https://www.faz.net/-gv6-7ne8f

Bitcoins : Aufstieg und Fall einer seltsamen Währung

Wer Bitcoins einfach nur zum Zahlen verwenden will, muss sich mit ihrer Entstehung durch „Mining“ (eine Art Sudoku für Computer) nicht großartig beschäftigen. Die Schöpfer der Codes sind Privatpersonen - sie lassen ihre Rechner die Rätsel lösen. Als Ergebnis gibt es Zahlencodes, die man als Geld im Internet hin und her schicken kann. Die Schöpfer des Geldes haben Kosten für teure Superrechner und Strom - dafür dürfen sie den Gewinn aus dem neu geschaffenen Geld („Seigniorage“ ) einbehalten.

Der normale Nutzer dagegen kann Bitcoins gegen Euro bei den Internetbörsen kaufen und etwa in einer App („Wallet“) auf seinem Smartphone speichern. Wenn er dann im Internet einen Shop aufsucht oder in eine Kneipe geht, in der man mit Bitcoins zahlen kann, tippt er den Rechnungsbetrag ins Handy - und die Rechnung wird beglichen. Oberflächlich betrachtet ist die Sache nicht viel anders als Online-Banking.

Keine gesetzliche Rückendeckung

Es gibt allerdings einen wesentlichen Unterschied: Der Euro, der beim Online-Banking den Besitzer wechselt, ist das gesetzliche Zahlungsmittel in Deutschland - er wird als Bargeld von der Europäischen Zentralbank ausgegeben oder elektronisch von der Bank gutgeschrieben. Hinter den Bitcoins dagegen steht kein Staat, sie beziehen ihren Wert ausschließlich aus der Annahme, dass es immer genug andere Leute im Internet geben wird, die sie als Geld akzeptieren.

Das hat Vor- und Nachteile. Es macht die Währung freier, aber offenbar auch anfälliger. „Bitcoin-Nutzer setzen häufig darauf, dass das Bezahlen im Internet mit Bitcoin billiger ist als eine internationale Banküberweisung oder das Zahlen mit Kreditkarte“, sagt Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank. „Sie übersehen dabei aber unter anderem, dass der Kurs der Bitcoins stark schwankt. Letztlich können die Kursverluste schnell erheblich höher sein als alle Überweisungs- oder Kreditkartengebühren.“

Der Kurs von Bitcoin zu Euro, Dollar oder Yen bildet sich dabei ausschließlich durch Angebot und Nachfrage an den Internetbörsen: Wer ist also bereit, welche Menge an Bitcoins zu welchem Preis zu kaufen oder verkaufen?

Kein Todesurteil

Der Kurs ist extremen Schwankungen ausgesetzt. Konnte man im Frühjahr 2013 noch für 80 Dollar einen Bitcoin kaufen, so stieg der Preis kurz vor Jahreswechsel auf fast 1000 Dollar. Anfang dieses Jahres brach der Kurs dramatisch ein, unter anderem infolge der Pannen und Skandale - um sich zuletzt wieder etwas zu erholen.

„Ich glaube nicht, dass das jetzt der Tod der Bitcoins ist“, sagt Peter Roßbach, Professor für Informatik und Betriebswirtschaftslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. „Bei mehreren Bitcoin-Börsen war die Software offenbar nicht richtig programmiert. Für die Bitcoins selbst aber konnte ein Fehler bisher nicht nachgewiesen werden.“ Aus seiner Sicht ist es zwar „zumindest theoretisch nicht unmöglich“, den Bitcoin-Algorithmus zu hacken. „Aber nach dem, was derzeit öffentlich bekannt ist, hat es noch keiner geschafft.“

Richtige Fans jedenfalls zweifeln nie: In Berlin-Kreuzberg, wo sich im sogenannten Graefekiez der harte Kern der Bitcoin-Szene trifft, will man von einem Ende der Währung nichts hören. „Bei mir zahlen mittlerweile 10 bis 20 Prozent der Gäste ihr Bier, ihre Cola oder ihre Burger mit Bitcoins“, sagt Jörg Platzer, Betreiber des Lokals „Room 77“ und Vorstandsmitglied des neu gegründeten Bitcoin-Bundesverbands. Wegen der Skandale seien die Leute zwar vorsichtiger mit ihren Bitcoins geworden: „Das müssen sie auch.“ Zugleich werde die Währung aber immer bekannter.

Weitere Themen

Topmeldungen

Ein Gespräch über Dänemark : „Wir haben so viel Angst“

Seit dem Kollaps von Christian Eriksen in einem EM-Spiel schauen viele auf Dänemark. Die Autorin Katrine Engberg spricht über den tragischen Vorfall, das Glück des Moments und die Zerrissenheit der dänischen Gesellschaft.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.