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Argentinien : Peso markiert eine neues Allzeittief

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Wie viel ist der Peso morgen wert? Bild: AP

In Argentinien misstrauen die „kleinen Leute“ der „großen Politik“ und wollen Vertrauen kaufen. In Form von Dollars.

          Mit 2,45 Pesos für einen Dollar hat die argentinische Landeswährung am Mittwoch ein neues Allzeittief erreicht und seit der Auflösung der zwölfjährigen Dollarbindung im Januar rund 62 Prozent ihres Wertes verloren.

          Ursache für diese Kursentwicklung scheint der Internationale Währungsfonds (IWF) zu sein, der offensichtlich eine harte Linie fährt. So haben offizielle Stimmen angedeutet, der Fonds werde dem Land keine neuen Kredite zur Verfügung stellen, solange nicht die notwendigen Voraussetzungen dafür geschaffen werden. Dabei handelt es sich in erster Linie um Ausgabenkürzungen beim hoch verschuldeten Zentralstaat, aber auch den Provinzen.

          „Die Leute wollen Dollar haben“

          Dabei ist das Land dringend auf diese Mittel in Höhe von 20 Milliarden Dollar angewiesen, um die Finanzreserven etwas zu polstern, um Wohlfahrtsprogramme zu finanzieren und um das Bankensystem zu stabilisieren. „Der Verkaufsdruck kommt von Sparern, die kleine Dollar-Beträge erwerben, und von einigen größeren Unternehmen, obgleich das Volumen nicht so bedeutend ist", sagte Alejando Bueno von Primary Securities in Buenos Aires. Im Grunde wollen die Leute Dollars haben.

          Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov prognostiziert eine „traumatische“ Entwicklung für das Land, falls es die Kredite nicht erhalten sollte. Allerdings erinnert das stark an die Vergangenheit. Denn genau mit diesen Argumenten war des den verschiedenen Regierungen immer wieder gelungen, an Kredite heran zu kommen, ohne die wirtschaftlich eigentlich notwendigen Konsequenzen ziehen zu müssen. Und genau das scheint jetzt nicht mehr der Fall zu sein. So sagte IMF-Direktorin Anne Krüger wörtlich „wir können in einer Situation, in der alte Probleme nicht gelöst sind, keine neuen Kredite auszahlen“.

          Devisenmarkt spricht der Politik das Misstrauen aus

          Beobachter gehen davon aus, dass die Kreditverhandlungen sich über Monate hinziehen könnten.
          Schlußendlich ist es eine Frage der Glaubwürdigkeit der argentinischen Regierung, die behauptet, das Budget für das Jahr 2002, die Geld- und Fiskalpolitik seien fundiert. Aber die Leute auf der Straße scheinen anderer Meinung zu sein und versuchen sich über Dollarkäufe abzusichern.

          Vor diesem Hintergrund dürfte sich die Lage in Argentinien noch länger nicht entspannen. Immerhin war das Land einmal das reichste des gesamten Kontinents. Wenn das aber bei ursprünglich so guten Voraussetzungen so weit herunter gewirtschaftet wird, so müssen grundlegende Probleme vorliegen, die nicht von heute auf morgen gelöst werden können. Denn es kann zu einem Teil an der Einstellung der Wirtschaftsteilnehmer liegen, die sich jahrzehntelang an eine öffentliche Alimentierung gewöhnt haben. Ohne zu realisieren, das die argentinische Wirtschaft in der exisitierenden Form den genossenen Wohlstand eigentlich gar nicht hergab. Daher dürfte erst einmal ein langwieriger Umbau der Wirtschaft auf der Agenda stehen.

          Sollte sich also der IWF irgendwann entschließen, die Mittel frei zu geben, dann könnte es bei einigen Anlegern zwar durchaus Euphorie auslösen. Aber dafür gibt es zumindest fundamental betrachtet kaum einen Grund. Denn was immer entschieden wird, in der Vergangenheit ist zuviel an Vertrauen und Vermögen zerstört worden. Und - neu blühende Landschaften entstehen nicht von heute auf morgen.

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