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Renminbi : Chinas Währung gilt jetzt auch in Simbabwe

Chinas Präsident Xi Jingping auf Staatsbesuch in Simbabwe Anfang des Monats. Bild: AP

Die Bürger von Simbabwe sind den Gebrauch verschiedener Währungen gewohnt. Jetzt kauft sich China seinen Einfluss.

          An fremde Währungen wie den amerikanischen Dollar oder den südafrikanischen Rand haben sich die Menschen in Simbabwe längst gewöhnt. Geht es nach dem Willen des Finanzministers Patrick Chinamasa soll bald auch der Renminbi zu einem gängigen Zahlungsmittel werden. Man wolle sich für eine stärkere Nutzung der chinesischen Währung einsetzen, sagte Chinamasa Anfang dieser Woche in der Hauptstadt Harare. Zuvor hatte die chinesische Regierung dem heruntergewirtschafteten afrikanischen Staat Schulden in einer Höhe von 40 Millionen Dollar erlassen.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Die asiatische Wirtschaftsmacht ist nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters mittlerweile der größte Investor in Simbabwe und der zweitgrößte Handelspartner nach Südafrika. Insgesamt habe China dem Land in den vergangenen fünf Jahren Niedrigzins-Kredite von mehr als einer Milliarde Dollar gewährt. Simbabwes Regierung hatte die eigene Währung, den Zim-Dollar, vor einigen Jahren nach einer schweren Rezession und jahrelanger Hyperinflation abgeschafft. Seitdem ist der Dollar die gängige Währung. Zudem werden Rand und das britische Pfund akzeptiert. Auch den Renminbi hatte die Zentralbank im vergangenen Jahr in ihren Währungskorb aufgenommen, doch im Alltagsleben spielt er fast keine Rolle.

          „Eine starke Botschaft“

          Simbabwe wurde wegen seiner fruchtbaren Böden einst als Brotkorb des Kontinents bezeichnet. Das Land war ein wichtiger Tabakproduzent und verfügt über zahlreiche Bodenschätze wie Platin, Kohle und Chrom. Doch unter der Führung des heute 91 Jahre alten Robert Mugabe erlebte die Wirtschaft einen rasanten Niedergang. Menschenrechtsverletzungen, Enteignungen und die Vertreibungen weißer Bauern schrecken Investoren ab. Nach Schätzungen arbeiten zwei Millionen Simbabwer in Südafrika, um ihre Familien in der Heimat zu ernähren.

          Mit der Einführung des Dollar ist zwar die Phase der Hyperinflation zu Ende gegangen. Doch die Wirtschaft steckt noch in einer tiefen Krise, Preise sinken, viele Betriebe müssen schließen, der Staat hat Schwierigkeiten, seine Angestellten zu bezahlen. Die amerikanische Währung erweist sich nicht nur als Segen. Wegen der Abwertung vieler afrikanischer Währungen haben Simbabwes Unternehmen jüngst kräftig an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Nachbarstaaten verloren. Der Rand beispielsweise hat seit Beginn dieses Jahres rund 30 Prozent gegenüber dem Dollar an Wert verloren.

          Simbabwes Präsident Mugabe bezeichnete den Renminbi als Hoffnungsträger. Die stärkere Nutzung der chinesischen Währung werde Liquidität bescheren und die Wirtschaft ankurbeln. Wie sein Finanzminister zuvor erklärt hatte, sollen chinesische Touristen zunächst mit ihrer eigenen Währung bezahlen können. Auch der Staat könne Schulden in Renminbi an chinesische Gläubiger zurückzahlen. „Es gibt keinen besseren Zeitpunkt dafür“, sagte Chinamasa, „Wir sehen uns jetzt verschiedene Einsatzmöglichkeiten an.“

          Ökonomen in Südafrika zeigten sich skeptisch über den unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen. Es handle sich um ein „interessantes Experiment“, sagte Iraj Abedian, der Chef des Investitionshauses Pan African Investments and Research Services in Johannesburg. Dahinter steckten jedoch vor allem politische Interessen. „Mugabe schickt damit eine starke, gegen die westliche Welt gerichtete Botschaft.“ Anfang Dezember hatte der chinesischen Präsident Xi Jinping Zimbabwe besucht und dort mehrere Kredite für verschiedene Infrastrukturprojekte wie die Renovierung von Kraftwerken zugesichert.

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