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Yuan-Abwertung : China macht sich billiger

Um die wichtigen Exporte anzukurbeln, hatte Chinas Zentralbank die Landeswährung Yuan so stark abgewertet wie noch nie zuvor an einem einzigen Handelstag Bild: dpa

Peking wertet seine Währung deutlich ab und schockt die Welt. Was als Schritt zu mehr Marktwirtschaft verkauft wird, könnte in Wahrheit der simple Versuch sein, die eigene Exportwirtschaft auf Kosten anderer Länder zu stärken.

          Es ist noch mitten in der Nacht in New York, wo der amerikanische Milliardär Donald Trump, der gerne republikanischer Präsidentschaftskandidat werden will, seine Wahlkampfzentrale hat. Doch bei einigen Mitarbeitern dürften die Blackberrys bereits gesummt haben, gilt es doch, ein Geschenk aus Übersee in steigende Umfragewerte umzumünzen, das für den ausgewiesenen China-Kritiker Trump nicht hätte schöner ausfallen können: die chinesische Zentralbank hat den Renminbi (Yuan) mit 1,9 Prozent so stark abgewertet, wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          In Amerika wirft längst nicht nur Donald Trump den Chinesen vor, ihre Währung künstlich niedrig und somit chinesische Produkte billig zu halten, um die eigene Exportwirtschaft zu stärken – auf Kosten der amerikanischen Industrie. Doch jüngst wollte der Vorwurf nicht mehr richtig ziehen. In den vergangenen zehn Jahren hat Chinas Währung gegenüber dem Dollar um ein Drittel aufgewertet. Im April hatte das amerikanische Finanzministerium in seinem halbjährlichen Bericht zu den weltweiten Wechselkursen zwar wie gewohnt geschrieben, der Renminbi sei „signifikant unterbewertet“.

          Doch gleichzeitig erkannten die Amerikaner die Aufwertung der chinesischen Währung in den vergangenen Jahren an. Einen Monat später legte dann der Internationale Währungsfonds (IWF) mit Sitz in Washington nach und schrieb, der Renminbi sei überhaupt nicht mehr unterbewertet, was als Zeichen gedeutet wurde, dass Chinas Währung bald in den Korb der Sonderziehungsrechte aufgenommen werden und damit den Status einer Reservewährung erlangen könnte, ein erklärtes Ziel Pekings auf dem Weg zurück an die Weltspitze.

          Der schwächelnde Export der Chinesen

          Nun aber wertet die weisungsgebundene Pekinger Zentralbank, die ein Teil der chinesischen Regierung ist, ab. Und wie: fast 2 Prozent sind das Fünffache des bisher größten Abwertungsschritts vor fast auf den Tag genau fünf Jahren, als die Währungshüter den täglichen Referenzwert zum Dollar um 0,36 Prozent senkten. Das ist Wasser auf die Mühlen all jener China-Kritiker, die dem Land eine so genannte „Beggar-thy-neighbour“-Politik (den Nachbarn ausplündern) vorwerfen: wenn die Exportprodukte eines Landes mehr verkauft werden, weil sie durch die Währungsabwertung günstiger geworden sind, steigen zwar im abwertenden Land Arbeitsplätze, Einkommen und Konsum. Doch weil dies auf Kosten der Exporte anderer Länder geschieht, geht der weltweite Handel insgesamt zurück, das Wachstum der Weltwirtschaft sinkt, Rezession droht.

          Chinas Zentralbank begründet den Abwertungsschritt dann auch nicht mit dem schwächelnden Export, der in China im Monat Juli überraschend stark um 8,3 Prozent zurückgegangen ist. Die Währungshüter zeichnen die „einmalig“ betitelte Abwertung als Schritt hin zu einer stärkeren Öffnung der chinesischen Währung für die Marktkräfte.

          Chinas Zentralbank setzt bisher jeden Morgen den Referenzwert des Renminbi zum Dollar fest. Im täglichen chinesischen Währungshandel darf der Yuan um diesen Wert herum 2 Prozent aufwerten oder abwerten („daily fixing“). In der Theorie soll die Zentralbank bereits bisher bei der täglichen Festsetzung die Marktbewegung vom Vortag mit in die Entscheidung einbeziehen: wetten die Währungshändler auf einen stärkeren Yuan, soll die Zentralbank den Referenzwert zum Dollar höher ansetzen. In der Vergangenheit hat die Zentralbank die Marktbewegung jedoch oft ignoriert. Das soll sich nun ändern. Peking stellt dies als Zugeständnis an den IWF dar, der noch in diesem Jahr darüber entscheiden könnte, ob Chinas Währung in den Korb der Sonderziehungsrechte aufgenommen wird.

          Chinas Regierung wird nervös

          Angesichts der zunehmenden Sorgen, dass die chinesische Volkswirtschaft in diesem Jahr das Wachstumsziel von 7 Prozent klar verfehlen könnte, erscheint es vielen Beobachtern jedoch als wahrscheinlicher, dass Chinas Regierung nervös wird und durch die Währungsabwertung schlichtweg der Exportwirtschaft einen Schub verleihen will. Die Börsianer in Schanghai haben das am Dienstag äußerst zwiespältig aufgefasst: anstatt dass sie sich darüber freuten, dass Chinas große Exportindustrie nun mehr Waren verkaufen könnte und Aktien kauften, bewegten sich die Kurse kaum, der Schanghaier Markt endete mit 0,01 Prozent im Minus gegenüber dem Vortag. Alle Werte, die irgendwie mit Gold zu tun hatten, gewannen.

          Denn was die Abwertung der chinesischen Währung in den Augen vieler vor allem zeigt, ist die Furcht der Regierung vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft. Mit vielen Maßnahmen zur Stärkung der Konjunktur war gerechnet worden: mit einer weiteren Senkung der Zinsen, um die Kreditvergabe anzukurbeln – es wäre die fünfte gewesen seit vergangenem November. Auch dass Peking ein weiteres Konjunkturpaket auflegt war erwartet worden. Dass die Regierung nun den radikalen Schritt einer deutlichen Währungsabwertung geht, macht nicht nur in China den Anlegern Angst, die zweitgrößte Wirtschaft der Welt könnte nur ein Scheinriese sein.

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