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Volksgeld : Chinas Yuan wird jetzt offiziell Weltwährung

Auf der Überholspur: der chinesische Yuan Bild: AFP

Der chinesische Yuan wird nun offiziell eine Weltreservewährung. Noch wird er wenig genutzt. Doch das Potential für eine bahnbrechende Veränderung ist da, die dem Dollar gefährlich werden könnte.

          Der chinesische Yuan wird von diesem Samstag an offiziell eine Weltreservewährung des Internationalen Währungsfonds (IWF) sein. Damit wird der Beschluss des Exekutivrats des IWF aus dem November vorigen Jahres nun in die Tat umgesetzt. Der Yuan, von Politikern und Teilen der Wissenschaft mit seinem offiziellen Titel Renminbi (Volksgeld) bezeichnet, wird sogleich Platz drei der dort vertretenen Währungen einnehmen und eine Gewichtung von 10,9 Prozent erhalten. Im Vergleich zur letzten Neugewichtung aus dem Jahr 2011 verliert der Dollar damit marginal von 41,9 auf 41,7 Prozent. Der Euro wird erheblich an Gewicht verlieren und wird von 37,4 auf 30,9 Prozent zurückgestuft. Nach dem Yuan bleibt der Yen auf dem vierten Platz mit 8,3 nach zuvor 9,4 Prozent. Die fünfte Währung im Korb ist das Pfund, das wie der Euro stärker an Gewicht einbüßt und nun mit 8,1 statt 11,3 Prozent in die Berechnung der Sonderziehungsrechte eingeht.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Sie sind keine börsengehandelte Währung. Ihr Preis ergibt sich aus den aktuellen Wechselkursen und auf Basis der für fünf Jahre festgelegten Gewichtung. Die 1969 eingeführte künstliche Währung hat nie größere wirtschaftliche Bedeutung gehabt, ist aber politisch von Belang. Nachdem China die Aufnahme im Jahr 2010 überraschend verweigert worden war, hatte die dortige Staatsführung viel Wert darauf gelegt, dieses Mal berücksichtigt zu werden, und die Liberalisierung und Internationalisierung der Währung vorangetrieben.

          Im August vor einem Jahr hat China im Vorfeld der Entscheidung des IWF, den Yuan zur Reservewährung zu machen oder nicht, der Welt signalisiert, dass es der Währung künftig mehr gestatten würde, sich im Wert so zu entwickeln, wie der Markt dies wünsche. Seitdem hat Peking allerdings massiv eingegriffen, um den Yuan vor dem Absturz zu bewahren. Dass dieser in den vergangenen zwölf Monaten nur um 2,6 Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet hat, ist vor allem dem Verkauf von Dollar durch Pekings Zentralbank zu verdanken. Allein in diesem Zeitraum sind die Fremdwährungsreserven Chinas um mehr als 10 Prozent zurückgegangen, auf zwei Jahre zurückgerechnet sogar um ein Viertel.

          Begrenzte Finanzmärkte

          Funktionierende Finanzmärkte gibt es in China immer noch nur begrenzt. Der Aktienmarkt ist volatil, der massive Abfluss von Kapital ins Ausland ließ sich nur mit strengen Kontrollen stoppen. Die Reformen zur Liberalisierung, die Chinas Präsident und Parteichef Xi Jinping bei Amtsantritt vor drei Jahren versprochen hat, sind angesichts der schwächelnden chinesischen Wirtschaft auf Eis gelegt. In der Krise spielt Peking auf Sicherheit und stärkt die Rolle des Staates, um Massenarbeitslosigkeit im Land zu verhindern.

          Die Internationalisierung des Renminbis ist dabei ins Stocken geraten. Obwohl China heute einen Außenhandelsüberschuss von vier Billionen Dollar aufweist, wird die Währung des Landes auf der Welt kaum genutzt. Sogar im Handel mit Amerika wickeln chinesische Unternehmen nur rund 2 Prozent ihrer Zahlungen in Yuan ab, global ist dessen Anteil am Zahlungsverkehr im ersten Halbjahr sogar auf nur 1,7 Prozent gesunken, ermittelte Swift, das Zahlungsverkehrsnetzwerk der Banken. Demnach hat der kanadische Dollar mit einem Anteil von 2 Prozent die auch als Yuan bezeichnete Währung Chinas wieder überholt und belegt nun Platz fünf. Noch im August vergangenen Jahres war der Renminbi auf einen Anteil von bis zu 2,8 Prozent gestiegen und hatte damit zum japanischen Yen aufgeschlossen. Nun hat dieser auch im asiatisch-pazifischen Handelsraum seine Führungsstellung knapp vor dem Renminbi zurückerobert.

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