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Bestechlichkeit in Asien : Der Dollar ist die Lieblingswährung der Korrupten

Einfach zu übergeben: Für Dollars werden meist keine Geldkoffer benötigt Bild: AFP

In Südostasien gelten Dollar und Singapur Dollar als Favoriten für Kriminelle. Vor allem in Indonesien sind korrupte Machenschaften stark verbreitet.

          Der indonesische Handelsminister Gita Wirjawan nimmt kein Blatt vor den Mund: „Bestechung gibt es bei uns nicht. Man nennt sie ‚Zusatzkosten‘.“ Gerade war der höchste Richter der größten Volkswirtschaft Südostasiens festgenommen worden, weil er umgerechnet mehr als 183.000 Euro für gewogene Urteile angenommen haben soll. Die Polizisten an der Straßenkreuzung bekommen ein paar Rupiah in die Hand gedrückt. Doch halten hohe Beamte, Politiker oder Manager die Hand auf, greifen sie am liebsten nach Dollar oder Singapur Dollar.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der amerikanische Außenminister John Kerry sagte am Montag auf der Konferenz der Pazifik-Anrainer-Staaten (Apec) auf Bali: „Bestechung zerstört unsere Märkte. Sie lässt Kosten steigen, sorgt für Ineffizienz, schafft ein brüchiges System. Unsere Volkswirtschaften werden ihr Potential nicht ausschöpfen, bevor wir kriminellen Unternehmungen nicht das Handwerk legen.“ Dahin aber ist es ein langer Weg in ganz Asien. Von China bis Indien fährt vor allem der gut, der gut schmiert.

          Zwei Vorteile für Verbrecher

          „Bestechung ist weltweit die größte Einzelbarriere der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung von Ländern“, sagt der britische Korruptionsfachmann John Manners-Bell. Umso reizvoller erscheint es, Einblick in die Praktiken zu bekommen. Beim indonesischen Richter Akil Mochtar fanden die Ermittler 284.000 Singapur Dollar und 22.000 Dollar in bar. Als Mitte August der Chefregulator für das Öl- und Gasgeschäft in Indonesien festgenommen wurde, lagerten in seinem Haus 127.000 Singapur Dollar und 490.000 amerikanische Dollar. Zwei Steuerbeamte trugen bei ihrer Festnahme ein paar Wochen zuvor 300.000 Singapur Dollar bei sich.

          Die Ermittler sehen zwei Vorteile für die Verbrecher, wenn sie auf Devisen zurückgreifen: „Die Summen in Indonesien sind schon zu groß, um sie in Rupiah zu zahlen. Und sie sind noch zu gering, um komplizierte elektronische Transfers vorzunehmen“, sagt Yenti Garnasih, Fachfrau für Geldwäsche an der Universität in Jakarta. Beträgt die Bestechungssumme eine Milliarde indonesische Rupiah (64597 Euro), so müsste der Täter zehntausend Banknoten im Wert von jeweils 100.000 Rupiah bei sich tragen – ein großer Koffer wäre nötig. Gewechselt in amerikanische Dollar, kommt er mit 876 Noten zu 100 Dollar aus. In der Währung des benachbarten Stadtstaates würden sogar 110 Noten zu 1000 Singapur Dollar ausreichen. „Beide Seiten wollen das Geschäft möglichst einfach halten.“ Wichtiger als Transport und Lagerung des Schwarzgeldes ist die Weiterverwendung. „Singapur ist angeblich ein komfortabler Ort für korrupte Indonesier, um ihr gestohlenes Vermögen zu sichern“, sagt Donal Fariz von Indonesia Corruption Watch. Lange Jahre galt die Stadt als angenehme Waschanlage für Schwarzgeld der Region. Dabei ist es heute ganz einfach, den Transfer einzudämmen: Denn Singapurs Banken prüfen inzwischen die Herkunft von Geldanlagen. Und auch Indonesien verfügt seit 2010 über ein Gesetz, das Transaktionen von mehr als 500 Millionen Rupiah meldepflichtig macht. Schwierig aber ist die Umsetzung – der Beamte könnte bestochen werden.

          Logistikbranche stark betroffen

          Zwar hat sich Indonesien in der Rangliste der korruptesten Länder seit dem Jahr 2008 von Rang 143 auf 118 vorgearbeitet – zählt damit aber immer noch zu den anfälligsten Ländern. Immer noch werden in den meisten Unternehmen Indonesiens drei Bücher geführt – eines für die Ehefrau, eines für die Steuerbehörden und das gut verschlossene für den Inhaber. Stark betroffen ist die Logistikbranche; sie ist auf Behörden und Beamte angewiesen. Und das in einem Umfeld, das bestimmt ist von schlechter Infrastruktur, langwierigen Zollprozeduren, einer lahmenden Justiz und Papierkrieg. Unternehmer kaufen sich mit Zahlungen in Dollar Freifahrtscheine für ihre Laster. Oder aber die Lastwagenfahrer müssen an jedem Kontrollpunkt in der Landeswährung zahlen.

          „Entweder werden Beamte bestochen, um ein Auge zuzudrücken. Oder es gibt ein ganzes Netzwerk bestochener Beamter, bis in höchste Ebenen. Dann wiederum lassen sie sich bestechen, um etwa vor Untersuchungen zu warnen. Oder aber, um Falschaussagen zu machen“, sagt John Manners-Bell. Der Wert der Ware wird falsch deklariert, um dann den Rest der höheren Gebühren zu behalten. Oder aber die Gewichtsangabe wird gefälscht. „Heute wird der kritische Teil des Transportes, etwa aus einem Hafen heraus, von ausländischen Firmen meist an ‚Agenten‘ ausgelagert. Der stellt eine Gesamtrechnung aus. Der Auftraggeber wäscht seine Hände in Unschuld“, sagt Manners-Bell. Rund ein Fünftel der Gesamtkosten der Logistiker gingen in Bestechung.

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