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Umzug der Banken : Brexit-Euphorie treibt Frankfurts Immobilienpreise

Boomtown? Frankfurt will vom Brexit profitieren. Bild: dpa

Britische Banker könnten sich bald in Frankfurt nach Wohnungen umsehen. Die Deutsche Bank prophezeit einen Boom. Doch nicht alle teilen die Erwartung steigender Preise.

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          Seit die Briten im Juni 2016 für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt haben, herrscht am Frankfurter Immobilienmarkt Brexit-Phantasie. Und seit Premierministerin Theresa May in der vergangenen Woche den harten Schnitt zur EU skizziert hat, herrscht so etwas wie Brexit-Euphorie. Denn es wird erwartet, dass mehrere Großbanken nun bald entscheiden werden, wohin sie einen Teil der bisher in London angesiedelten Arbeitsplätze verlagern werden.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die amerikanische Großbank Goldman Sachs zum Beispiel soll sich in Frankfurt im Bürohaus Messeturm, wo sie schon für 200 Mitarbeiter einer der Hauptmieter ist, zwei weitere Etagen gesichert haben.

          „Nun, da der Brexit an Klarheit gewinnt, wird bei Firmen zunehmend nachgerechnet und geprüft, wo in Deutschland genug passende Büroflächen frei sind“, sagt Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW). „Nachgelagert dürfte ab dem zweiten Halbjahr auch die Nachfrage nach Wohnraum kommen.“ Im Fokus stünde vor allem Frankfurt. „Die Nachfrage nach hochwertigen Immobilien in Frankfurt dürfte weiter anziehen und die Preise treiben“, sagt Voigtländer. Auswirkungen könnten zudem in München spürbar sein, meint Voigtländer. „Die Stadt ist als Versicherungsstandort attraktiv.“

          Banken sind sich über Preise uneins

          Mit wachsender Nachfrage nach Büros rechnet auch der Immobilienspezialist BNP Paribas Real Estate. In einer global unsicheren Situation gewinne die Stabilität Deutschlands an Gewicht, gerade für internationale Investoren. Davon werde Frankfurt besonders profitieren. „Wir gehen davon aus, dass die Folgen dort nach dem Austrittsantrag der Briten bis März spürbar werden“, sagt Niederlassungsleiter José Martinez.

          Die Deutsche Bank schätzt, dass die Quadratmeterpreise in Frankfurt um 4 Prozent oder durchschnittlich 125 Euro steigen werden, falls 5000 zusätzliche Banker Wohnraum suchen. Am Frankfurter Büromarkt erwartet die Deutsche Bank jährliche Preissteigerungen von 2 Prozent.

          Doch nicht alle teilen die Erwartung weiter steigender Preise. Die Commerzbank hat vielmehr die Brexit-Phantasie im Jahr 2016 genutzt, um sich von einigen Büros in Frankfurt zu trennen. Darunter ist ihre Zentrale, die von Patrizia und Samsung erworben wurde.

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