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Banknoten aus dem Darknet : Ein Fünfziger für 1,90 Euro

Im Darknet gibt es auch gefälschte Banknoten. Bild: dpa

Für Kriminelle lohnt es sich offenbar besonders, die 50-Euro-Note nachzumachen. Eine neue Note soll den beliebten Geldschein noch sicherer machen. Doch im Darknet sind Blüten für einen Spottpreis zu haben.

          Ein „falscher Fünfziger“ oder „Fuffziger“ steht umgangssprachlich für einen Menschen, dem man nicht trauen kann. So manch einer meint damit allerdings auch eine Blüte, also einen gefälschten 50-Euro-Schein. Der genaue Ursprung dieser Bezeichnung ist gleichwohl noch immer nicht geklärt. Nach Ansicht einiger Fachleute könnten damit ursprünglich im 19. Jahrhundert nachgemachte 50-Thaler-Noten gemeint gewesen sein. Andere verweisen auf falsche 50-Pfennig-Münzen.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Fest steht dagegen, dass es sich für Kriminelle offenbar besonders lohnt, die 50-Euro-Note nachzumachen. Nach Daten der Deutschen Bundesbank ist sie mit Abstand der am häufigsten gefälschte Schein. Im Jahr 2016 belegte sie mit fast 50.000 entdeckten Fälschungen den ersten Platz unter allen Euro-Blüten – ein Anteil von gut 60 Prozent. Auch unter den legalen Geldscheinen liegt die 50-Euro-Note auf Platz eins. Mit mehr als acht Milliarden Exemplaren ist sie nach Angaben der Bundesbank die am häufigsten genutzte Stückelung im Euroraum.

          Die Tage des alten 50-Euro-Scheins sind gleichwohl gezählt. Denn schon am nächsten Dienstag kommt ein neue Note der sogenannten Europa-Serie in allen 19 Mitgliedstaaten des Euroraums in Umlauf. Mitte März wurde der neue Fünfziger erstmals der Öffentlichkeit präsentiert mit kräftigeren Farben, einer smaragdgrünen Zahl und einem transparenten Fenster, in dem auf beiden Seiten der Geldnote – im richtigen Licht – ein Porträt der mythologischen Gestalt „Europa“ erscheint. Dieser Schein ergänzt die schon eingeführten neuen 5-Euro-, 10-Euro- und 20-Euro-Banknoten.

          Wo gibt es eigentlich Blüten?

          Zwar behält der alte Fünfziger seine Gültigkeit. Doch nach den bisherigen Erfahrungen werde der neue Schein schnell den Weg in die Geldbörsen der Bundesbürger finden, sagen die Fachleute der Bundesbank. Bei der Einführung der vorangegangenen Stückelungen habe es in Deutschland zwischen zwei und drei Monaten gedauert, bis mehr neue Banknoten als solche der alten Serie in Umlauf gewesen seien. Die älteren werden sukzessive aus dem Verkehr gezogen. Die Erstausstattung mit den neuen Scheinen soll nach Angaben der Notenbanker 5,4 Milliarden Stück mit einem Gewicht von 5400 Tonnen umfassen. Die Kosten der neuen Scheine sollen dabei bei 10 Cent je Stück liegen, bislang seien es 6 bis 8 Cent gewesen.

          Der neue Schein gilt als besonders fälschungssicher. Dies untermauere auch die fallende Zahl der Blüten der anderen Stückelungen, die schon erneuert worden seien, heißt es von der Bundesbank. Da aber die alten Scheine ihre Gültigkeit behalten, müssten sich die Fälscher ja eigentlich gar nicht an den neuen Scheinen versuchen, sondern könnten weiterhin auf die alten Fälschungen setzen. Dann fällt der alte Schein irgendwann zwischen all den neuen Noten vielleicht auf. Doch wer weiß schon in ein paar Jahren noch so genau, wie der alte damals aussah?

          Und wo gibt es eigentlich Blüten? Irgendwo in den verschlungenen Kanälen des Internets ist fast alles zu finden – auch das, was man besser gar nicht erst suchen sollte. Dabei soll eine 50-Euro-Blüte im Darknet rund 1,90 Euro kosten. Dies hat jedenfalls Vexcash, ein Anbieter von Kurzzeitkrediten über das Internet, herausgefunden. Doch „Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht, oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft.“ Dies war jedenfalls auf den alten D-Mark-Scheinen zu lesen. Auf den Euro-Noten – alt wie neu – steht dies zwar nicht mehr. Doch weniger strafbar ist der Umgang mit falschen Fünfzigern deswegen nicht geworden.

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