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Britisches Pfund : Schwächste Währung der vergangenen Wochen

  • Aktualisiert am

Bild: FAZ.NET

Nach einer Zwischenerholung befindet sich das britische Pfund wieder seit Wochen in der Defensive. Es gibt im Markt starke Zweifel, ob Großbritannien rechtzeitig aus seiner Schuldenpolitik aussteigen kann und will.

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          Das britische Pfund ist nach einer Erholungsbewegung nach dem Ausverkauf im vergangenen Jahr wieder in die Defensive geraten. Es zählt neben der isländischen Krone zu den schwächsten Währungen der vergangenen Wochen weltweit. Gegen den israelischen Schekel wertete es sogar um sieben Prozent ab. Dazu beigetragen haben dürften Spekulationen auf die nunmehr erfolgte Zinserhöhung von 0,25 Basispunkten auf 0,75 Prozent durch die israelische Zentralbank.

          Augenfällig ist auch der Vergleich der britischen mit der isländischen Währung. Die isländische Krone ist schwach, weil das Land nach einer gigantischen Konsum- und Investitionsorgie auf Pump und vor allem auch wegen der massiven Misswirtschaft der großen Banken des Landes weitgehend zahlungsunfähig ist, nachdem es die Banken verstaatlicht hat.

          Verschuldung des Staates nimmt rasant zu

          In Großbritannien wird die Lage wegen der kruden Wirtschafts- und Finanzpolitik des Landes in den vergangenen Jahrzehnten und vor allem auch aufgrund der in den vergangenen Monaten eingeschlagenen Strategie immer prekärer und jener Islands ähnlicher. Sie zeigte sich zuletzt daran, dass das Budgetdefizit des Landes alleine im Juli 8 Milliarden Pfund betrug. Der Markt war von einem Minus von 600 Millionen Pfund ausgegangen.

          Die britische Regierung versucht bei fallenden Staatseinnahmen mit einer Ausgabenorgie bisher kaum gesehenen Ausmaßes gegen die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise anzugehen. Dabei war diese nur eine Folge davon, dass die britischen Konsumenten und vor allem auch die Banken des Landes ihre Bilanzen in den vergangenen Jahrzehnten bis zum allerletzten ausreizten, um dem Konsum zu frönen beziehungsweise um mit dem billigen Geld der generösen Zentralbanken ohne Rücksicht auf Verluste riskante Geschäfte an den Finanzmärkten zu tätigen.

          Für die Banker und das Land zahlte sich das zunächst aus, da sie satte Boni erhielten, die sie schließlich freudig konsumierten. Das trug zum vergangenen Konsum- und Immobilienboom bei. Längst ist dieser unhaltbare Scheinboom jedoch zum Bumerang geworden: Der britische Staat musste die Banken mit riesigen Summen und weiteren Garantien „stabilisieren“, das heißt subventionieren. Aber nicht nur das. Denn die Krise zwingt Unternehmen und private Haushalte dazu, ihre Bilanzen zu sanieren und mehr zu sparen als früher. Das führt zu verhaltener Nachfrage.

          Wird in Großbritannien rechtzeitig gebremst?

          Dem versuchen Regierung und Zentralbank mit extrem lockerer Geldpolitik und Staatsausgaben zu begegnen. Die entstandene Nachfragelücke solle vorübergehend geschlossen werden, heißt es gemeinhin. Das führt nicht nur zu rasant steigenden Schulden - das Verhältnis von Staatverbindlichkeiten ohne die Berücksichtigung diverser unterfinanzierter Schattenhaushalte zum britischen Bruttoinlandsprodukt ist von 35 Prozent vor zwei Jahren auf zuletzt 57 Prozent gestiegen-, sondern auch zur Frage, ob sich auf diese Weise das in den Jahren des Booms erreichte Wirtschaftsniveau dauerhaft wieder wird erreichen und vor allem auch halten lassen.

          Daran gibt es viele Zweifel. Das britische Wachstum war in den vergangenen Jahren zu einem großen Teil vom boomenden Finanzsektor abhängig. Der zeichnet sich in dein Industriestaaten durch gewaltige Überkapazitäten und Aktivitäten aus, die der Realwirtschaft nicht nur nichts nutzen, sondern sie im Kern viel Geld kosten. Kritiker argumentieren, man müsste den Finanzbereich ausmisten, statt ihn mit öffentlichen Geldern zu päppeln. Schließlich werde selbst der Staat als ultimativer Garant (siehe auch: ) früher oder später an seine finanziellen Grenzen stoßen. Es gibt allerdings Zweifel, ob Großbritannien das rechtzeitig erkennen kann und will. Zu gut hat man in den vergangenen Jahrzehnten vom langfristig nicht haltbaren Finanzboom profitiert. Aus diesem Grund dürften Anleger das Pfund mittel- und langfristig kritisch betrachten. Manche gehen sogar davon aus, dass erst eine ernsthafte Währungskrise zu einem Umdenken führen wird.

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