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Devisenmarkt : Chinas Yuan dürfte weiter abwerten

  • Aktualisiert am

Chinas Zentralbank will den Yuan weiter schwächen. Bild: AFP

Der Renminbi steuert zum Dollar auf ein Fünf-Jahres-Tief zu. Manche Analysten rechnen zum Jahresende schon mit einem Kurs von 7,50 Yuan.

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          Der Yuan ist am Mittwoch auf den niedrigsten Stand seit April 2011 gefallen. Zuvor hatte die chinesische Zentralbank den Referenzsatz für den Yuan auf einem überraschend niedrigen Niveau festgelegt. Die People’s Bank of China setzte das tägliche Fixing bei 6,5314 Yuan je Dollar fest, schwächer als der letzte Onshore-Schlusskurs des Yuan. Sowohl in Hongkong als auch in Schanghai wertete der Yuan ab.

          Die Maßnahme der Notenbank gilt als Anzeichen dafür, dass eine Abwertung der Währung gewünscht wird. Viele Händler werten dies auch als Indiz dafür, dass die Wirtschaft in der Volksrepublik in einer schlechteren Verfassung ist als bislang angenommen.

          Der Schritt wird von manchen als verzweifelter Versuch der Regierung gewertet, die Wirtschaft in  Schwung zu bringen. Ein schwächerer Yuan macht zwar chinesische Ausfuhren billiger und kurbelt damit den Export an, zugleich steigen aber die Kosten im Inland. Für Länder, die Waren nach China liefern, sind das schlechte Aussichten, denn ihre Produkte werden in der Volksrepublik teurer, was die Nachfrage dämpfen dürfte.

          "Die Frage von Investoren wird lauter, wann die Regierung der immer größer werdenden Diskrepanz zwischen Marktreaktion und offiziell gemeldeten Daten Rechnung tragen wird und ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum anpasst", sagte Jochen  Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets.

          Zweifel an der Notenbank

          Nach einer überraschenden Abwertung des Yuan im August hat China den Yuan mehr als vier Monate stabil gehalten. Die Interventionen führten allerdings zum ersten jemals verzeichneten Rückgang der Devisenreserven des Landes. In den vergangenen Monaten ist die offizielle Unterstützung für die Währung spärlicher geworden. Zudem führten das schwächste Wirtschaftswachstum seit einem Vierteljahrhundert und steigende Zinsen in den Vereinigten Staaten zu Kapitalabflüssen aus China. Laut Analysten von Macquarie Bank und Mizuho Bank ist die Devisenpolitik der Notenbank jetzt schwerer einzuschätzen.

          "Das heutige Fixing hat die geldpolitischen Risiken für China gezeigt", sagte Ken Cheung, Stratege bei Mizuho Bank in Hongkong der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Es sieht so aus, als hätten sie es willkürlich festgelegt und der Mechanismus ist nicht in Übereinstimmung mit ihren Politikrichtlinien. Das untergräbt ganz klar die geldpolitische Glaubwürdigkeit der chinesischen Notenbank und das Vertrauen der Investoren in den chinesischen Markt."

          Im Optionshandel gehen die Anleger davon aus, dass für den Dollar in relativ kurzer Frist mehr als 7 Yuan bezahlt werden. Kevin Lai, Asien-Chefökonom bei Daiwa Capital Markets rechnet laut Bloomberg zum Jahresende mit einem Dollarkurs von 7,50 Yuan. Die durchschnittlichen Analystenprognosen liegen aktuell noch bei 6,60 Yuan.

          Auch chinesische Unternehmen scheinen mit einer weiteren Abwertung des Renminbi zu rechnen, haben sie doch in größerem Umfang begonnen, Schritte zu unternehmen ihre Dollar-Verschuldung zu reduzieren.

          So will die Immobilien-Holding China SCE Property eine Anleihe im Volumen von 350 Millionen Dollar vorzeitig ablösen. Die Fluggesellschaft China Eastern Airlines will ihre Dollar-Schulden auch nach Rückzahlung von einer Milliarde Dollar kurzfristig weiter senken. Auch Wettbewerber Spring Airlines äußerte ähnliche Absichten, hat es  aber noch nicht eilig, weil man sich gegen Währungsschwankungen abgesichert habe.

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