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Konkurrenz zum Dollar : Der Renminbi auf dem Weg zur Weltwährung

China weiß um seine Stärke: Finanzmetropole Schanghai. Bild: AFP

China öffnet seine Kapitalmärkte für die Welt. Noch ist der Handel in Renminbi ein Bruchteil des Geschäfts, doch die Amerikaner fürchten um die Dominanz ihres Dollars.

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          Die chinesischen Kapitalmärkte nehmen in vielerlei Hinsicht eine Sonderrolle ein. Eine Besonderheit ist zum Beispiel, dass der heimische Aktienmarkt von Privatanlegern dominiert wird. Etwa 80 Prozent der Aktien liegen in den Händen von chinesischen Privatanlegern.

          Daniel Mohr
          (dmoh), Wirtschaft
          Hendrik Ankenbrand
          (hena.), Wirtschaft

          Großanleger wie Fonds und Pensionskassen machen den Rest unter sich aus. Ausländer spielen keine Rolle. Doch das ändert sich nun immer mehr. Im Rahmen von Quoten, die derzeit regelmäßig erhöht werden, ist es ausländischen Anlegern erlaubt, an den chinesischen Festlandsmärkten von Schanghai und Shenzen ihr Geld anzulegen.

          Dort dürfen sie nun Teil einer aberwitzigen Marktentwicklung werden: aus dem Nichts heraus schossen die Aktienmärkte gemessen am Aktienindex CSI 300 oder dem MSCI China A-Aktien seit Herbst um 150 Prozent in die Höhe. Diese Woche fand dann der schärfste Kursrückgang seit der Finanzkrise statt.

          Noch weit hinter Dollar und Euro

          Die Indizes sackten alleine am Freitag um 6 Prozent ab, am Donnerstag betrug das Minus 4 Prozent und in der gesamten Woche 13 Prozent. Unzählige Unternehmen versuchen die Gunst der Stunde zu nutzen und gehen an die Börse. Vergleiche mit dem Neuen Markt und dem Zustand des deutschen Aktienmarktes um die Jahrtausendwende liegen nicht fern.

          Doch China will mehr als nur ein Spielkasino für Zocker sein. Vor zwei Jahren hat Chinas Präsident Xi Jinping öffentlich die Rolle des chinesischen Renminbi als künftige Weltwährung eingefordert. Damals lag der Anteil des Renminbi im globalen Zahlungsverkehr im Promillebereich. Mittlerweile sind es gut 2 Prozent, was aber noch weit hinter dem Anteil von Dollar (45 Prozent) und Euro (27 Prozent) zurückbleibt.

          In der Handelsfinanzierung hat der Renminbi den Euro indes schon überholt und kommt auf gut 9 Prozent. Der Dollar dominiert jedoch mit 79 Prozent. Beim damaligen Gipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), der in Russland stattfand, sagte Jinping aber auch: „Wir sollten ein stabiles und risikoresistentes internationales Währungssystem aufbauen und die Zusammensetzung des Währungskorbs für Sonderziehungsrechte reformieren.“

          China tut was für die Liberalisierung

          Viele verstanden das als Kampfansage an Amerika. Denn anders als im Welthandel und der Wirtschaftskraft, in der China längst auf dem besten Wege an die Weltspitze ist, war und ist China an den Kapitalmärkten noch längst nicht in einer Führungsrolle, sondern ein Entwicklungsland.

          In dieser Woche, in der der IWF in Europa mit Griechenland rang, waren die für China zuständigen IWF-Beamten in Peking und diskutierten mit der chinesischen Führung, was alles noch passieren muss, um den Renminbi zur Weltwährung zu machen. Alle fünf Jahre entscheidet die Washingtoner Institution, welche Währungen sie in ihren Korb der Sonderziehungsrechte aufnimmt. Diese sind ein Zahlungsmittel, das in den Konten der Notenbanken als Reserve steht und zu einem festen Wechselkurs eingetauscht werden kann.

          Aufholjagd: Der Renminbi kommt näher an den Dollar ran.
          Aufholjagd: Der Renminbi kommt näher an den Dollar ran. : Bild: F.A.Z.

          Dieser wird aus den bisher im IWF-Korb enthaltenen Währungen Dollar, Euro, japanischer Yen und britisches Pfund gebildet. Eine einfache Mehrheit der Stimmen genügt, um aufgenommen zu werden. Doch Amerika dominiert das Gremium. Zuletzt wurde 2010 abgestimmt. Damals lehnte der IWF den auch Yuan genannten Renminbi aus guten Gründen ab. Doch seither hat Chinas einiges für die Liberalisierung seiner Kapitalmärkte und der Währung getan.

          Bald wird der Renminbi freigegeben

          Im globalen Zahlungsverkehr liegt dieser nun an fünfter Stelle der meist verwendeten Währungen. Ausländer können mittlerweile vermehrt in China Aktien und Anleihen kaufen und auch Chinesen dürfen vermehrt im Ausland investieren. Überall auf der Welt entstehen Renminbi-Clearingzentren, unter anderem in Frankfurt. Und die Finanzminister der sieben größten Industriestaaten hatten die Aufnahme jüngst bei einem Treffen als „im Prinzip wünschenswert“ bezeichnet.

          Der IWF selbst hat in den vergangenen Monaten mehrmals verkündet, die zweitgrößte Wirtschaft, die zwölf Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts stellt, sei bei der Öffnung ihres Finanzsystems auf dem richtigen Weg. Der frühere amerikanische Vorwurf, Peking halte den Renminbi künstlich niedrig und damit seine Exporte billig, treffe nicht mehr zu. Vor fünf Jahren, so schätzen Beobachter, hätte eine Freigabe des Renminbi noch scharfe Anpassungsschocks ausgelöst.

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