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Bitcoin : Historisches Hoch für eine virtuelle Währung

Ist die virtuelle Bitcoin-Währung sicherer? Euro-Münzen verschiedener Länder in einem Sammlershop auf Zypern Bild: AP

Die virtuelle Währung Bitcoin ist erstmals mehr als 100 Dollar wert. Der Clou: Banken und Politiker haben keinen Zugriff auf das Geld. In Krisenländern erfreuen sich die Coins deshalb hoher Beliebtheit.

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          In der Internetbranche gibt es mindestens genau so viele Erfolgsgeschichten wie Desaster. Erinnert sei nur an glorreiche Geschichten wie Google - der Aktienkurs hat sich seit dem Börsengang im Jahr 2004 versiebenfacht. Am Internethimmel könnte sich nun ein neuer Stern auftun: Die Internetwährung Bitcoin. Der Kurs dieser rein virtuellen Devise – es gibt keine Münzen und keine Scheine, nur Bits und Bytes – ist diese Woche erstmals auf mehr als 100 Dollar je Bitcoin gestiegen.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei ist die Währung noch jung, sie entstand erst im Januar 2009 mit dem Bitcoin-Netzwerk. Damals hatte die Währung noch keinerlei Wert oder Nutzen. Nur einige Enthusiasten hatten die Hoffnung, die von Institutionen unabhängige Währung könne irgendwann einmal an Wert gewinnen. Mittlerweile besitzen etwa 50.000 Nutzer Bitcoins. Um Bitcoins zu erhalten, muss ein Programm auf dem Computer installiert werden. Das Programm rechnet dann komplizierte Rechenfolgen. Ist eine solche Rechnung erledigt, hat der Nutzer ein Bitcoin verdient.

          Das verdienen von Bitcoins wird Mining genannt, übersetzt Schürfen. Der Clou dabei: Die Rechenfolge wird immer komplizierter. So benötigt der Nutzer immer mehr Zeit, um ein Bitcoin zu verdienen. Für einzelne lohnt es sich nicht, Bitcoins zu schürfen. Bei einem handelsüblichen Rechner würde es mehrere Jahre dauern, bis ein einziger Bitcoin verdient wäre. Die Stromkosten würden den Wertgewinn bei weitem übertreffen. Die maximale Menge Bitcoins wurde von den Erfindern der Währung von vornherein auf 21 Millionen Bitcoins beschränkt. Aktuell wurde davon die Hälfte geschürft, im Jahr 2033 wird die Obergrenze erreicht sein. Durch die Knappheit wird die Inflation verringert oder sogar verhindert.

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          Bitcoin-Programme in Spanien und Zypern beliebt

          Das Bezahlen funktioniert einfach: Dazu hat man ein Programm ähnlich einer Geldbörse etwa auf seinem internetfähigen Telefon oder seinem Tablet-Computer und sendet seine Bitcoins an einen anderen Teilnehmer des Netzwerks. Die Transaktion wird auf den Rechnern gutgeschrieben. Die erste bedeutende Transaktion fand im Jahr 2010 für 10.000 Bitcoins statt. Es war eine Pizzabestellung im Gegenwert von 25 Dollar. Damals war also ein Bitcoin nicht einmal einen einzigen Cent wert. Der Gegenwert wären beim heutigen Wechselkurs über eine Million Dollar – oder 40.000 solcher Pizzenbestellungen. Der Preisanstieg erklärt sich zum einen durch die Verknappung des Angebots durch das Rechenprotokoll bei gleichbleibender Nachfrage. Der zweite Grund für steigende Preise ist die Eurokrise, die das Vertrauen in Banken und Institutionen erschüttert. Während die Notenbanken rund um den Globus nach wie vor den Markt mit billigem Geld fluten, ist das bei Bitcoins schlicht und einfach nicht möglich. Und auf das Geld, welches auf den Bankkonten liegt, hat keine Regierung und keine Zentralbank Zugriff.

          Wer sehen möchte, was die Unsicherheit über die eigenen Einlagen anrichtet, sollte sich nur die Beliebtheit von Bitcoin-Programmen in Spanien und Zypern anschauen. Mehrere solcher Anwendungen rückten in der Gunst der Smartphone- Nutzer deutlich nach oben. So gehören viele Bitcoin-Programme mittlerweile zu den 100 beliebtesten Programmen in den Ländern – vor wenigen Tagen rangierten die Programme noch um den 500. Platz. In Zypern will ein Unternehmer nun sogar den ersten Bitcoin-Geldautomaten aufstellen. Bitcoin-Nutzer sollen sowohl Bitcoins senden und dafür Euro ausgezahlt bekommen wie auch Euros einzahlen können, um dann Bitcoins gutgeschrieben zu bekommen.

          Denn noch ist das Tauschen von Bitcoins quasi unerlässlich. Nur wenige Unternehmen außerhalb der Internet-Welt nehmen Bitcoins an, so etwa ein Burgerbrater in Berlin. Aber mittlerweile wächst die Angst der Behörden vor Geldwäsche und Manipulation. Schon mehrmals wurden die virtuellen Geldbörsen der Nutzer gehackt und Geld gestohlen. Einem Kriminellem ist es auch noch problemlos möglich, sein Geld durch Bitcoins reinzuwaschen. Zumindest in den Vereinigten Staaten soll dem ein Riegel vorgeschoben werden und Bitcoins stärker reguliert werden. Dann müssen größere Tauschgeschäfte den Behörden angezeigt werden und die Geschäfte, welche Bitcoins annehmen, müssen über die Transaktionen Buch führen.

          Mittlerweile beträgt der Wert der sich im Umlauf befindenden Bitcoins mehr als eine Milliarde Dollar. Diese Geldmenge M1 ist höher als die von 40 Ländern wie den Fidschi-Inseln, der demokratischen Republik Kongo oder Turkmenistan.

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