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„Blutdiamanten“ : Diamanten-Branche ringt um ihren Ruf

  • -Aktualisiert am

Frauen auf der Suche nach Dimanten in Marange im Jahr 2006 - haben sich die Verhältnisse seither verbessert? Bild: AP

Die Preise für Diamanten haben sich in den vergangenen Monaten kräftig erholt. Die Branche ringt jedoch um ihren Ruf. Selbst Zimbabwe darf wieder Rohdiamanten aus den umstrittenen Marange-Minen exportieren.

          Käufer von Diamanten müssen weiterhin befürchten, dass sie unmenschliche Arbeitsbedingungen und Verstöße gegen die Menschenrechte begünstigen. Trotz großer Kritik an Simbabwe, dessen Militär mit Gewalt die Diamantenproduktion in Marange kontrolliert, hat das afrikanische Land die Erlaubnis erhalten, die Rohdiamanten zu exportieren.

          In der kommenden Woche wartet der Sondergerichtshof in Den Haag im Prozess gegen den liberianischen Ex-Präsidenten und Kriegsherrn Charles Taylor auf das Supermodell Naomi Campbell. Sie soll im Prozess gegen Taylor ob seiner Kriegsverbrechen bezeugen, dass der ehemalige afrikanische Staatschef ihr bei einem Besuch 1997 einen Rohdiamanten schenkte. Dies würde beweisen, dass Taylor entgegen seiner Beteuerung Rohdiamanten besessen hatte. Ihm wird vorgeworfen, jene „Blutdiamanten“ verkauft und mir ihrem Erlös Waffen für die brutale Bürgerkriegsarmee in Sierra Leone beschafft zu haben.

          Wie schwer es der Diamanten-Branche angesichts kräftig steigender Preise fällt, die Finger von Rohdiamanten zu lassen, die unter menschenunwürdigen Bedingungen, Ausbeutung, Missachtung der Menschenrechte und Brutalität geschürft wurden, zeigt der Fall Zimbabwe: Das World Diamond Council hat auf seinem Jahrestreffen vor wenigen Tagen entschieden, dass Zimbabwe in Marange geschürfte Rohdiamanten wieder in begrenztem Umfang mit dem Gütesiegel des Kimberley Process (KP) exportieren darf. Die Entscheidung ist umstritten. Für manche Marktteilnehmer wie den Weltverband der Diamantenbörsen ist dies ein gutes Signal, denn es zeige, dass die Branche mit dem Kimberley Prozess einen Mindeststandard durchsetzen könne. Für Kritiker ist es ein Hohn, dass die politische Elite von Zimbabwe mit den Marange-Diamanten die Möglichkeit erhalten könnte, unter zweifelhaften Bedingungen geschürfte Steine zum Auffüllen ihrer Kassen zu nutzen.

          Der Kimberley Process ist eine freiwillige Vereinbarung der Branche, ausschließlich Rohdiamanten zu handeln, deren Erlöse nachweislich nicht genutzt wurden, um Bürgerkriege zu finanzieren. Nach dieser engen Definition sind Rohdiamanten der Marange-Minen nicht zu beanstanden. Aber das brutale Vorgehen des Militärs von Zimbabwe mit Ermordung, Vergewaltigung und Gewalt gegen illegale Diamantensucher in Marange und die rücksichtlose Eigennutzung der Erlöse für die politische Elite des Landes haben zu bitteren Disputen in der Diamanten-Branche geführt.

          Integration Zimbabwes, um überhaupt Einfluss zu behalten

          Die Regierung Zimbabwes verlangt, dass die Diamanten mit dem Gütesiegel KB exportiert werden dürfen. Bergbauminister Obert Moses Mpofu kündigte Anfang des Monats gar an, die Diamanten zu verkaufen, egal ob ihnen das Siegel der Unbedenklichkeit erteilt werde oder nicht. Die Regierung knüpft große Hoffnungen an die Marange-Minen, die zu den lukrativsten und ergiebigsten Diamantenminen der Welt zählen.

          Ein Export der Diamanten außerhalb des Kimberley Prozesses unterminiert den Versuch der Branche, das Problem der „Blutdiamanten“ in den Griff zu bekommen. Das Ziel des World Gold Council war daher, Zimbabwe und den Export der Marange-Diamanten trotz aller Brutalität des Regimes in den Kimberley-Prozess einzubinden, um überhaupt Einfluss zu behalten. An den Gesprächen nehmen auch Hilfsorganisationen teil.

          Menschenrechtsverletzungen beim Gütesiegel beachten

          Neun Monate blockierte das World Diamond Council offiziell den Export von Marange-Diamanten, um Zimbabwe Zeit einzuräumen, die Verhältnisse zu ändern und „Minimum-Standards“ einzuhalten. Kontrollbesuche fanden vergangenes Jahr statt. Inoffiziell gelangen dennoch Rohdiamanten von Marange in den Handel.

          Die schweren Menschenrechtsverletzungen in Marange wurden derweil immer wieder von Hilfsorganisationen und Anfang des Monats erst vom Europäischen Parlament kritisiert. Hilfsorganisationen hätten es gern gesehen, wenn sich die Verhältnisse in Marange deutlich verbessert hätten, bevor der Diamantenexport mit KP-Siegel wieder aufgenommen worden wäre. Auch fordert das Europäische Parlament, dass der Begriff „Blutdiamant“ im Kimberley Prozess neu definiert wird und bei dem Gütesiegel grundsätzlich Menschenrechtsverletzungen berücksichtigt werden, nicht nur im Zusammenhang mit Bürgerkrieg. Kritiker in der Branche warnen zudem, dass die Entscheidungsträger im Kimberley Prozess zu sehr mit dem World Gold Council, der Industrie und den Regierungen der Produktionsländer verquickt seien.

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