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Australien : Unwetter dürften Kohlepreis treiben

Land unter in Lismore: Erst kamen Feuerstürme, nun leidet Australien unter den Fluten Bild: AFP

Australien leidet in diesen Wochen unter Naturkatastrophen. Dadurch könnte der Preis für Kohle in den kommenden Monaten steigen. Die Förderer schätzen die Lage aber weniger schlimm ein als während der Jahrhundertflut 2011.

          Erst Feuerstürme, nun Fluten. Australien leidet in diesen Wochen unter Naturkatastrophen. Die Überflutungen entlang der Ostküste treffen nun auch den Tagebau der Kohleförderer in Queensland. Die Zuckerrohrfarmer der Region kommen im Gegensatz zu früheren Unwettern bislang dagegen weitgehend ungeschoren davon. Der Regen dürfte ihre Produktion um rund eine Million Tonnen auf etwa 31 Millionen Tonnen in dieser Saison kürzen. Australien ist der drittgrößte Exporteur von Zucker.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Mehrere Minen aber stehen nach den schwersten Regenfällen seit zwei Jahren unter Wasser, der Verkehr auf Eisenbahnstrecken zu den Häfen musste unterbrochen werden. Auch der Kohlehafen Gladstone musste in den vergangenen Tagen seine Arbeit bis auf weiteres einstellen. „Die Unterbrechungen bei der Bahn sollen etwa zehn Tage dauern, was zu entsprechenden Absatzreduzierungen führen wird“, sagt Frank Leschhorn, Chef von Munich Mining & Industry Consulting in Queenslands Hauptstadt Brisbane. Die beiden größten Kohleförderer in der Region, Anglo-American und Weltmarktführer BHP Billiton in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Mitsubishi (BMA), mussten beide zwischenzeitlich ihre Arbeit unterbrechen. „Das Bowen Basin wurde von 200 bis 400 Millimeter Regen getroffen. Die Beeinträchtigungen sind aber nicht so stark wie während der ,Großen Flut 2011’. Gleichwohl könnte es mehrere Wochen dauern, bis das Geschäft wieder ganz normal läuft, und die Überflutungen werden die Preise für Kohle treiben“, heißt es bei der Australia & New Zealand Banking Group (ANZ).

          Der Markt sieht Nachholpotential

          Allerdings sind die Schäden bislang nicht so schwer wie 2011, als Zyklone zahlreiche Bergwerke für Wochen überfluteten. „Die Kohlegruben profitieren auch davon, dass sie das kontaminierte Regenwasser nun - anders als in der Vergangenheit - dank der Genehmigung der neuen konservativen Regierung in die Vorflut pumpen dürfen“, berichtet Leschhorn von der Vereinfachung der Aufräumarbeiten. 2011 stieg der Preis für Kokskohle auf mehr als 300 Dollar je Tonne. Vergangene Woche pendelte er um die 157 Dollar je Tonne, zog dann kurzfristig auf mehr als 170 Dollar an.

          Analysten gehen aber aus mehreren Gründen von einem länger währenden Anstieg aus: Zum einen verharrt der Preis für australische Kokskohle seit Monaten um 150 Dollar je Tonne, während derjenige für das in der Stahlproduktion ebenso unerlässliche Eisenerz im selben Zeitraum von etwa 80 auf 150 Dollar je Tonnen zugelegt hat. Zum anderen sind damit Kohle und Erz etwa gleich teuer, während der Kohlepreis bei der vergangenen Flutkatastrophe in Queensland sprunghaft auf das Doppelte des Erzpreises gestiegen war. Schon unter normalen Umständen liegt der Preis für Kokskohle aber über demjenigen von Erz. Deshalb sieht der Markt Nachholpotential. Auch beginnt Großabnehmer China seine Vorräte auszubauen: Im Dezember kauften die Chinesen 7,6 Millionen Tonnen Kokskohle, nach 5,8 Millionen im November, 3,6 Millionen Tonnen im Oktober und 2,4 im September vergangenen Jahres. Im gesamten vergangenen Jahr lag der Import damit 20 Prozent über dem Wert von 2011.

          Zwar ist die Mongolei mit ihren Bergwerken der Hauptlieferant Chinas mit rund 19 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr. Australien liefert knapp 14 Millionen Tonnen. Doch drohen Einschränkungen in der Mongolei aufgrund der Schwierigkeiten mit der Förderung von Erdenes-Tavan Togloi (F.A.Z. vom 26. Januar). Auch das könnte den Preis für australische Kohle stützen.

          Im australischen Bundesland Queensland werden zwei Drittel der über See verschifften Kohle gefördert. Sie geht vor allem in die Stahlwerke in China und Korea.

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