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Christoph Eibl : „Es gibt attraktivere Anlagen als Gold“

  • Aktualisiert am

Christoph Eibl Bild: Bloomberg

Rohstoffanlagen haben in jüngerer Zeit viele Anleger enttäuscht. Trotzdem ist Christoph Eibl, Vorstandsvorsitzender der Tiberius Group in Zug, für manche Metalle zuversichtlich.

          4 Min.

          Herr Eibl, was sagen Sie derzeit Rohstoffanlegern?

          Man muss fairerweise zugeben, dass Rohstoffe in den vergangenen zwei Jahren enttäuscht haben - nicht nur absolut, sondern auch relativ, zum Beispiel im Vergleich zu Aktien. Es ist viel Geld von Anlegern aus Rohstoffen abgeflossen.

          Warum?

          Um Rohstoffe zu kaufen, braucht man eine von zwei Stories. Die erste ist eine Inflationsstory, die zweite ist eine Wachstumsstory. Wir haben aber momentan beides nicht. Die Inflation ist bei vielen Anlegern gerade kein Thema, wobei ich der Meinung bin, dass das langfristige Inflationspotential unterschätzt wird.

          Und die Weltwirtschaft wächst nur um knapp 3 Prozent. Das ist zwar nicht schlecht, reicht aber nicht für eine Wachstumsstory, wenn man zum Vergleich an die Jahre 2005 oder 2006 denkt. Kurz gesagt: An den Rohstoffmärkten fehlt die Phantasie. Aber man darf nicht nur auf die Nachfrage schauen.

          Was sagt die Angebotsseite?

          Ich sehe gerade bei Metallen wie Aluminium, Blei, Nickel, Zink, Platin oder auch Palladium Marktpreise, die unter oder nahe bei den Produktionskosten liegen. Zudem sind die Lagerbestände bei Endverbrauchern niedrig. Künftige Angebotsverknappungen können ein Grund sein, in solche Metalle zu investieren.

          Bei Energie oder Agrarrohstoffen lässt sich aus der Analyse des Angebots dagegen kein Grund für Käufe ableiten. Hier gibt es eher eine Überversorgung. Metalle sind auch gegenüber anderen Vermögensklassen wie Aktien, Immobilien oder Anleihen sehr günstig bewertet.

          Überzeugt dies Anleger?

          Analysen der Angebotsseite sind schwierig und aufwendig. Die Angebotsseite alleine gibt auch kein klares Kaufsignal. Aber sie liefert wertvolle Informationen. Und sie zeigt, dass Rohstoffe keine homogene Anlageklasse sind.

          Was bedeutet dies für die Rohstoffe als Markt für Anleger?

          Der Markt ist reifer geworden. Viele Anleger besitzen viel bessere Kenntnisse als vor einigen Jahren. Wir befinden uns jetzt aus meiner Sicht in einer Phase der Bereinigung, in der schlecht laufende Finanzprodukte ausscheiden müssen.

          Werden eher aktiv gemanagte oder passive Produkte überleben?

          Der Markt für aktiv gemanagte Produkte ist immer klein gewesen. Manche Experten schätzen den Markt für Finanzanlagen auf Rohstoffe auf rund 350 Milliarden Dollar. Davon entfallen vielleicht 20 Prozent auf aktiv gemanagte Produkte.

          Ich vermute, dass der Anteil der aktiven Produkte etwas steigen wird, aber der Preisabstand der Gebühren für aktive und passive Produkte könnte sich verringern.

          Aktive Produkte sollen Überrenditen bringen.

          Natürlich. Aber es ist möglich, solche Überrenditen langfristig zu erzielen, auch wenn sie sehr volatil sind. Wir haben zwar im vergangenen Jahr im aktiven Management einen Verlust erzielt, aber davor sechs Jahre lang attraktive Überrenditen erwirtschaftet.

          Es gibt Phasen, in denen die Preisentwicklung stark durch Markttechnik und Trendfolge geprägt ist; in anderen Phasen werden die Preise überwiegend durch fundamentale Faktoren beeinflusst.

          Lassen sich technische und fundamentale Analysen verbinden?

          Ja, das tun wir auch. Aber man besitzt als Vermögensverwalter immer einen Schwerpunkt. Bei uns ist das die langfristige fundamentale Analyse.

          Hat sich das Verhalten deutscher Anleger gegenüber alternativen Anlagen, zu denen ja auch Rohstoffe zählen, geändert?

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