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Gold zum Anfassen : Bundesbank eröffnet umgebautes Geldmuseum

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Millionenangebot: Die Stadt zahlt künftig für viele Jugendliche unter 18 Jahren den Eintritt in den Zoo und in Museen. Bild: dpa

„Geld kann man nicht essen“ - aber für das tägliche Leben braucht man es doch. Die Bundesbank gibt in ihrem neugestalteten Geldmuseum Antworten auf viele Fragen rund ums Geld - und bietet einiges zum Anfassen.

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          „Boah, ist das alles echt?“ - die Fotos vom Goldschatz der Bundesbank beeindrucken die Viertklässler mächtig. Und es kommt noch besser im neugestalteten Geldmuseum der Bundesbank in Frankfurt: Ein Goldbarren zum Anfassen. Kleiner als eine Milchtüte, aber mit rund 12,5 Kilogramm so schwer, dass man ihn in der engen Vitrine nur mit Mühe um Millimeter in die Höhe bekommt.

          Ayman (10) aus Frankfurt hat eine klare Vorstellung, was er sich für die 440.000 Euro kaufen würde, die der Barren aktuell etwa wert ist: „Erstmal eine Villa, dann einen Pool, dann nehme ich noch vier Mäuse, drei Hunde, fünf Katzen und einen ganzen Garten für Tiere.“

          Über Mäuse im übertragenen Sinne können Kinder und Erwachsene auf der von 600 auf 1000 Quadratmeter erweiterten Ausstellungsfläche auf dem Gelände der Bundesbank-Zentrale im Frankfurter Nordwesten einiges lernen: Geld von A bis Z, nach dem Motto: „Money makes the world go round.“

          Die Preise des alltäglichen Lebens

          Aber: Was ist Geld eigentlich? Womit wurde früher bezahlt? Wie sehen die Scheine in fernen Ländern aus? Wie funktioniert eine Bank? Und was macht eigentlich eine Notenbank wie die Europäische Zentralbank (EZB)?

          Die Ausstellungsmacher bemühen sich, auch abstrakte Themen begreifbar zu machen. Warum muss ich im Supermarkt für die gleiche Menge Äpfel einmal 1,99 Euro und dann 2,40 Euro bezahlen? Nur, weil die einen „bio und die anderen gespritzt“ sind, wie Leila (10) meint? Oder vielleicht doch, weil Inflation beim Einkaufen eine größere Rolle spielt, als sich Verbraucher bewusst machen? „Wenn ich hier sehe, dass 100 Euro in fünf Jahren nur noch einen Wert von 80 Euro haben, ist das natürlich schon beängstigend“, sagt Gerlinde Adam (75).

          „Inflation als Thema bleibt abstrakt, aber wenn man einen Supermarkt darstellt, wird klar: Es geht um die Preise in meinem täglichen Leben“, erklärt der für das Geldmuseum zuständige Abteilungsleiter Tobias Pohl die Idee hinter der neuen Ausstellung mit 360-Grad-Kino, Quiz-Stationen, Videoeinspielern und großen Monitoren, die die Besucher selbst steuern können.

          Von Falken und Tauben

          „Vielen Menschen fehlen elementare Grundkenntnisse zum Verständnis des Geldwesens“, begründet Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele das Engagement der Notenbank. 1999 betrat die Bundesbank mit ihrem Geldmuseum Neuland, im September 2014 begann der Umbau, den sich die Bundesbank 19 Millionen Euro kosten ließ. Thiele zeigt sich begeistert: „Das Thema „Geld“ wird nirgendwo auf der Welt so anschaulich präsentiert und so eindrücklich inszeniert.“

          In den vier Themenbereichen „Bargeld“, „Buchgeld“, „Geldpolitik“ und „Geld global“ spannt die Ausstellung den Bogen von ersten Münzen - etwa der weltweit einmaligen Goldmünze des Brutus, die an die Ermordung Caesars am 15. März des Jahres 44 vor Christi Geburt erinnert - bis zu digitalem Geld. Von den Anfängen der Europäischen Währungsunion bis zur aktuellen Geldflut der EZB - alles zweisprachig auf Deutsch und Englisch. Ein „Banknotenschwarm“ versammelt 174 Geldscheine aus 229 Ländern und Gebieten der Welt in einer Glaswand. „Manche sehen aus wie Spielgeld, wie bei Monopoly“, findet Julia (9).

          Weniger spielerisch geht es in dem Teil der Ausstellung zu, der sich um das dreht, was Notenbanken tun: Geldpolitik. Animierte Schaubilder sollen demonstrieren, was passiert, wenn die Zentralbank die Zinsen anhebt oder senkt. Oder wie es sich auswirkt, wenn die EZB Milliarden in den Kauf von Staatsanleihen pumpt wie derzeit. Hier und da räumen die Ausstellungsmacher offen ein, dass letztlich doch manches an der Oberfläche bleiben muss - etwa an der Stelle, wo ein Falke und eine Taube als Symbol für straffe beziehungsweise lockere Geldpolitik gezeigt werden: „Der Komplexität geldpolitischer Entscheidungen wird diese Beschreibung ... nicht gerecht.“

          40.000 Besucher pro Jahr besuchten das alte Geldmuseum, überwiegend Schulklassen aus ganz Deutschland. Im neuen Museum sollen es nach Vorstellung der Bundesbank noch mehr werden. „Ich bin überzeugt: Das Geldmuseum wird ein Besuchermagnet“, sagt Vorstand Thiele.

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