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Brexit : Referendum stellt Banken und Börsen vor Härtetest

  • Aktualisiert am

Das Lächeln der Queen ziert die Geldnoten des Pfundes. Bild: Reuters

Die Abstimmung über den Brexit wird für einen turbulenten Handel sorgen. Halten die Systeme dem Ansturm stand oder kommt es zu einer Überlastung?

          5 Min.

          Die Wahlnacht wird spannend werden. Die Wahllokale in Großbritannien sind am morgigen  Donnerstag bis 23 Uhr deutscher Zeit geöffnet. Normalerweise werden unmittelbar danach Ergebnisprognosen auf Basis von Wählerbefragungen veröffentlicht. Doch nach dem Referendum gibt es solche „exit polls“ nicht. Einige Hedgefonds und Banken haben deshalb eigene Wählerbefragungen in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse nur sie selbst erhalten. Im Idealfall könnten sie damit frühzeitig abschätzen, wie das Referendum ausgeht und hätten dadurch einen Zeitvorsprung gegenüber anderen Marktteilnehmern. Alle anderen müssen warten: Die ersten Auszählungsergebnisse werden mitten in der morgigen Nacht, gegen 1.30 Uhr deutscher Zeit erwartet. Je nachdem, wie deutlich das Wahlergebnis ausfällt, könnte zwischen 4 Uhr und 6 Uhr feststehen, ob die Briten in der EU bleiben werden oder nicht. Mit dem offiziellen Ergebnis wird gegen 8 Uhr deutscher Zeit gerechnet.

          Vor allem im Devisenhandel wird die Nacht mit Spannung erwartet. Anders als an Aktienbörsen gibt es im globalen Devisenhandel keine Börsenschließzeiten. Es wird rund um die Uhr gehandelt. Seit Wochen bereiten sich Devisenhändler und Banken auf diese spezielle Nacht vor. In London, dem wichtigsten Zentrum des globalen Währungsgeschäfts, haben die Banken die Besetzung in ihren Handelssälen aufgestockt und teilweise im Finanzviertel Canary Wharf Hotelzimmer für ihre Mitarbeiter gebucht. „Unsere Kunden werden rund um die Uhr handeln können“, sagte ein Sprecher der britischen Großbank Barclays am Mittwoch. Auch Volkswirte und Analysten seien in London die ganze Nacht im Einsatz.

          Auf unbeglichenen Rechnungen in Millionenhöhe sitzen geblieben

          Für den Fall eines Brexit-Votums sagen Analysten einen Kurssturz des britischen Pfunds voraus. Gibt es eine Mehrheit für den Verbleib in der EU, würde das Pfund dagegen wohl deutlich zulegen. Der britische Währungsdienstleister Ebury geht von eine Spanne von bis zu minus 8 Prozent im Falle eines Brexit und plus 4 Prozent bei einem Verbleib aus. „Da die Umfragen zum Referendum sehr eng und nur zwei Ergebnisse möglich sind, erwarten wir auch große Marktbewegungen nach dem Resultat“, heißt es.

          Erwartet wird aber nicht nur im Währungsgeschäft eine Achterbahnfahrt der Kurse. Der britische Finanzminister George Osborne hat in dieser Woche explizit offengelassen, ob die Londoner Aktienbörse am Freitagmorgen dann überhaupt wie gewohnt öffnet. Denkbar wäre auch eine Handelsunterbrechung, um den Anlegern mehr Zeit zu geben, das Referendumsergebnis einzuordnen und Panikreaktionen zu dämpfen. Die Schweizer Großbank UBS warnte, dass es am Freitag im Fall von starken Marktschwankungen zur Verzögerung bei der Abwicklung von Kundenaufträgen kommen könne.

          Mehrere Handelsplattformen haben kurz vor dem Referendum die Möglichkeiten eingeschränkt, auf die Entwicklung des Pfunds oder englischer Aktien zu spekulieren. Beim deutschen Online-Broker Flatex können Kunden von diesem Donnerstag an mindestens drei Handelstage lang auf die meisten Differenzkontrakte (CFD) nur noch einen Hebel von 20, statt wie sonst 100 wählen. Kunden sollen damit vor einer Nachschusspflicht bewahrt werden, sagte ein Sprecher. Ähnliche Beschränkungen haben auch die Saxo Bank und Swissquote eingeführt; aus Erfahrung: als Anfang 2015 der Schweizer Franken überraschend rasant aufwertete, verzeichneten viele Anleger horrende Verluste, weil der Währungsmarkt kurzzeitig komplett ausgetrocknet war. Die Broker blieben teilweise auf unbeglichenen Rechnungen in Millionenhöhe sitzen.

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