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Ölstaat Venezuela : Das erdölreichste Armenhaus der Welt

Die zweitgrößte Erdölraffinerie im venezolanischen Paraguaná. Bild: AFP

Venezuela könnte im Geld schwimmen. Doch die sozialistische Regierung wirtschaftet das Land systematisch herunter. Kein Land der Welt ist so von einer Pleite bedroht.

          4 Min.

          In Venezuelas Regierung herrscht momentan helle Aufregung. Der niedrige Ölpreis bedroht das südamerikanische Land wie selten zuvor. Die Wahrscheinlichkeit, dass Venezuelas Staat nächstes Jahr pleitegeht, sehen Fachleute bei 93 Prozent, abzulesen am Kreditausfall-Swap (CDS). Es steht sogar schon ein konkretes Datum fest: Der 16. März 2015. An diesem Tag muss das Land eine Anleihe über 1,07 Milliarden Euro zurückzahlen.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wenige Tage später wird noch einmal eine milliardenschwere Anleihe fällig. Geld, welches das Land nur noch mit Mühe und Not zusammenklauben kann. Die Devisenreserven von 21,5 Milliarden Dollar sind auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gesunken. Sie reichen nur, um 40 Prozent der Verbindlichkeiten in den kommenden fünf Jahren abzudecken. Auch die Anleiherenditen sind mit 24 Prozent deutlich in die Höhe geschossen. Doch wie konnte es nur so weit kommen?

          Venezuela hat die größten nachgewiesenen Erdölreserven der Welt. Auf mehr als 300 Milliarden Barrel (zu 159 Liter) belaufen sich die bestätigten Reserven. In Saudi-Arabien, dem größten Ölförderer, sind es 265 Milliarden Barrel. Doch Venezuelas bleibt weit unter seinem Potential: Seine Förderung beläuft sich lediglich auf 2,46 Millionen Barrel am Tag. Zum Vergleich: In Saudi-Arabien sind es 9,58 Millionen Barrel.

          Venezuela ist auf Erdöl angewiesen

          Nirgendwo ist das Verhältnis zwischen Reserven und Förderung so ungünstig wie in Venezuela. Und aktuell macht dem Land zusätzlich der Ölpreisverfall zu schaffen: Um seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, brauchte das Land einen durchschnittlichen Preis von 97 Dollar. Das geht aus Berechnungen der Credit Suisse hervor. Inzwischen liegt der Weltmarktpreis um gut ein Drittel darunter.

          Während Venezuela von 1950 bis in die 1970er Jahre hinein zu den größten Erdölförderern zählte, ist es trotz der riesigen Reserven derzeit nur noch die Nummer zwölf der Weltförderliste. Die Tendenz ist weiter fallend und mit keiner Aussicht auf Besserung. Denn die Erdölindustrie liegt größtenteils brach. 1998, im Jahr vor dem Amtsantritt des langjährigen sozialistischen Staatschef Hugo Chávez, förderte das Land nach Angaben der Internationalen Energieagentur täglich 3,5 Millionen Barrel.

          Heute sind es mit 2,5 Millionen Barrel etwa ein Viertel weniger. Dabei ist die Ölförderung für das südamerikanische Land lebensnotwendig: Sie sichert 80 Prozent der Exporterlöse, zwei Drittel der Staatseinnahmen sowie mehr als 90 Prozent der Deviseneinnahmen.

          Chávez erledigte die Ölindustrie

          Die Gründe für den Niedergang der Erdölindustrie sind zahlreich und vor allem mit dem Namen Chávez verbunden. Noch zur Jahrtausendwende galt der Ölriese Petróleos de Venezuela (PDVSA) als eine der effizientesten und finanzstärksten Konzerne der Welt. Chávez hat den Konzern als politisches und propagandistisches Werkzeug benutzt und den mit Abstand größten Ölkonzern des Landes anschließend gemolken.

          Chávez schraubte die Investitionen der PDVSA stark zurück und erhöhte gleichzeitig die Abgaben, die der Erdölförderer an den Staat zahlen musste – um damit höhere Sozialausgaben zu finanzieren. Mit Erfolg, wie man zugeben muss: Die Armutsquote sank von 49 Prozent im Jahr 2002 auf 29 Prozent im Jahr 2011.

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