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Digitale Währung : Bitcoin vor dem nächsten Sprung nach oben

Im Höhenflug: Ein Bitcoin ist derzeit über 1000 Dollar wert. Bild: dpa

Der Kurs der Bitcoins erreicht in Euro neue Rekorde. 2016 war die digitale Währung deutlich erfolgreicher als andere Anlagemöglichkeiten; die Risiken sind jedoch groß.

          Das war eine schöne Überraschung zum neuen Jahr für Anleger der Digitalwährung Bitcoin: Erstmals seit mehr als drei Jahren stieg der Kurs der Devise wieder auf mehr als 1030 Dollar. In Euro gerechnet wurden sogar ganz neue Kurshöhen mit mehr als 991 Euro erreicht. Damit gehört der Bitcoin in den vergangenen 12 Monaten zu den begehrtesten Anlageformen, der Kurs stieg um 134 Prozent und ließ damit fast alle anderen Anlageformen deutlich hinter sich.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch woher kommt der neueste Sprung nach oben der digitalen Devise? Zum einen hat die Nachfrage aus China stark angezogen. Investoren versuchten mit Bitcoin-Käufen ihr Vermögen vor dem Wertverlust der Landeswährung Yuan zu schützen. Der Yuan verlor im Jahr 2016 rund sieben Prozent, so viel wie seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr.

          Auch in Indien, wo große Teile des Bargeldes eingezogen wurden, haben manche ihr Geld in Bitcoin in Sicherheit gebracht, aus Angst vor Wertverlusten. Zu guter Letzt sind unsichere politische Zeiten immer gut für vermeintlich sichere Häfen, so haben auch Edelmetalle im vergangenen Jahr stark zulegen können.

          Eine instabile Währung

          Aber es ist auch Vorsicht angesagt. Schon einmal, im Jahr 2013, stieg der Kurs des Bitcoin in schier schwindelerregende Höhen. Damals notierte ein Bitcoin bei 1216 Dollar, also in Griffweite des aktuellen Kurses. Doch innerhalb eines Jahres fiel der Kurs, zeitweise notierte ein Bitcoin lediglich bei weniger als 250 Dollar.

          Im Wesentlichen gab es damals zwei Gründe für den Kursverfall: Zum einen setzte China strengere Kapitalverkehrskontrollen durch, so dass es für Chinesen nicht mehr so einfach war, in Bitcoin zu handeln. Ebenso gravierend dürfte die Insolvenz von Mt. Gox gewesen sein, der damals größten Handelsbörse der Welt mit Sitz in Japan. 60 Prozent des Handels wurden über sie abgewickelt, bis nach einem nie bewiesenen Hackerangriff große Summen an Bitcoin verschwanden.

          Die Risiken sind auch heutzutage wieder ähnlich. Noch immer ist China der Haupthandelsort für die Bitcoin. Schon durch leichte politische Maßnahmen – sei es eine weitere Schwächung des Yuan zum Dollar oder wieder strengere Kapitalverkehrskontrollen – könnte es gigantische Schockwellen auf dem Bitcoin-Markt geben.

          Auch sind viele Handelsbörsen bis heute nicht sicherer als damals Mt. Gox. Immer wieder gibt es erfolgreiche Hackerangriffe. Dank mangelnder Regulierung ist auch keine Transparenz hergestellt. Das heißt: Ein zweiter Fall Mt. Gox ist auf Dauer keinesfalls ausgeschlossen, sogar wahrscheinlich. Das könnte man nur durch stärkere Regulierung minimieren, welche die Bitcoin-Nutzer aber wie der Teufel das Weihwasser fürchten.

          Analysten sind sich uneins

          Wo wird die Reise nun für die digitale Währung hingehen? Darüber sind sich Analysten und Marktbeobachter uneins. Stephen Carter von Bloomberg glaubt zum Beispiel an einem Einbruch des Bitcoin: „Der Preis wird fallen, wenn auch nicht auf das Niveau des Jahres 2015.“ Grund seien enttäuschte Erwartungen.

          Ryan Rabaglia von Octagon Strategy sieht dagegen eine Fortsetzung des Kurses des Jahres 2016 und einen Preis von 1400 Dollar je Bitcoin. Auch Bobby Lee von BTCC geht von einem weiteren Wachstum im Jahr 2017 aus – allerdings mit Absturz im darauffolgenden Jahr. Steigende Zinsen in den Vereinigten Staaten, gepaart mit einer niedrigen Inflation und weiterem QE wird den Bitcoin auf bis zu 3000 Dollar treiben – glaubt zumindest Vinny Lingham von Civic, einem Bitcoin-Start-up.

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