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Rohstoffe : Ölpreis im freien Fall

Pumpen in North Dakota: Je niedriger der Ölpreis ist, desto unattraktiver wird die Förderung. Bild: AP

Die Opec will ihre Erdölproduktion nicht drosseln, der Ölpreis sinkt kurz unter 40 Dollar. Was bedeutet das für Verbraucher in Deutschland?

          Die Entscheidung der erdölexportierenden Länder, die Fördermengen für Öl weder zu kürzen noch zu deckeln, haben den Ölpreis deutlich fallen lassen. Nachdem der Preis der Nordseesorte Brent schon am Montag den tiefsten Stand seit dem Frühjahr 2009 erreicht hatte, fiel er am Dienstag in London nach schwachen Daten aus China vorübergehend auf 39,81 Dollar. Öl kostete damit erstmals seit Februar 2009 wieder weniger als 40 Dollar je Barrel (159 Liter). Damit näherte sich der Preis dem im Sog der Finanzkrise im Dezember 2008 erreichten Tiefstand von 36,20 Dollar an, was wiederum so wenig wie zuletzt im Juli 2004 war. Die amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank zwischenzeitlich auf 36,78 Dollar, erholte sich dann aber auch wieder etwas. Am Markt wurde vermehrt die Prognose der Investmentbank Goldman Sachs zitiert, die ein weiteres Absinken des amerikanischen Ölpreises auf 20 Dollar für möglich hält.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der starke Preisverfall des Öls sowie die Bewegungen dicht an den Tiefständen auch bei anderen Rohstoffen wie Eisenerz belasteten auch die Börsen. Der Eurostoxx 50, der Leitindex der Eurozone, verlor immerhin etwa 1,9 Prozent.

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          Was bedeutet das für Verbraucher in Deutschland? Tanken und Heizen wird noch billiger. Schon am Dienstagmorgen gaben auch hierzulande die Preise für Heizöl sowie für Benzin und Diesel nach. Wie das Internetvergleichsportal des Öltechnikunternehmens Tecson berichtet, haben die Heizölhändler Abschläge auf den Heizölpreis von zumeist 1 bis 2 Cent gegenüber den Vortagespreisen gemeldet. Mehrere Internetportale berichteten zudem, der Preis für Heizöl nähere sich dem tiefsten Stand seit Beginn ihrer Aufzeichnungen vor ungefähr zehn Jahren. Im Durchschnitt lag der Heizölpreis laut Tecson in Deutschland am Dienstag bei 49,1 Cent je Liter. Im Norden Deutschlands hätten die Heizölpreise die 50-Cent-Marke durchweg klar unterschritten, während sie im Süden und Südosten Deutschlands nun ebenfalls unter diese Marke abzurutschen schienen.

          Neben den sinkenden Rohölpreisen soll auch die milde Witterung, die weniger Heizen notwendig macht, die Heizölpreise zusätzlich gebremst haben. Der Monat November war laut Wetterdienst der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen 1881. Noch ist nicht ausgemacht, ob Heizöl sogar noch billiger wird: Nach einer Umfrage des Internetportals Esyoil unter mehr als 1000 Verbrauchern jedenfalls rechnen immerhin 88 Prozent der Befragten mit weiter fallenden Heizölpreisen.

          Auffällig niedrige Preise an den Tankstellen

          An den Tankstellen hatten schon am Wochenende auffällig niedrige Preise für Benzin und Diesel für Aufmerksamkeit gesorgt. Zum Teil bildeten sich Schlangen. Diesel kostete an den ersten Tankstellen beispielsweise in Hamburg wieder weniger als 1 Euro je Liter. Steffen Bock, der Geschäftsführer des Internetportals Clever-tanken.de, sagte dieser Zeitung, im Verlauf des Dienstags hätten dann nach Daten der Markttransparenzstelle immerhin 99 Tankstellen in Deutschland Diesel zu einem Preis von weniger als einem Euro je Liter angeboten - in vielen Fällen für 0,999 Euro. „Der Preis ist nach der Entscheidung der Opec noch einmal zurückgegangen“, sagte Geschäftsführer Bock.

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