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Anlage- und Reservewährung : Chinesische Unternehmen zahlen gerne in Renminbi

Verschiedene Währungen: Im Fokus liegt ein Dollar- und Renminbischein Bild: dpa

Immer mehr Beschränkungen für den Einsatz von Chinas Währung fallen. Dabei ist er bereits auf Rang sieben der wichtigsten Währungen weltweit angekommen.

          Von null auf 25 Prozent, eine derartige Dynamik ist wohl in so kurzer Zeit nur in China möglich. Erst fünf Jahre sind vergangenen, seit die chinesische Regierung den bis dahin nur im Inland erlaubten Renminbi als internationale Handelswährung zugelassen hat. Heute wird schon ein Viertel des chinesischen Außenhandels in Renminbi abgewickelt.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Für chinesische Unternehmen ist es heute einfacher, in Renminbi als in Dollar zu zahlen“, nennt Bernhard Esser, der die Schwellenländeranalyse der Bank HSBC leitet, einen Grund. Und Gabriele Schnell, bei HSBC für Zahlungsverkehr verantwortlich, fügt hinzu: „Wer chinesischen Unternehmen die Rechnung in Renminbi bezahlt, bekommt meist einen besseren Preis.“

          Beide Aussagen verdeutlichen, wie rasant die Regierung in Peking seit 2009 die Liberalisierung des Renminbi vorangetrieben hat. Bis auf Feinheiten sei der Renminbi auch für grenzüberschreitende Handelsgeschäfte heute voll konvertibel, sagte Esser. Voraussetzung für jede Zahlung in Renminbi sei allerdings, dass ihr ein Warengeschäft vorausgegangen sei.

          Über die Rolle als Handelswährung hinaus strebe die chinesische Regierung eine höhere Bedeutung des Renminbi als Anlage- und Reservewährung an. Obwohl bisher nur Zentralbanken von 24 asiatischen Länder die chinesische Währung in ihren Devisenreserven halten, schaffte es der Renminbi mit einem Rekordmarktanteil von 1,72 Prozent im September immerhin auf Rang sieben der wichtigsten Währungen, noch vor dem Schweizer Franken.

          Etliche Pilotprojekte halfen bei der Verbreitung

          Für die einzelnen Schritte zur Liberalisierung der chinesischen Währung habe es keinen Zeitplan gegeben, sondern sie würden durch etliche Pilotprojekte vorangetrieben, berichteten die beiden Fachleute. Wenn die Projekte erfolgreich verliefen, würden sie in China zügig flächendeckend eingeführt.

          HBSC Trinkaus & Burkhard in Düsseldorf arbeite zum Beispiel gerade für einen deutschen Kunden an einem Konzept, wie dieser ohne zugrundeliegende Gütergeschäfte Zahlungen in Euro in die Freihandelszone Schanghai an seine chinesische Tochtergesellschaft transferieren könne. Manuell sei dies jetzt schon möglich, im kommenden Halbjahr erlaubten die Systeme der Bank dann auch tägliche Zahlungen automatisiert zwischen Konten in Schanghai und Deutschland.

          Angst vor spekulativen Geldern aus dem Ausland

          Anders als im reinen Handelsgeschäft darf der Renminbi im Anlage- und Kapitalverkehr noch nicht unbegrenzt zwischen Festlandchina und dem Ausland verwendet werden. Die Chinesen behalten sich Genehmigungen vor aus Angst davor, dass spekulatives Geld aus dem Ausland das Land überschwemmt und Preisblasen bei Aktien und Immobilien entstehen.

          „Die Chinesen sind experimentierfreudig, aber sie setzen auf Kontinuität und nicht auf sprunghafte Veränderungen“, schildert Esser einen seiner Eindrücke. Der Fachmann von HSBC kann das nachvollziehen. In China seien Banken und Kreditkartensysteme staatlich, der Aktienmarkt werde zu 80 Prozent von Privatanlegern dominiert. Es gebe großen Reformbedarf, bevor sich China völlig dem internationalen Wettbewerb aussetze.

          HBSC kennt sich in China bestens aus. Die Bank ist vor fast 150 Jahren in Hongkong und Schanghai gegründet worden, hat aber heute ihren Hauptsitz in London. Mit 167 Filialen ist HSBC in China so präsent wie keine andere internationale Bank.

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