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Bester Auftakt seit 20 Jahren : Gold wieder ein Anlegerthema?

  • -Aktualisiert am

Goldbarren Bild: ddp

Der Goldpreis hat bisher in diesem Jahr knapp 10 Prozent zugelegt. Das Ende des langfristigen Abwärtstrends könnte nun eingeläutet sein, Analysten halten sich dennoch bedeckt.

          Steigende Edelmetallpreise bringen derzeit bei vielen Marktteilnehmern wieder ein Gold-Investment ins Gespräch und beleben das Geschäft mit Rohstoff-ETFs. „Investoren reagieren auf die Unsicherheiten an den internationalen Finanzmärkten“, bestätigt Bernhard Wenger von ETF Securities die Zuflüsse im Edelmetallsektor. Positiven Prognosen für die Weltkonjunktur stünden eine schwächer als erwartete Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft und Sorgen über die Entwicklung der Emerging Markets gegenüber, so die viel gehörte Meinung am Markt.

          Schwacher Dollar, starker Goldpreis

          Die offene Frage, wie lange die lockere Geldpolitik in den Vereinigten Staaten fortgesetzt wird, setzt dem Dollar entsprechend zu. In diesem Umfeld kletterte zuletzt der Goldpreis und durchkreuzte die für viele Charttechniker wichtige 200-Tage-Linie wieder nach oben. Das Ende des langfristigen Abwärtstrends könnte somit eingeläutet worden sein, aktuell hält sich der Goldpreis über der Marke von 1300 Dollar pro Feinunze. Mit einem Plus von knapp 10 Prozent seit Jahresbeginn kann der Goldpreis auf den besten Jahresauftakt seit 1983 zurückblicken.

          Die Analysten der UBS haben in diesen Tagen schon einmal ihre Prognosen für den Preis des glänzenden Edelmetalls erhöht. Auf Sicht eines Monats wurde das Ziel von 1180 auf 1280 Dollar angehoben, auf drei Monate von 1100 auf 1350 Dollar, wie aus einer Studie der Analystinnen Edel Tully und Joni Teves hervorgeht. Im Schnitt gehen die beiden Expertinnen von einem Niveau von 1300 Dollar in diesem Jahr aus und liegen damit 100 Dollar über ihrer bisherigen Prognose. „In den vergangenen 13 Monaten war Gold die Anlageklasse, die bevorzugt leerverkauft oder gemieden wurde. Die jüngsten Entwicklungen deuten freilich darauf hin, dass dies nicht länger der Fall ist. Das Momentum kehrt zurück“, so die Studie weiter.

          Unruhe in Schwellenländern treibt Anleger in Gold

          Vor allem die veränderte Einstellung der amerikanischen Anleger gibt den UBS-Analysten Anlass zur Hoffnung. Durch die Turbulenzen an den Schwellenmärkten sei das Bedürfnis nach Anlageklassen zur Absicherung gewachsen. Dies lässt sich an der Nachfrage nach dem SPDR Gold Trust als größtem börsengehandelten Fonds, der mit Gold unterlegt ist, ablesen. In der vergangenen Woche verzeichnete er einen Zuwachs von 0,5 Prozent. Dies war nicht nur der dritte Anstieg in Folge, sondern auch die längste Gewinnstrecke seit August. Allzu weit aus dem Fenstern lehnen sich die UBS-Analystinnen aber nicht:

          Für 2015 gehen sie unverändert von einem Stand von 1200 Dollar aus. Das Szenario einer Expansion von Amerikas Wirtschaft von 3 Prozent im laufenden Jahr, einer fortgesetzten Verringerung der Anleihekäufe durch die Notenbank Fed und Zinsanhebungen ab Mitte 2015 seien große Hindernisse für Gold. „Obwohl wir einen Anstieg über 1400 Dollar hinaus für nicht angemessen halten, erscheint uns ein Fall unter 1200 Dollar als ebenso wenig gerechtfertigt”, heißt es in der Studie. „Letztlich rechnen wir mit einem Preisanstieg bei Gold, der allerdings auf eine Spanne beschränkt bleibt.”

          Manche sprechen von einer „korrektiven Bewegung“

          Bei anderen Analystenhäusern ist man derweil weiterhin skeptisch. „Wir sind immer noch bearish zu Gold“, sagt beispielsweise Robin Bhar von der Société Générale, der von Bloomberg als bester Goldanalyst bezeichnet wird. Den derzeitigen Aufwind bezeichnet Bhar als „korrektive Bewegung“ und geht in seiner Prognose von einem Goldpreis um 1050 Dollar im vierten Quartal 2014 aus. Auch der laut Bloomberg zweitbeste Goldanalyst Justin Smirk ändert trotz höherer Volatilität im Markt seine Einschätzung zur Goldentwicklung nicht. Der Trend Richtung sicherer Hafen schüre die Goldnachfrage, wenn es günstig ist, aber Gold sei nicht mehr günstig. „Da sind gerade Schnäppchenjäger unterwegs.“ Setze sich die Rallye fort, werde die Nachfrage zurückgehen.

          Christoph Geyer von der Commerzbank unterstreicht hingegen, dass der Abwärtstrend von Gold zwar gebrochen sei, nun stelle sich aber die Frage, wie weit die Reise nach oben gehen kann. Dabei bezeichnet Geyer die aktuelle Gegenbewegung als hilfreich für weitere Kursgewinne, nachdem der bisherige Anstieg ohne Korrekturbewegungen stattgefunden hätte. Technische Indikatoren wie der MACD stünden kurz vor einem Verkaufssignal. „Die Kreuzunterstützung im Bereich von circa 1265 Dollar sollte aber unbedingt verteidigt werden.“ Dann könne Gold Richtung 1360 und 1440 Dollar pro Feinunze laufen.

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