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Devisenmarkt : Der Euro ist so billig wie seit elf Monaten nicht mehr

Der Dollar stark - der Euro schwach. Schuld sind die schlechten europäischen Konjunkturdaten im letzten Quartal. Bild: dpa

Bald könnte die amerikanische Notenbank die Zinsen erhöhen. Der Dollar wird dadurch noch mehr gestärkt. Der Euro profitiert davon nicht - selbst an Tagen mit höherer Risikobereitschaft.

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          Erstmals seit September 2013 haben Anleger am Mittwoch für einen Euro weniger als 1,33 Dollar bekommen. Am Devisenmarkt mussten für die europäische Gemeinschaftswährung zeitweise nur 1,3275 Dollar bezahlt werden. Damit hat der Dollar seit Jahresanfang um 4 Prozent zum Euro aufgewertet. Der Euro ist nicht nur zum Dollar schwach: Mit Ausnahme der schwedischen Krone werteten alle 16 Währungen der wichtigsten Länder in diesem Jahr zum Euro auf, am deutlichsten der brasilianische Real mit 9 und der australische Dollar mit 8 Prozent. Auch Währungen aus Ländern mit kriegerischen Auseinandersetzungen wie der israelische Schekel haben zum Euro zugelegt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gleichzeitig ist der Dollar zu einem Korb von einer ganzen Reihe von Währungen gestiegen. Der Dollar-Index erreichte am Mittwoch den höchsten Wert seit elf Monaten. Handelt es sich gegenwärtig mehr um eine Euro-Schwäche oder eine Dollarstärke? „Es ist eine Kombination aus beidem“, antwortet Thu Lan Nguyen, Devisenanalyst der Commerzbank in Frankfurt.

          Ein Grund für die Dollarstärke liegt in den derzeit guten Konjunkturdaten aus Amerika. Sie machten eine zügige Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik wahrscheinlicher, meint Nguyen. Darunter sind in erster Linie Zinserhöhungen zu verstehen, die von den meisten Marktteilnehmern für Mitte kommenden Jahres erwartet werden. Dagegen ist nach Ansicht von Nguyen für den Euro das Risiko kurzfristig gestiegen, dass die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter lockert, Anleihen kauft, die Konjunktur und Inflation im Euroraum stützt und kurzfristig ein Überangebot an Euro schafft.

          Banken sagen noch niedrige Kurse voraus

          Internationale Investmentbanken rechnen seit einiger Zeit mit einem noch weiter abwertenden Euro. Die amerikanische Bank Goldman Sachs gibt sich noch vergleichsweise moderat und prognostiziert zur Jahresmitte 2015 einen Euro-Dollar-Kurs von 1,30. Deutlich aggressiver gegen den Euro eingestellt sind die britisch-asiatische Bank HSBC und die Schweizer UBS, die schon für das Jahresende 2014 einen Wechselkurs von 1,28 und 1,25 Dollar je Euro vorhersagen. Zuletzt haben schwache Konjunkturdaten aus Europa diese Sicht gestützt. Italien rutschte im ersten Halbjahr 2014 in die Rezession, Frankreich stagnierte, und sogar die deutsche Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal.

          Zudem ist die Inflationsrate im Euroraum vom Ziel der EZB von knapp 2 Prozent weit entfernt. Im Juli waren die Preise in Europa im Durchschnitt zum Vorjahresmonat nur noch um 0,4 Prozent gestiegen. Dies ist der niedrigste Wert seit Oktober 2009. Ein niedriger Eurokurs würde die Absatzchancen der europäischen Unternehmen auf den Weltmärkten erhöhen und könnte sie zu mehr Investitionen ermuntern, lautet daher eine Hoffnung.

          Schlecht zu erklären ist das Euro-Dollar-Kursverhältnis derzeit mit der Risikoneigung der Anleger auf anderen Märkten. Üblicherweise wird der Dollar vor allem in Zeiten erhöhter Vorsicht gesucht („sicherer Hafen“). Doch derzeit tendiert der Euro zum Dollar auch an Tagen wie zu Wochenbeginn schwach, an denen die Aktienmärkte sich erholen. Allerdings ist derzeit auch auf andere scheinbar sichere Wetten am Kapitalmarkt kein Verlass. Der Ölpreis für die Nordseesorte Brent hat trotz der vielen geopolitischen Risiken, die seit Mitte Juni die Anleger in Atem halten, von 115 auf 102 Dollar nachgegeben.

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