/Australian Stock Exchange 200 Index befindet sich praktisch schon seit dem Jahr 1992 in einem höchstens kurzzeitig unterbrochenen Aufwärtstrend.

          Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von 16 scheinen die Werte zumindest in einem anhaltend freundlichen weltwirtschaftlichen Umfeld noch nicht völlig überteuert zu sein, zumal auch in Australien die Übernahme- und Fusionsaktivitäten anhalten.

          Am Dienstag erreichte der australische Dollar in diesem Umfeld mit Kursen von bis zu 80,33 amerikanischen Cents je Aussie-Dollar den höchsten Stand seit dem Jahr 1996. Hintergrund sind Spekulationen, die Zentralbank des Landes werde den Leitzins weiter erhöhen, um die anhaltende Kreditexpansion zu bremsen und um auf diese Weise negative Folgeeffekte zu vermeiden.

          ... die sehr wahrscheinlich noch weiter erhöht werden

          Sie hatte den Leitzins ausgehend von einem Zwischentief bei 4,25 Prozent noch Anfang des Jahres 2002 in acht Schritten auf zuletzt 6,35 Prozent erhöht. Nun deutet vieles auf weitere Zinserhöhungen hin. Denn die Kerninflationsrate im Land werde in den kommenden zwei Jahren eher zu hoch als zu tief sein, hieß es am Dienstag von Seiten der australischen Zentralbank. Ende des vergangenen Jahres hat sowohl das Wachstum wieder begonnen anzuziehen und auch auf Seiten der Lohnentwicklung zeigte sich eine gewisse Eigendynamik. Die Inflationsrate lag im Dezember mit 3,3 Prozent das dritte Quartal in Folge über dem Zielkorridor der Bank.

          Die australische Volkwirtschaft arbeitet unter anderem aufgrund des Rohstoffbooms der vergangenen Jahre am Rande ihrer Kapazitätsgrenzen, die sich unter anderem in Form einer rekordtiefen Arbeitslosigkeit zeigt. Mit 4,5 Prozent lag sie im Januar auf dem tiefsten Stand seit 31 Jahren.

          Auf dieser Basis dürfte die australische Währung zumindest in einem anhaltend freundlichen weltwirtschaftlichen Umfeld und bei hohem Risikoappetit der internationalen Anleger weiterhin gut fundiert seit. Allerdings hat sie eine Schwäche: das Leistungsbilanzdefizit hat in den vergangenen Jahren im Trend deutlich zugenommen und erreichte in den vergangenen Monaten neue Rekordstände.

          Auch gegen den Euro legt die australische Währung im mittelfristigen, wenn auch volatilen Aufwertungstrend zu, nachdem sie im vergangenen Jahr eine deutliche Zwischenkorrektur hatte hinnehmen müssen. Richtig riskant dürfte das Leistungsbilanzdefizit des Landes dann werden, wenn die Nachfrage nach Rohstoffen - aus welchen Gründen auch immer - deutlicher nachlassen sollte.

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