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Fallender Yuan : Verwirrung um Chinas Währung

Unklarheiten wegen der Währungspolitik: Was hat die chinesische Zentralbank vor? Bild: AFP

Die intransparente Währungspolitik der chinesischen Zentralbank lässt viel Raum für Spekulationen offen. Nachdem Peking den Yuan aufgewertet hat, wertet es ihn sofort wieder ab. Ist es zunehmende Vorsicht?

          Die chinesische Zentralbank sorgt abermals mit intransparenter Währungspolitik für Spekulationen. Am Freitag hatte sie den fixen Referenzkurs von Chinas Yuan, der auch Renminbi genannt wird, mit 0,92 Prozent so stark aufgewertet wie seit zehn Jahren nicht mehr. Doch am Montag kassierte sie diesen Gewinn und legte den Kurs wieder um 0,87 Prozent niedriger auf 6,9262 Yuan gegenüber dem Dollar fest, wo er bis jetzt steht - die stärkste Abwertung der Währung seit über einem halben Jahr.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Der im chinesischen Inland gehandelte Yuan wird von der nicht unabhängigen Zentralbank, die der Regierung angehört, streng kontrolliert. Um starke Volatilitäten zu vermeiden, darf sein Kurs jeden Tag nur um bis zu 2 Prozent in beide Richtungen schwanken. Die „Erwartung“, welche die Marktteilnehmer damit an die Wertentwicklung der Währung ausdrücken, soll in die Kursfixierung der Zentralbank am Folgetag einfließen.

          In welche Richtung aber steuert Chinas Währung? Was will Peking? Antworten suchen Ökonomen aus der näheren Vergangenheit abzuleiten. 2016 habe die Zentralbank eine opportunistische Wechselkursstrategie verfolgt, schreibt Long Chen vom Pekinger Analysehaus Gavekal Dragonomics. Chinas Notenbanker haben vor gut einem Jahr angekündigt, sich nicht mehr allein am Dollarkurs orientieren zu wollen, sondern an einem Korb mit vielen, unterschiedlich gewichteten Währungen (CFETS-Index). In der ersten Jahreshälfte habe die Zentralbank dann die Schwäche des Dollars genutzt, den Kurs des Vergleichsindex in die Tiefe zu drücken, während sich das Verhältnis von Yuan zu Dollar nur geringfügig änderte.

          Chinas Fremdwährungsschatz stark geschrumpft

          In der zweiten Jahreshälfte habe sich Peking dann an dem niedrigeren Index orientiert und den Yuan gegenüber dem wieder stärkeren Dollar abzuwerten erlaubt, schreibt Analyst Long. Allerdings nur um so viel, dass das Verhältnis zum Währungskorb konstant blieb. Drohte der Yuan im Wert zu stark abzurutschen, verkaufte die Zentralbank Währungsreserven, um den Kurs zu stützen.

          In der Folge ist Chinas Fremdwährungsschatz stark geschrumpft. Zwar fiel der Rückgang im Dezember mit 41 Milliarden Dollar nicht so groß aus wie im Vormonat November, an dem die Reserven um 70 Milliarden Dollar sanken. Der schnelle Rückgang hatte Peking dazu veranlasst, härtere Kapitalkontrollen einzuführen, um den Geldabfluss aus dem Land zu stoppen. Diese Kontrollen haben offensichtlich zumindest ein wenig Wirkung erzielt.

          Peking wird zunehmend vorsichtiger

          Trotzdem sind Chinas Währungsreserven damit innerhalb von zwölf Monaten von 3,3 Billionen Dollar um fast ein Zehntel auf 3,01 Billionen Dollar gesunken. So niedrig war Chinas Fremdwährungsbestand zuletzt vor fünf Jahren. Selbst in den chinesischen Staatsmedien ist eine Debatte losgebrochen, wie wichtig es ist, die Höhe der Reserven über der Marke von 3 Billionen Dollar zu halten.

          Manche Analysten wie Eric Robertsen von der Standard Chartered Bank glauben, dass Peking wegen der Symbolik der Billionen-Schwelle zunehmend vorsichtiger wird und den Yuankurs weniger rasch mit weiteren milliardenschweren Dollarverkäufen stützen könnte. Stimmt das, dürfte der Wert der chinesischen Währung im laufenden Jahr also weiter sinken, sollte der Dollar seine Stärke behaupten.

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