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Devisen : Asiatische Staaten schwimmen in Dollar-Reserven

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Bild: FAZ.NET

Hatten zum Ende des Jahres 2004 viele mit der Fortsetzung der damaligen Dollarschwäche gerechnet, so haben ihm steigende Zinsen im Jahr 2005 zu einer Renaissance verholfen. Nun sind die Erwartungen umgekehrt. Mit entsprechenden Folgen?

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          Mit dem nahenden Jahreswechsel massieren sich in den Medien wieder einmal die Rück- und Ausblicke. Das eine ist jedoch deutlich einfacher, als das andere. Das läßt sich auch an den Devisenmarktprognosen des vergangenen Jahres ablesen.

          Hatte der Dollar Ende des Jahres 2004 eine ausgeprägte dreijährige Abwertungsphase hinter sich und mit einem Kurs von 1,3666 ausgerechnet am 31. Dezember des Jahres 2004 ein neues Allzeittief gegen den Euro erreicht, so rechnete die Mehrheit der Marktteilnehmer mit einer weiteren Abwertung des Greenbacks.

          Gegensätzliche Erwartungen zum Vorjahr am Devisenmarkt

          Zu eindeutig schienen die Argumente zu sein, die gegen die Währung sprachen, darin waren sich viele einig und wohl auch entsprechend positioniert. Dann kam jedoch alles anders, als erwartet. Denn der Dollar legte entgegen der ursprünglichen Erwartungen zu, obwohl sich an den Basisargumenten wenig geändert hatte. Bis auf das Zinsumfeld. Denn die amerikanische Zentralbank hat in den vergangenen Monaten den Leitzins insgesamt 13 Mal angehoben um jeweils 25 Basispunkte vom Rekordtief von gerade einmal einem Prozent auf zuletzt 4,25 Prozent Mitte des zu Ende gehenden Monats. Weitere Zinserhöhungen scheinen wahrscheinlich zu sein.

          Da die Zinsen in Europa und vor allem auch in Japan weiterhin auf ihren Rekordtiefs blieben, konnten sich spekulative Anleger günstig in diesen Währungen verschulden, um die Gelder in Dollar zu transferieren, um sie dort verzinslich anzulegen. Diese Strategien haben zu entsprechenden Kapitalbewegungen geführt und nicht nur zu Zins-, sondern vor allem auch zu Wechselkursgewinnen geführt. Denn der Dollar hat gegen Yen, Euro und auch viele andere Währungen aufgewertet.

          Viele scheinen nun darauf zu wetten, das sich das auch im Jahr 2006 wiederholen könnte und sind ensprechend „bullisch“ für den Dollar. Allerdings stellt sich die Frage, ob nicht auch diesmal die Konsenserwartung - sie steht nun im Gegensatz zum Vorjahr - enttäuscht werden könnte. Immerhin sind die fundamentalen Schwächen Amerikas nicht zu übersehen.

          Denn da die Zinsen nicht mehr fallen, dürften die Immobilienpreise konsolidieren. Dabei hatte sich der Konsumboom des Landes, der zu einem großen Teil für die wirtschaftliche Entwicklung verantwortlich ist, gerade aus dieser Quelle finanziert. Gleichzeitig hat jedoch auch die Privat- und Staatsverschuldung deutlich zugenommen. Die Sparquote des Landes befindet sich auf einem historischen Tief, die durchschnittliche Schuldenquote der Privathaushalte liegt bei sinkenden Realeinkommen bei deutlich mehr als 100 Prozent der verfügbaren Einkommen. Auch die Staatsschulden legen deutlich zu.

          Amerika lebt immer stärker über seine Verhältnisse

          Gleichzeitig geht die gesamtwirtschaftliche Rechnung längst nicht mehr auf. Das Land konsumiert deutlich mehr, als es spart. Das zeigt sich am im Trend immer größer werdenden Leistungsbilanzdefizit. Die Vereinigten Staaten leben immer mehr auf Kosten des Auslandes. Die Schere zwischen Importen und Exporten geht immer weiter auseinander. In weiten Teilen ist das Land überhaupt nicht mehr wettbewerbsfähig. Ein Blick auf die hausgemachte Misere der Automobilindustrie genügt als Beispiel.

          Optimisten behaupten zwar, die Industrie des Landes sei so attraktiv und die Produktivität so hoch, daß es kein Problem sei, die Finanzierungslücke auch mittel- und langfristig zu schließen. Daten zeigen jedoch, daß die dazu notwendigen Kapitalströme vor allem spekulativer Natur sind. Gleichzeitig läßt sich die angebliche Attraktivität hinterfragen. Denn viele Unternehmen des Landes haben in der Vergangenheit ihre Bilanzen geschönt. Selbst heute sind viele betriebliche Pensionsfonds massiv unterfinanziert und ihre Erträge werden gleichzeitig überschätzt. Außerordentliche Aufwendungen wie Mitarbeiteroptionen werden bilanztechnisch und auch von Analysten beinahe schon notorisch ignoriert.

          Nicht viel anders sieht es mit volkswirtschaftlichen Zahlen aus. Sowohl Produktivität als auch Wachstum werden statistisch - zum Beispiel aufgrund der Verwendung hedonischer Verfahren - zum Teil massiv überschätzt. In diesem Sinne dürfte es kaum verwundern, daß sich die amerikanischen Börsen im Vergleich zu anderen internationalen Märkten in den vergangenen Monaten schlecht geschlagen haben.

          Ölstaaten und auch die Länder mit Handelsbilanzüberschüssen investieren ihre Gelder vermehrt in Europa, in den Schwellenländern oder erwerben Rohstoffe. Nicht umsonst haben die Preise in diesem Bereich in den vergangenen Monaten deutlich angezogen. Diese Entwicklung kann noch weiter gehen. Denn gerade die asiatischen Staaten erzielen aufgrund der unterbewerteten Währungen massive Handelsbilanzüberschüsse. Die Kehrseite ist das massive Anschwellen der Währungsreserven.

          Asiatische Staaten schwimmen förmlich in Dollarreserven

          Sie sind nicht nur ein Ausdruck einer viel zu laxen internationalen Geldpolitik - im Moment insbesondere in Japan -, sondern sie können längst nicht mehr sinnvoll angelegt werden. Das heißt, auch von dieser Seite lassen sich die auflaufenden internationalen Ungleichgewichte nicht mehr beliebig halten. Sollten diese Gelder intensiver in Infrastrukturmaßnahmen und damit indirekt in Rohstoffe investiert werden, dürften die Preise weiter nach oben getrieben werden und weltweit zu entsprechenden Preisimpulsen führen. Früher oder später dürfte die Entwicklung aus dem Ruder laufen und vor allem den Dollar untergraben. Aus diesem Grund dürfte es ratsam sein, den „Dollaroptimismus“ kritisch zu betrachten, denn die Stimmung und damit auch der Markt dürfte jederzeit kippen können. Insbesodnere dann, wenn sich die Zinsschere aufgrund steigender Zinsen in Europa schließen sollte.

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