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China : Währungsreserven von 2000 Milliarden Dollar

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Bild: FAZ.NET

Zwei Trends scheinen trotz allem Gerede über Regulierung und Abbau von Ungleichgewichten unaufhaltsam zu sein: Die rasant zunehmende Verschuldung westlicher Länder und das ebenso rasante Wachstum chinesischer Währungsreserven.

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          Krise hin oder Krise her, zwei Trends scheinen trotz allem Gerede um die Regulierung der Finanzmärkte und den Abbau von globalen Ungleichgewichten unaufhaltsam zu sein.

          Der erste ist die rasant zunehmende Verschuldung in vielen westlichen Ländern, allen voran in den Vereinigten Staaten. Dort weist der Staatshaushalt erstmals in der Geschichte ein Defizit von 1,1 Billionen Dollar aus.

          Exportunberschüsse und Zufluss heißer Gelder ...

          Der andere ist die stetig und rasante Zunahme der chinesischen Währungsreserven. Nach jüngsten Angaben der chinesischen Zentralbank haben sie nach einer Zunahme um 187 Milliarden Dollar im zweiten Quartal die gigantische Summe von 2,132 Billionen oder von 2.132 Milliarden Dollar erreicht. Die Tatsache, dass sich der Überschuss im Außenhandel wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise im gleichen Zeitraum auf knapp 35 Milliarden Dollar belief, zeigt, dass dem Land heißes Kapital zugeflossen sein muss.

          Tatsächlich wetten die internationalen Anleger schon seit Monaten intensiv darauf, dass sich die chinesische Wirtschaft rasant von ihrer Schwäche erholen werde. Dazu soll vor allem die extrem lockere Geldpolitik des Landes und das sehr große Ausgabenprogramm des Staates im Gegenwert von mehr als 500 Milliarden Dollar beitragen.

          Die Exzessivität der chinesischen Geldpolitik zeigt sich daran, dass die Geldmenge M2 in den vergangenen fünf Monaten mit Wachstumsraten zwischen 20 und 28,5 Prozent zunahm, während das Wirtschaftswachstum deutlich geringer war. Im zweiten Quartal dürfte Wirtschaftswachstum des Landes bei knapp acht Prozent gelegen haben. Gleichzeitig sind die Zinsen, die zwischen 1,7 Prozent im Drei-Monatsbereich und vier Prozent bei zehn Jahren Laufzeit liegen, unnatürlich tief und für Anleger wenig attraktiv. Nach einer Erhöhung der Mindestreservesätze von 7,5 auf bis zu 17,5 Prozent vor einem Jahr hat die chinesische Zentralbank in den vergangenen Monaten sogar auch diese Schraube zurückgedreht auf zuletzt 15,5 Prozent.

          Kein Wunder also, dass die Immobilienpreise und die Börsen des Landes aufgrund des geldpolitischen „Overkills“ ungeachtet der massiven Überbewertung und einer falschen, nach wie vor auf den Export ausgerichteten, Wirtschaftsstruktur des Landes massiv nach oben laufen und dabei noch heißes Geld aus dem Ausland anziehen. Normalerweise würden stetige Handelsüberschüsse und Zuflüsse an Geldern die Währung eines Landes aufwerten lassen. Der Wechselkurs hätte auf diese Weise einen dämpfenden Effekt, da er die Währung teurer machte.

          ... sind ebenso problematisch wie die Manipulation der Wettbewerbsverhältnisse

          Die chinesische Währung ist allerdings nicht frei handelbar. Nach einer leichten Aufwertung gegen den Dollar wird der Wechselkurs inzwischen allerdings wieder bei etwa 6,83 Yuan je Dollar festgehalten. Gegen den Euro dagegen neigt die chinesische Währung zusammen mit dem Dollar in der Tendenz zur Schwäche. Die Kombination der verschiedenen Faktoren führt dazu, dass China seine Exportindustrie über eine künstlich geschwächte Währung subventioniert, sich Wettbewerbsvorteile zum Nachteil anderer Unternehmen weltweit erhält, dass die Währungsreserven immer größer werden und längst nicht mehr sinnvoll investiert werden können, dass die Zinsen stark verschuldeten Staaten wie den Vereinigten Staaten zu tief sind und dass die geldpolitischen Probleme im Binnenmarkt immer größer werden.

          China versucht zwar, den Zufluss spekulativer Gelder zu kontern indem es chinesischen Firmen erlaubt, im Ausland erzielte Erträge dort zu belassen. Gleichzeitig werden die auflaufenden Währungsreserven nicht mehr so stark wie in der Vergangenheit in amerikanische Staatsanleihen investiert. Statt dessen werden weltweit Unternehmen übernommen oder Rohstoffe gehortet. Im ersten Quartal importierte das Land gewaltige Mengen an Eisenerz, Industriemetallen und anderen Rohstoffen. Sollten jedoch noch mehr Gelder in diese engen Märkte fließen, dürften sie unweigerlich wieder die Preise nach oben treiben und auf diese Weise die Preisgefüge weltweit in Bewegung bringen.

          Letztlich liege der Schlüssel zur Lösung der immer größer werdenden Probleme darin, die chinesische Währungspolitik weitere zu flexibilisieren, erklären kritische Analysten. Nur so lasse sich vermeiden, dass immer mehr Firmen ihre Produktionsstandorte in das währungstechnisch subventionierte China verlagerten und auf diese Weise die Produktionsbasis in den Industriestaaten immer weiter ausbluteten. Letztlich liege das auch im Interesse Chinas selbst. Immerhin würden die Risiken immer größer, dass das Land mit seinen im Ausland angelegten Mitteln Kursverluste hinnehmen müsse.

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