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Währungskurs : China kämpft gegen Kapitalabflüsse ins Ausland

Chinas Notenbank strafft ihren geldpolitischen Kurs. Bild: dpa

Für die chinesische Zentralbank ist der Schwund der Dollarreserven kein Problem: Sie will den Yuan stabil halten. Bei Investitionen in bestimmte Sparten soll aber Kapital ins Ausland fließen dürfen.

          Die chinesische Zentralbank ist Spekulationen entgegengetreten, nach denen China angesichts eines Handelskrieges mit Amerika und eines Anstiegs der amerikanischen Zinsen seine Währung Yuan freier schwanken lassen könnte. Der Yuan, der auch Renminbi genannt wird, steht aufgrund der schwächelnden chinesischen Wirtschaft und massiver Kapitalabflüsse aus dem Land unter Druck und hat in den vergangenen zwölf Monaten zum Dollar rund 6 Prozent an Wert verloren.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Der Yuan bleibe dieses Jahr „stabil“, sagte Zentralbank-Gouverneur Zhou Xiaochuan am Rande des Volkskongresses in Peking. Pressekonferenzen der von der Regierung nicht unabhängigen chinesischen Währungswächter sind in China extrem selten. Zhou hat sich seit Sommer nicht öffentlich geäußert. Der Yuan werde sich im laufenden Jahr „automatisch“ stabilisieren, weil Chinas Wirtschaft gestärkt sei und „das globale Vertrauen in die Wachstumsaussichten“ der zweitgrößten Volkswirtschaft wieder zunehme, sagte er.

          In der Sowjetunion hießen die Versuche ausländischer Berichterstatter, die unklaren Machtstrukturen zu durchdringen, „Kreml-Astrologie“. In China werden Vorhersagen über die intransparente Politik Pekings „Teeblätter-Lesen“ genannt. Als Beispiel dafür darf die Spekulation Ende vergangener Woche gelten, nachdem ein Satz im Regierungsbericht von Ministerpräsident Li Keqiang dahingehend gedeutet worden war, dass in China eine geldpolitische Kehrtwende anstehen könnte. Peking könnte seine massiven Dollar-Verkäufe zur Stützung des fallenden Yuans künftig zurückfahren und Chinas Währung zugunsten der schwächelnden heimischen Exportindustrie erheblich abwerten lassen, hatte es geheißen

          Kapitalabflüssen stoppen

          Chinas Währungsreserven sind infolge der Stützungsmanöver für den Yuan innerhalb eines Jahres um 1 Billion auf zeitweise unter 3 Billionen Dollar geschrumpft. Zum Stand Ende Februar waren sie wieder leicht über die Marke von 3 Billionen Dollar gestiegen, die mancher in der Volksrepublik als Untergrenze dessen ansieht, was das Land an ausländischen Reserven halten sollte.

          Der 69 Jahre alte Zentralbank-Gouverneur Zhou, der innerhalb der chinesischen Führung als wirtschaftsliberal gilt, aber nach den Regeln von Chinas Führung aufgrund seines Alters nicht mehr allzu lange im Amt bleiben dürfte, lieferte am Freitag keinen Hinweis darauf, dass die Zentralbank ihre Interventionen stoppen könnte. Dass die Reserven sänken, sei „nicht schlimm“ und ein „normales Phänomen“, sagte Zhou. 4 Billionen Dollar an Reserven, wie sie China noch vor einem Jahr aufwies, seien „nicht notwendig“. Auch mit 3 Billionen Dollar habe das Land nach wie vor die größten Devisenreserven in der Welt.

          Die scharfen Kapitalkontrollen, mit denen Peking seit Herbst die Kapitalabflüsse aus China heraus zu stoppen versucht, verteidigte Zhou. Während des Volkskongresses hatten Unternehmer ungewohnt lauthals darüber geklagt, dass sie seit Einführung der Kontrollen keine oder nur noch erschwert Investitionen im Ausland genehmigt bekämen. Dies soll die Mittelabflüsse stoppen, die den Yuan schwächen. Zhou sagte am Freitag, dass Investitionen in den Branchen Sport und Unterhaltung China nicht „dienten“ und reguliert würden. Akquisitionen ausländischer Unternehmen, mit denen die Qualität von Produkten verbessert sowie Entwicklung und Forschung vorangetrieben werden können, seien hingegen „kein Problem“.

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