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Aus für fossile Energieträger : Die Verlierer des G-7-Versprechens

Kettenraupe auf einer Kohlehalde des Rheinhafen-Dampfkraftwerks in Karlsruhe. Bild: dpa

Der Plan ist ehrgeizig: Die größten Industrieländer wollen bis zum Ende des Jahrhunderts auf Kohle, Öl und Gas verzichten. Die Märkte reagieren darauf sehr unterschiedlich.

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          Die Marketingleute der Peabody Energy Company lassen sich ihren Optimismus nicht nehmen. „The Right Company. The Right Investment. The Right Vision“ prangt auf der Internetseite des nach eigenen Angaben größten privaten Kohlekonzerns der Welt. Wer hier investiert, macht alles richtig. Doch man möchte hinzufügen, dass der Investor es heute wohl zur falschen Zeit machen würde. Denn die goldenen Zeiten des Unternehmens wie der ganzen Kohleindustrie scheinen bis auf weiteres vorbei. Noch vor vier Jahren konnten sich die Aktionäre von Peabody Energy über ein Kurshoch leicht über 70 Dollar freuen. Inzwischen ist davon kaum noch ein Häufchen Asche übrig, um im Bild zu bleiben. Am Dienstag erreichte der Aktienkurs des Kohlekonzerns ein Rekordtief von 2,38 Dollar.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seinen bislang letzten Schubser ins Tal erhielt der Kurs Anfang vergangener Woche. Zuvor hatten sich die Vertreter der größten Industrienationen (G7) darauf verständigt, bis Ende des Jahrhunderts auf fossile Energieträger zu verzichten. Vor allem von der besonders dreckigen Kohle wollen sich die Anleger daher zunehmend verabschieden. Ähnlich wie bei Peabody sieht das Bild beim amerikanischen Kohleminenbetreiber Consol Energy aus, der allein seit den Beschlüssen der G-7-Staaten gut 15 Prozent seines Werts an der Börse eingebüßt hat. Und auch der Kurs des deutschen Energieversorgers, der am engsten mit der Kohle verbunden ist, RWE, hat in den vergangenen 10 Tagen noch einmal um 10 Prozent auf inzwischen 19,50 Euro verloren.

          Große Öl- und Gaskonzerne verlieren an Wert

          Es sind harte Zeiten für Konzerne, die ihr Geld mit fossilen Brennstoffen verdienen. Das macht sich zunehmend auch an den Finanzmärkten bemerkbar. Schon vor der Vereinbarung der G-7-Staaten haben mehrere große Investoren wie der Staatsfonds von Norwegen öffentlichkeitswirksam dem Kohlendioxid abgeschworen.

          Bild: F.A.Z.

          Allerdings spüren nicht alle Energieträger den Liebesentzug der Anleger so unmittelbar wie die Kohle. Ironischerweise haben viele große Energiekonzerne unmittelbar nach der Vereinbarung von Elmau erst einmal Kursgewinne verzeichnet. Erst nach und nach ist die Stimmung auch bei ihnen ins Negative geschlagen. Innerhalb eines Monats haben alle großen Öl- und Gaskonzerne deutlich an Wert verloren. Bei Royal Dutch Shell steht ein Minus von 7 Prozent zu Buche, BP verlor 5 Prozent, der italienische Konzern Eni 7 Prozent. Schon seit längerem entwickelt sich der Energiesektor global deutlich schlechter als die Börsen insgesamt, was zum Großteil am gefallenen Ölpreis liegen dürfte.

          Dass die Kurse kurz nach dem G-7-Gipfel erst einmal hoch gingen, könnte daran liegen, dass nicht ganz klar ist, wie hart das Versprechen tatsächlich ist. Wenn sich die Staaten daran halten, gewinnt die vielfach beschworene Carbon Bubble an Kontur: dass nämlich die Energieriesen dieser Welt nicht alle Reserven, die in ihren Bilanzen stehen, verbrennen können, weil dies das Weltklima nicht aushalten würde. Konzerne wie Exxon Mobil, Shell und BP wären dann zu hoch bewertet. Die Bank HSBC hat ausgerechnet, dass allein die großen Erdölkonzerne zwischen 40 und 60 Prozent ihres Wertes abschreiben müssten, wenn die Erderwärmung unter 2 Grad Celsius gehalten werden sollte.

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