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Derivate : Rohstoffanlagen haben ihre Tücken

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Bild: F.A.Z.

Neben den Währungrisiken sollten Anleger bei Derivaten auch die Ausgestaltung der Produkte beachten. Generell gilt: Rohstoffmärkte sind für Privatanleger meist schwer durchschaubar.

          3 Min.

          Rohstoffderivate stehen hoch im Kurs, aber sie haben ihre Tücken. Denn nicht immer entwickeln sie sich so wie der ihnen zugrundeliegende Rohstoff. Ursache sind nicht allein Währungseinflüsse, auch die Ausgestaltung der Produkte selbst gilt es zu beachten.

          Rohstoffe sind dank der leicht handelbaren Derivate längst nicht mehr nur eine Sache für Spezialisten. Die Palette für Privatanleger umfaßt Indizes und reicht von Aluminium über Gold und Öl bis hin zu Zucker. Es gibt die Produkte als Anlagegezertifikate oder spekulative Hebelpapiere in Form von Optionsscheinen und Knock Outs.

          Ein physischer Markt

          Als Emittenten besonders aktiv zeigen sich ABN Amro, Goldman Sachs und Societe Generale. Die Derivate zeichnen die Wertentwicklung einzelner Rohstoffe oder ganzer Rohstoffindizes nach. Und genau hierin liegt schon der erste Stolperstein. „Beziehen sich die Derivate auf einen Index, dann bewegen sie sich wie der Basiswert“, sagt Stefan Gresse von ABN Amro. Bei einzelnen Rohstoffen als Basis sei dies anders.

          „Ein klassisches Rohstoffinvestment ist nicht vergleichbar mit einer Aktienanlage und der Kassapreis daher nur bedingt aussagefähig“, betont Dirk Heß von Goldman Sachs. Der Rohstoffmarkt sei ein physischer Markt. Und da es unwirtschaftlich sei, die Waren wirklich zu lagern, nutzten die Emittenten die Terminbörsen, um die Preisänderungen der Rohstoffe abzubilden.

          Sie sichern sich hier über Terminkontrakte (Futures) ab. Dabei unterscheiden sich die Terminkurse meist von den Kassapreisen. Bei Futures spielten neben den Erwartungen auch Refinanzierungs- und Leihkosten oder Lagergebühren für die Preisbildung eine Rolle, erklärt Heß.

          Rollgewinne und -verluste

          Hier kommt ein zweiter wichtiger Aspekt ins Spiel: Da die Terminkontrakte zeitlich begrenzt sind, die Zertifikate meist aber über deren Fälligkeitstermin hinaus weiterlaufen, müssen die Banken die Absicherung anpassen. Sie wechseln regelmäßig kurz vor dem Laufzeitende des jeweiligen Kontraktes zum nächstfälligen über. Sie rollieren.

          Auch das Verhältnis der Terminnotierungen zueinander ist dabei wichtig. „Sind die längerfristigeKurse höher - man spricht in diesem Fall von einem Contango - kommt es beim Rollieren zu Verlusten,“ erläutert Heß. Denn für den Betrag, den man beim Verkauf des fälligen Terminontrakte erhält, bekommt man weniger vom nächsten.

          Sind die längerfristigen Preise dagegen niedriger als die kurzfristigen - diese Konstellation wird auch „Backwardation“ genannt - ergeben sich Rollgewinne. Nicht alle Rohstoffe sind in dieser Hinsicht gleich: Der Ölmarkt befinde sich zu zwei Dritteln der Zeit in der Situation der Backwardation, bei Gold finde man diese Form der Terminpreiskurve niemals, erläutert Heß.

          Wechselkurse sorgen für Irritation

          Die Rollgewinne und- verluste schlagen sich bei Indizes automatisch im Indexstand nieder, während bei einzelnen Rohstoffen auch die Derivate angepaßt werden müssen. Aus Anlegersicht bleibe der Produktpreis gleich, sagt Gresse.

          Um dies zu gewährleisten nutzen Emittenten das Bezugsverhältnis, das angibt wieviele Derivate benötigt werden, um eine Einheit des Basiswerts zu beziehen, beziehungsweise die Partizipationsrate, die sich aus dem Verhältnis der Terminkurse errechnet, als Stellschrauben. Im Laufe der Zeit können sich Heß zufolge durch diese Größen auch für den Anleger Veränderungen ergeben.

          Ein Punkt der regelmäßig zu Irritationen führt, ist der Einfluß der Wechselkurse. Rohstoffe werden vorwiegend in Dollar gehandelt. Die Finanzprodukte hingegen notieren in Euro. Anleger müssen daher Währungsrisiken beachten. Denn nicht nur der Rohstoff selbst, sondern auch die Veränderungen der Wechselkurse bestimmen den Preis der Derivate.

          Für Privatanleger schwer zu durchblicken

          So ist der Dollar-Preis der Ölsorte West Texas Intermediate auf Jahressicht um 26 Prozent gestiegen, in Euro gerechnet waren es dagegen 39 Prozent. Währungseinflüsse ausblenden können Anleger, indem sie währungsgesicherte Derivate erwerben. Sie sind meist mit dem Zusatz „Quanto“ versehen. Diese Absicherung gibt es freilich nicht umsonst.

          Dies gilt ebenfalls für Zertifikate, die das eingesetzte Kapital teilweise oder vollständig garantieren. Solche Strukturen werden Heß zufolge aus Zinseinnahmen finanziert. Bei anderen Produktarten kommen teilweise jährliche Managementgebühren hinzu. Ein Kostenfaktor bei allen Derivaten ist die Differenz zwischen dem An- und Verkaufskurs (Spread). Sie fällt um so größer aus, je illiquider der jeweilige Rohstoffmarkt oder je komplexer das Produkt.

          Generell gilt: Die einzelnen Rohstoffmärkte sind in ihren Eigenheiten gerade für Privatanleger kaum zu überblicken. Neben der Nachfrage spielen weitere Faktoren wie das Wetter eine Rolle für die Preisbildung. Zudem sind Informationen häufig nur schwer zugänglich. Anlagen in einzelnen Rohstoffe werden deswegen schnell hochspekulativ.

          „Wollen Anleger ihr Portfolio diversifizieren, dann sind Rohstoffindizes die bessere Wahl“, raten Experten wie Heß. Dabei lohnt der Blick auf die Zusammensetzung der Indizes. Der Goldman Sachs Commodity Index GSCI wird zu rund zwei Dritteln von Energiepreisen beeinflußt. Es gibt anders gewichtete GSCI Subindizes, die teilweise wie der Jim-Rogers-Commodity-Index breiter aufgestellt sind. Einige berücksichtigen Zins- und Rollgewinne, andere wiederum nicht.

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