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Quartalsbericht BIZ : Target-2-Salden gehen auf EZB-Käufe zurück

Das Hauptquartier der Bank der Zentralbanken in Basel Bild: Reuters

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sieht keine Anzeichen einer Kapitalflucht aus dem Süden in den Norden Europas. Die wachsenden Target-2-Salden gehen demnach auf EZB-Käufe zurück.

          Die Ungleichgewichte im Euroraum nehmen wieder zu. Doch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Bank der Zentralbanken, sieht in ihrem am Montag veröffentlichten Quartalsbericht keine Anzeichen einer Kapitalflucht aus dem Süden in den Norden Europas. Vielmehr macht Claudio Borio, Leiter der Währungs- und Wirtschaftsabteilung der BIZ, das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank (EZB) dafür verantwortlich. Zuletzt sind die Target-Forderungen der Bundesbank auf 800 Milliarden Euro gewachsen, während die Schulden Italiens auf mehr als 360 Milliarden Euro gestiegen sind.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hinter diesen Zahlen steht, vereinfacht gesagt, ein Mittelzufluss nach Deutschland und ein Abfluss aus Italien. Aufgrund der schwachen Verfassung vieler italienischer Banken liegt die Vermutung nahe, dass dort Geld abgezogen und etwa zu deutschen Banken verlagert wird. Dem hält BIZ-Abteilungsleiter Borio entgegen, dass sich die Vermutung einer Kapitalflucht aus Südeuropa nicht durch die Entwicklung der Absicherungsprämien für Kreditprämien (Credit Default Swaps; CDS) belegen lässt. „Vielmehr waren die Ungleichgewichte dem automatischen Effekt großvolumiger Anleihekäufe des Eurosystems zuzuschreiben, denen keine entgegengesetzten privaten Portfolioumschichtungen gegenüberstanden.“

          Im Rahmen des Kaufprogramms der EZB erwerben die Notenbanken des Eurosystems, darunter die Bundesbank, Staatsanleihen und andere festverzinsliche Wertpapiere. Wenn etwa Italiens Notenbank von internationalen Banken, die in London sitzen und üblicherweise ein Konto bei der Bundesbank in Frankfurt führen, italienische Staatsanleihen kauft, dann überweist die Banca d’Italia neu geschaffenes Zentralbankgeld an die Bundesbank, die dann im Gegenzug eine Target-Forderung verbucht. Bislang haben die Euro-Notenbanken Anleihen für 1,7 Billionen Euro erworben, wovon die Hälfte von Adressen außerhalb des Euroraums, aber mit Konto bei der Bundesbank stammt. Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Clemens Fuest, führt die wachsenden Target-Salden auf eine unterschiedliche Einschätzung der Sicherheitslage in den jeweiligen Euroländern zurück. Dagegen schließt sich Borio mit seiner technischen Begründung der Sichtweise der EZB an.

          Trumps Wahlsieg

          Insgesamt hält die BIZ an ihrer schon im vorangegangenen Quartalsbericht geäußerten Meinung fest, dass die Abhängigkeit der Finanzmärkte von den Zentralbanken nachgelassen hat. Stattdessen habe die Politik die Finanzmärkte im Griff. „Damit behauptet sie ihre Vorrangstellung gegenüber der Wirtschaft“, sagt Borio. Die Anleger hätten nach dem Sieg von Donald Trump in den amerikanischen Präsidentschaftswahlen ihre Bedenken bezüglich flauen Wachstums und hartnäckig niedriger Inflation über Bord geworfen. Nun drehe sich alles wieder um die Rückkehr der Inflation.

          Die Bedeutung des amerikanischen Dollars für das internationale Finanzsystem ist laut Hyun Song Shin, Leiter der BIZ-Wirtschaftsforschung, unverändert hoch. Die auf Dollar lautende Kreditvergabe an Unternehmen habe sich Ende September 2016 auf 10,5 Billionen Dollar belaufen. Das sei binnen sechs Monaten ein Anstieg von 420 Milliarden Dollar gewesen. Im gleichen Zeitraum erhöhten sich die Kredite an Unternehmen aus Schwellenländern um 87 Milliarden auf 3,6 Billionen Dollar.

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