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Steuerhinterziehung : Panama für alle

Bitcoins haben in ihrer kurzen Geschichte so extreme Wertschwankungen hinter sich, wie sie auf dem Devisenmarkt so gut wie gar nicht vorkommen. Bild: dpa

Wer Steuern vermeiden will, braucht keine Oase, sondern nur das Internet. Mit der Digitalwährung Bitcoin lässt sich leicht ein Vermögen verschleiern.

          Die führenden Finanzminister der Welt lassen in diesen Tagen ihre Muskeln spielen, um eine neue Aufholjagd auf Steuerflüchtlinge zu starten. Sie verständigten sich beim G-20-Treffen in Washington darauf, Steueroasen den Garaus zu machen. Aber was nützen Datenaustausch und sonstige Vorhaben, wenn gewiefte Zeitgenossen längst neue Schlupflöcher entdeckt haben.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist wie in der Geschichte vom Hasen und dem Igel: Wo der eine hin rennt, da lauert längst der andere. In diesem Falle an der nächstmöglichen Steueroase. Sie liegt nicht in Ländern wie Panama, sondern im Internet. Bitcoin, die digitale Währung, macht Steuervermeidung möglich.

          Dass virtuelle Währungen dazu geeignet sind, hat der Internationale Währungsfonds schon zu Jahresbeginn erklärt. Und zwar in einer Randbemerkung zu einer Studie, die kaum jemand wahrgenommen hat. Nun legen Steuerexperten wie Tina Ehrke-Rabel nach – und finden nach der Aufregung um die „Panama Papers“ womöglich eher Gehör. „Virtuelle Währungen wie Bitcoin können das neue Modell sein, um Steuerbelastungen zu reduzieren und vor allem der Hochbesteuerung zu entkommen“, sagt die Professorin, die an der Universität Graz das Institut für Finanzrecht der Rechtswissenschaftlichen Fakultät leitet.

          Derzeit, so hat Ehrke-Rabel beobachtet, würden Vermögende noch sondieren, inwieweit ihnen das Ausweichen auf Bitcoin nützlich sein kann. Aber auch Otto Normalsteuerzahler, für den eine Briefkastenfirma in weiter Ferne liegt, kann mit Bitcoin durchaus der Steuerlast entgehen. Ein Panama für alle also? „Das Steuerrecht ist auf so etwas nicht vorbereitet“, sagt Ehrke-Rabel. Die Behörden können gegen solche virtuellen Zahlungsströme vor allem deshalb nichts ausrichten, weil sie von nichts wissen.

          Verschlüsselte Formel von Ziffern und Zeichen

          Es gibt kaum einen sichereren Weg als über virtuelle Währungen, um Vermögen zu verschleiern. Allerdings muss man dafür willens und in der Lage sein, sich auf eine abstrakte und daher schwer nachvollziehbare Währungswelt einzulassen. Denn bei Bitcoin handelt es sich nicht um staatliches Geld, das von einer Notenbank herausgegeben und in ihrem Auftrag gedruckt wird. Sondern Bitcoins werden von einer Computersoftware hergestellt und von einer dezentral organisierten Nutzergemeinde verbreitet. Wer Bitcoin erwirbt, erhält keine Münzen oder Scheine, sondern eine verschlüsselte Formel von Ziffern und Zeichen. Deshalb wird Bitcoin auch als Kryptowährung bezeichnet.

          Es ist das Reizvolle an der virtuellen Währung, dass sie keinerlei Spuren hinterlässt. Zumindest so lange nicht, wie der Bitcoin-Besitzer in persona nicht mit seinem privaten Passwort in Verbindung gebracht wird. Dieses Passwort besteht aus 51 Zeichen, ist unmöglich zu knacken und ermöglicht es, Transaktionen aller Art vorzunehmen; also Bitcoins zu erwerben, damit zu bezahlen oder sie gegen eine staatliche Währung einzutauschen.

          Wie will man nachweisen, was jemand mit seinem Digitalgeld angestellt hat? „Ich muss schon jemanden dabei beobachten, wie er mit Bitcoins von einer bestimmten Bitcoin-Adresse etwas kauft. Dann habe ich zumindest ein Indiz, dass diese Person Eigentümer der Bitcoins auf dieser Adresse ist“, sagt Oliver Flaskämper, Gründer und Vorstand des deutschen Handelsplatzes bitcoin.de.

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